Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Rottweil/Vöhringen Prozess: Große Menge Amphetamin in Wohnung gefunden

Von
Amphetamine wie Speed oder Pep sind in der Drogenszene weit verbreitet. (Symbolbild) Foto: © DedMityay– stock.adobe.com

Rottweil/Vöhringen - Es muss einer Sache nicht schaden, wenn ein Richter über pädagogische Fähigkeiten verfügt. Wie sie angewandt werden können, erfährt ein 40-Jähriger, der sich vor dem Amtsgericht Rottweil zu verantworten hat.

Angeklagter spricht von eigenem Jahresbedarf

Als die Wohnung des Angeklagten in Vöhringen am 17. April des vergangenen Jahres durchsucht wurde, fanden sich verbotene Gegenstände. Vor allem ins Auge stachen 78,85 Gramm Amphetamine und ein Nunchaku (eine Drosselwaffe, umgangssprachlich als Würgeholz bezeichnet). Weiter die Rede ist von Ecstasy-Tabletten und selbstgebastelten Waffen.

Folge: Der Dachdecker wird wegen unerlaubten Handelns mit Betäubungsmitteln in nicht unerheblicher Menge angeklagt. Dies bezieht sich auf die Amphetamine. Eine weiße Substanz, die er sich durch die Nase hochziehe, wie seine Ehefrau bei der Vernehmung vor der Polizei ausgesagt hat. Besagte Menge entspricht weit mehr als 3000 Einheiten. Für den Angeklagten sein eigener Jahresbedarf, wie er vor Gericht erzählt. "Ich bin kein Dealer. Ich bin Konsument."

Verkauf nicht nachgewiesen

Dass an dieser Aussage gezweifelt werden darf, ahnt das Gericht mit Blick auf die Aussage der Ehefrau. Als Zeugin vor Gericht relativiert sich die Sache jedoch. Zwar sei sie mit dem Angeklagten seit Dezember 2018 verheiratet, doch jeder habe seine eigene Wohnung. Sie habe ihren Mann damals etwa zweimal die Woche gesehen, sei bei ihm zuhause gewesen.

Direkt bei möglichen Verkaufshandlungen sei sie dann doch nicht dabei gewesen. Wenn es geklingelt habe, sei er runter gegangen - und dann sei er wieder gekommen. Namen und genaue Daten werden vor Gericht nicht genannt.

"Ich habe mein Leben im Griff."

In Kontakt mit Betäubungsmitteln kam der Angeklagte nach eigener Aussage in frühen Jahren. Sein Konsum sei stabil. An eine Therapie habe er zuletzt gedacht. So seine Aussage auf Nachfrage des Richters. Er lobt seinen Arbeitgeber, schätzt das Betriebsklima. "Ich habe mein Leben im Griff."

Eine kühne Aussage. Jedenfalls für den Richter. "Dies sei die Frage, wie man es betrachtet." Zwar liegen Vorstrafen - und da werden einige genannt - lange zurück. Fünf Einträge stehen im Bundeszentralregister: 1999 Fahren ohne Fahrerlaubnis, 2002 unerlaubtes Handeln mit Betäubungsmitteln, 2003 vorsätzliche Trunkenheit im Straßenverkehr, 2007 dito und 2008 unerlaubter Erwerb von Betäubungsmitteln. Für all dieses gab es Geldstrafen und Freiheitsstrafen, zur Bewährung ausgesetzt. Vorläufiges Ende: Oktober 2010.

Freiheitsstrafe auf Bewährung

Doch den Eindruck, den der Mann im Gerichtssaal vermittelt, deutet darauf hin, dass er seitdem nicht abstinent im Sinne der Gesetze gelebt hat. Dies führt dann auch zum Urteil: eine Freiheitsstrafe über ein Jahr und acht Monate. Auf Bewährung. Diese Zeitspanne beträgt drei Jahre. Verbunden mit regelmäßigen Gesprächsterminen mit dem Bewährungshelfer und der Fachstelle Sucht. Und einer Geldstrafe über 1000 Euro, zahlbar in 200-Euro-Monatsraten an die Fachstelle Sucht.

Dass diese Bewährung die allerletzte sei, verdeutlicht der Richter ("Das ist ein großer Vertrauensvorschuss heute, den sie mitnehmen"), der dem Angeklagten mit klaren Worten empfiehlt, das weitere Leben in den Griff zu bekommen. Er rät ihm, sich um eine stationäre Therapie zu bemühen. Da ein Handel mit Betäubungsmitteln nicht nachgewiesen werden konnte sowie mit Blick auf das Geständnis (nicht schwer nach den Ergebnissen der Wohnungsdurchsuchung) und auf sein Arbeitsverhältnis bleibt der 40-Jährige außerhalb des Gefängnisses.

Gut im Sinne der Verhandlung ist außerdem der Verzicht auf die Rückgabe des Würgeholzes. Ein Nunchaku, selbst in den eigenen vier Wänden, sei verboten.

Ihre Redaktion vor Ort Rottweil

Armin Schulz

Fax: 0741 5318-50

Ihre Redaktion vor Ort Sulz

Marzell Steinmetz

Fax: 07454 95806-19

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.