Die Kuh auf der Weide ist nicht klimaschädlich, sagt Agrarwissenschaftlerin Anita Idel. Foto: pixabay Foto: Schwarzwälder Bote

Ökologie: Diskussion über Klimaschutz und Landwirtschaft auf Einladung der Grünen

Kühe, die Methan ausstoßen, leisten einen Beitrag zum Klimaschutz? Das mag für Menschen, die sich im Sinne ihres ökologischen Fußabdrucks ohne oder nur in geringer Menge von tierischen Erzeugnissen ernähren, als provokante These erscheinen.

Rottweil. Wer meinte, dass das Aufeinandertreffen einer Tierärztin und promovierten Agrarwissenschaftlerin und des Kreisjägermeisters Otmar Riedmüller für unüberbrückbare Gegensätze sorgen würde, der wurde eines Besseren belehrt, heißt es in einer Pressemitteilung des Kreisverbands der Grünen.

Ein Leben über den eigentlichen Verhältnissen

Die Expertin Anita Idel engagiert sich dem Bericht zufolge für das Tierwohl in einer zukunftsfähigen Landwirtschaft, die so bewirtschaftet ist, dass die Erde in Zukunft erhalten wird. Leider, so ihr Vortrag im voll besetzten Zimmerner Sportheim, treibe die Agrarindustrie die Landwirtschaft in die entgegengesetzte Richtung.

Anstelle Ressourcenschonung und -erhalt werde nur auf Produktivität gesetzt. "Wir leben über unsere Verhältnisse, merken es aber meist in der Landwirtschaft nicht", so Idel. Dauertiefpreise lenkten davon ab, dass die tierischen Produkte im Discounter nur vordergründig günstig sind. Die Erzeugnisse seien mehrfach subventioniert und durch die Verlagerung der Kosten in die Zukunft und auf die Entwicklungsländer nur scheinbar billig. Es gebe keine beliebig erweiterbare Fläche, und niedrige Arbeitslöhne sorgten auf Dauer für sozialen Sprengstoff in den Entwicklungsländern.

Wieso die Kuh für die Agrarwissenschaftlerin kein Klimakiller ist, habe sie an diesem Abend vor einem sachkundigen Publikum erläutert, heißt es weiter. Laut Idel müsste die Bodenfruchtbarkeit erhöht werden, "denn wir leben von fruchtbaren Ackerböden". Die Voraussetzung dafür sei durch die Beweidung geschaffen worden. Wenn Weidetiere über Jahrtausende dafür gesorgt haben, dass die Humusdecke gewachsen ist, so trage die konventionelle Agrarwirtschaft dazu bei, dass sie sich jährlich verringere.

Bis heute seien die Weideflächen das größte Ökosystem weltweit. Sie speicherten um 50 Prozent mehr Kohlenstoff als Waldböden. Daher sei die Kuh kein Klimakiller, sondern trage über die Weidewirtschaft dazu bei, den Kohlenstoff in der Erde zu binden. Stickstoffdüngung, bei der Lachgas frei werde, und das Füttern mit Kraftfutter seien der falsche Weg der Agrarindustrie. Die Weidewirtschaft zu fördern, sieht die Expertin hingegen als Beitrag gegen den Klimawandel. Dem widersprach keiner der Anwesenden im Publikum.

Jäger verbinden Naturschutz und Landwirtschaft

Wie es gelinge, die Landwirtschaft in diese Richtung zu bewegen, war Gegenstand der folgenden Diskussion. Dass die Förderung der Weidewirtschaft aus Mitteln der europäischen Union ein Beitrag gegen den Klimawandel sei, sei für viele eine neue Erkenntnis gewesen.

Kreisjägermeister Riedmüller unterstrich die wichtige Rolle der Jäger für den Naturschutz und die Landwirtschaft als verbindendes Glied. Der Wald könne nicht nur auf Gewinn ausgerichtet sein, sonst seien anfällige Monokulturen das Ergebnis. So viel Unterstützung wie durch die Gemeinde Zimmern würde nicht allen Jagdkreisen zuteil werden.

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