Daumen hoch oder Daumen runter? In der lockeren Kennenlernrunde werden den Politikern zunächst ganz allgemeinde Fragen gestellt. Foto: Cools Foto: Schwarzwälder Bote

Konferenz: Jugendliche fühlen Politikern auf den Zahn und haken bei manchem Thema genauer nach

Was wissen die Jugendlichen über die Landtagswahl? Was bewegt sie? Und was wollten sie die Politiker schon immer einmal fragen. All das wurde in der digitalen Jugendkonferenz in Oberndorf beantwortet.

Oberndorf. Mehr als 30 Jugendliche hörten sich in der Jugendkonferenz an, wie die Vertreter der großen Parteien die Zukunft gestalten wollen. Mit dabei war Sonja Rajsp von den Grünen, Stefan Teufel von der CDU, Torsten Stumpf von der SPD, Emil Sänze von der AfD, Daniel Karrais von der FDP und Sven Pfanzelt (Linke).

Nachdem die Moderatoren abgefragt hatten, wie viel die jugendlichen Teilnehmer über die Landtagswahl, die Wahlberechtigten und das Prozedere wissen, hatten die Politiker rund 30 Sekunden Zeit, ihre wichtigsten Wahlthemen aufzuzählen.

Bei Rajsp waren das Klimaschutz, Naturschutz und lebendige Ortsmitten, bei Teufel Bildung, eine gute Infrastruktur und gute Bildungschancen auch für Jugendliche auf dem Land. Stumpf sprach von der Entlastung der Familien und dem Ausbau des Wohlstands, Sänze vom Erhalt der Arbeitsplätze und guter Bildung. Daniel Karrais nannte unter anderem die Digitalisierung und die Förderung von Innovation und Pfanzelt Klimagerechtigkeit, bezahlbaren Wohnraum und den Bereich Gesundheit und Pflege.

Außergewöhnliche Fragen, etwa ob sie als Kinder eher im Wald oder bei Partys gewesen seien, lockerten die Runde auf. "Party, am besten der Letzte sein, der geht", nannte da etwa Karrais, während Stumpf mit Partys im Wald beides verbunden hatte.

Durch Jugendgruppen, Vereine, Besuche in Schulen, Kontakte zu Mitarbeitern und die eigenen Kinder hat jeder Kandidat Berührungspunkte mit der Jugend, wie sich herausstellte. Nach der Kennenlernrunde stieg man dann tiefer in die Materie ein.

Drei große Themenblöcke bildeten den Rahmen: Digitalisierung, Bildung und Umwelte. Dabei bewiesen die Jugendlichen nicht nur ihr eigenes politisches Interesse, sondern auch, dass sie sich mit manchem Thema intensiv befasst hatten.

Im Themenblock Digitalisierung ging es besonders um die Herausforderung digitalen Unterrichts und die Ausbildung von Lehrkräften dafür. Rajsp sprach sich davon aus, gleiche Voraussetzungen für alle Schüler zu schaffen, was die mobilen Endgeräte angeht. Daraufhin kam die Frage von einem Jugendlichen auf, wie man die ganzen Tablets und Anschlüsse für die ärmeren Schüler bezahlen wolle. "Wir haben beispielsweise 4000 Millionäre in Baden-Württemberg, die wir ordentlich besteuern könnten", sagte Sven Pfanzelt dazu.

Alle Parteivertreter waren sich einig, dass digitaler Unterricht auch Gefahren berge und unbedingt in Kombination mit Präsenzunterricht zu sehen sei. "Die Kinder müssen außerdem den Umgang mit ihren Daten im Internet lernen", so Karrais.

Bei der Frage, wie die Lehrkräfte ausgebildet werden sollen, plädierten Sänze und Karrais für die "Ins kalte Wasser werfen"-Methode. Einmal verstanden, könne man viele Geräte, die auf der gleichen Logik basierten, bedienen. Rajsp meinte, jüngere Referendare könnten das ältere Personal schulen. Teufel sprach sich für einen digitalen Leitfaden aus. Zudem sollten die Lehrer den Umgang mit Medien gleich im Studium lernen. Stumpf sagte, man brauche generell mehr Lehrerstellen. Pfanzelt schlug vor, IT’ler für die Schulen bereitzustellen.

Bei der Bildung ging es um die Gemeinschaftsschule, vor allem aber auch um das Modell G9. Während sich die CDU- und FDP-Vertreter für eine Wahlmöglichkeit zwischen G8 und G9 aussprachen, war die Grüne-Vertreterin der Meinung, man solle bei einem Modell bleiben, statt ständig zu wechseln.

Uneinigkeit herrschte jeweils bei den Fragen nach einer verpflichtenden Grundschulempfehlung (CDU, AfD und FDP sind dafür, der Rest dagegen) und einem kostenlosen Mitagessen für Schüler. Pfanzelt unterstützte letztere Idee voll und ganz, Rajsp und Stumpf plädierten für eine soziale Staffelung, und die anderen Vertreter meinten, zumindest ein geringer Preis sollte erhoben werden.

Ein heißes Eisen war das Thema Umwelt. Wie kann man das 1,5-Grad-weniger-Ziel erreichen, wurde gefragt. Stumpf führte beispielsweise regenerative Energien und günstige ÖPNV-Tickets an. Rajsp sprach von einer Photovoltaik-Pflicht.

In diesem Zusammenhang wurde auch über den Verbrennungsmotor diskutiert. Ein Jugendlicher meinte, ein Verbot von Verbrennungsmotoren ab 2025 sei ein Hirngespinst. Sänze pflichtete ihm bei, dass sich das nicht durchsetzen werde. Karrais sprach sich dafür aus, die Wasserstofftechnologie parallel weiterzubringen und auch für das Gasnetz beispielsweise einzusetzen. Ein Verbot bringe generell nur Unfrieden, fand er. "Aber wir brauchen eine Strategie für alternative Verbrennungsstoffe", so Stumpf.

Anschließend diskutierten die Jugendlichen in themenbezogenen Online-Bistros weiter und brachten letzte Fragen ins Plenum ein, ehe die Konferenz ihr Ende fand.

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