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Rottweil Wahlberliner lässt sich von Stadt inspirieren

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Stadtschreiber Valentin Moritz nutzt seine Zeit in Rottweil nun anders als geplant.Foto: Zelenjuk Foto: Schwarzwälder Bote

Ein warmer Empfang, viel Ruhe und Zurückgezogenheit im Bischöflichen Konvikt, spannender Austausch mit Jugendlichen und eine abgesagte Lesung im November: Valentin Moritz steuert als Rottweiler Stadtschreiber auf die Halbzeit zu und zieht eine Zwischenbilanz.

Rottweil. Die Stadt, sagt der 33-jährige Autor, habe sich ihm von ihrer besten Seite gezeigt. Freundliche Menschen, wunderschöne Natur, reges kulturelles Leben – bis zum Teil-Lockdown im November. Eine Aufführung des Zimmertheaters in der alten Stallhalle hat er noch erlebt. Alles andere ist erst mal unmöglich: "Das Kino wirkt zum Beispiel sehr schön, da wollte ich eigentlich auch noch hin", sagt Moritz.

Atmosphäre im Konvikt für ihn perfekt

Nun heißt es für ihn im November: weniger unterwegs sein, intensiv an seinem zweiten Romanprojekt arbeiten, Radtouren und Waldspaziergänge als Ausgleich nutzen, sagt Moritz. Mit dem Fahrrad ist der Stadtschreiber sowieso viel unterwegs – und sagt, dass in Rottweil in puncto Fahrradfreundlichkeit noch viel Luft nach oben ist.

Seine Wohnsituation dagegen findet er sehr gut: "Man wohnt mit jungen Leuten eng beieinander. Manchmal sind sie laut, ich erlebe sie aber meistens als total nett, umgänglich und interessiert." Für seine konzentrierte Textarbeit eignet sich die Atmosphäre im Konvikt perfekt.

Wobei die Zurückgezogenheit auch ihre negativen Seiten hat, weiß Moritz. "Das Schreiben ist bei mir mit vielen Zweifeln verbunden. Ich nehme alles sehr genau. Wenn ich mich mit Menschen unterhalten kann, verfliegen diese Zweifel schnell. Wegen Corona wird dieser persönliche Austausch natürlich schwieriger."

Wie wichtig dieser Austausch gerade für angehende Autoren ist, sieht Moritz jetzt bei seinen Workshops, mit denen er eine kleine Gruppe von vier Jugendlichen aus Rottweil bei ihren ersten literarischen Schritten begleitet.

"Es sind erstaunlich begabte junge Leute", lobt der Stadtschreiber. Die meisten versuchen sich an Kurzgeschichten, es entstehen aber auch Gedichte und Rap-Texte. Moritz gibt Struktur vor, verrät Tipps und Tricks, motiviert und unterstützt. Denn es gehört schon viel Mut dazu, frische Texte den anderen Workshop-Teilnehmern vorlesen und auch mal Kritik aushalten zu können.

Seine eigene Lesung, bei der er dem Rottweiler Publikum am Dienstag den Roman "Kein Held" vorstellen wollte, ist wegen der Lockdown-Einschränkungen ausgefallen. "Das ist natürlich sehr schade. Und auch das Planen für das nächste Jahr ist ungewiss", sagt Moritz.

Wäre eine Online-Lesung denn eine Alternative? Davon hält Moritz nicht viel: "Da fehlt die Atmosphäre. Eine Lesung funktioniert durch die Präsenz. Das passiert so nicht, wenn man zu Hause vor dem PC oder vor dem Handy sitzt", ist er überzeugt.

Videoproduktion ist in Planung

Zusammen mit der Stadt will er stattdessen ein Video produzieren, in dem er ein Kapitel aus dem Buch vorliest. "Ein professionelles Video ist besser als ein schlechter ­Stream. Und das bleibt", erklärt Moritz. Signierte Exemplare von "Kein Held" gibt es übrigens auf dem Kulturamt und im Konvikt zu kaufen.

Neben der Arbeit an seinem nächsten großen Romanprojekt hat der 33-Jährige auch eine neue Erzählung geschrieben. Er habe sich von Rottweil inspirieren lassen. "Die Erzählung zeigt eine düstere Seite von einem fiktiven Rottweiler. Dort tauchen Elemente auf, die ich hier wahrgenommen habe", sagt Moritz. Und fügt sofort hinzu: "Die Erzählung ist stark abgekoppelt von der Realität." Also: Alle Ähnlichkeiten zufällig? Das erfahren wohl diejenigen, die die Erzählung lesen werden.

Das Lesen, findet der Rottweiler Stadtschreiber, ist eh eine der besten Beschäftigungen für die langen dunklen Abende im Lockdown. "Die Schriftsteller freuen sich auf jeden Fall über diese Art der Unterstützung, wenn ihre Bücher gekauft werden."

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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