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Rottweil/Villingendorf Familiendrama: Tatwaffe im Gerichtssaal gezeigt

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Die Handhabung der Repetierwaffe wurde im Gerichtssaal an der Original-Tatwaffe demonstriert. Screenshot: Youtube

Rottweil/Villingendorf - Am Tisch in der Mitte der Gerichtssaals, wo sonst die Zeugen sitzen, wird an diesem Prozesstag der Dreifachmord von Villingendorf erschreckend greifbar: Die Handhabung der Original-Tatwaffe wird demonstriert, die Kleidung der Opfer gezeigt. Diese, das ergibt das rechtsmedizinische Gutachten, hatten nach den Schüssen keine Überlebenschance.

Fünf Spezialisten des Landeskriminalamts in Stuttgart präsentieren am Donnerstag in der Verhandlung gegen Drazen D. die Ergebnisse ihrer umfangreichen Untersuchungen: Schießtests mit der Waffe, die Nachzeichnung der Schussverläufe mittels 3D-Laserscanner, die Auswertung von Fingerabdrücken sowie Schmauch- und Pulverspuren – all das schärft eindrucksvoll das Bild des Tatgeschehens vom 14. September.

Siehe auch: Halbzeit im Prozess um Familiendrama

Die Waffenexpertin des LKA hat die Tatwaffe dabei: ein klobiges Teil, der Lauf gekürzt, der hintere Schaft entfernt, 2,5 Kilogramm schwer. Ungekürzt wiegt die Waffe, die das Wappen der "Sozialisten Föderativen Republik Jugoslawien" trägt und zu Kriegszeiten vom Militär genutzt wurde, rund vier Kilo. Hergestellt von der Firma Zastava, abgeleitet vom Mauser Karabiner 98.

Die Expertin zeigt den umstehenden Prozessbeteiligten, wie sechs Patronen geladen werden können. "Keine Angst, es sind Dummy-Geschosse", beruhigt sie, bevor sie den Abzugshebel zieht. Nach jedem Schuss muss repetiert werden, die Patronenhülse wird weit zur Seite ausgeworfen, dann kann wieder geschossen werden. Wenn nichts klemmt, kann das in schneller Abfolge geschehen, wie die junge Frau eindrucksvoll zeigt.

Gewaltiges Mündungsfeuer

Beim LKA wurden zehn Testschüsse mit der Tatwaffe durchgeführt. Ein Video zeigt die Wucht und das enorme Mündungsfeuer, das dabei entsteht. Die Energie, mit der das Geschoss aus der Waffe tritt, sei gewaltig, erklärt die Beamtin. In Verbindung mit dem Großkaliber erklärt das die massiven Verletzungen, die die Opfer erlitten haben.

Die Patronenhülsen vom Tatort stammen zweifelsfrei aus der Waffe, die Drazen D. bei seiner Festnahme bei sich trug. Fingerabdrücke von der Sporttasche, die am Tatort gefunden wurde, sind ebenfalls zweifelsfrei ihm zuzuordnen. Beides ist keine Überraschung.

Das Bild der zahlreichen Schmauch- und Pulverspuren bestätigt laut LKA-Gutachten, dass die drei Schüsse auf den kleinen Jungen aus "50 Zentimeter Entfernung oder weniger", die Schüsse auf den 34-Jährigen Lebensgefährten aus etwa zwei Metern Entfernung abgegeben wurden. Die 29-jährige Cousine hatte noch versucht, sich unter den Terrassentisch zu verkriechen – sie wurde aus rund drei Metern getroffen.

Hier geht's zur Chronologie der Ereignisse

Mit Handschuhen breiten Beamte des LKA und der Kripo Rottweil dann vorsichtig die untersuchten Kleidungsstücke der drei Opfer aus. Das kleine Unterhemd des Sechsjährigen und sein blau-kariertes Hemd, das er bei der Einschulung getragen hat, ist von den Schüssen und den zahlreichen Pulvereinsprengungen durchlöchert. Die Lederjacke des 34-Jährigen und eine Steppjacke der Frau zeigen Einschuss- und Austrittspuren, passend zu den anderen Ermittlungsergebnissen.

Eineinhalb Stunden lang erläutert dann die rechtsmedizinische Sachverständige Iris Schimmel die Verletzungen der Opfer und den Verlauf, den das Geschoss jeweils im Körper nahm.

Opfer schleppt sich weg

Bei der 29-jährigen Frau kommt es neben vielen weiteren inneren Verletzungen zur Zerstörung der Leber, was zu massivem Blutverlust führte. Es sei aber möglich, dass sie sich, wie es die Zeugenaussagen ergeben haben, noch hoch zur Klippeneckstraße und dann wieder hinunter zur Treppe geschleppt hat. Dennoch hätte ihr Leben nach Ansicht der Gutachterin nicht gerettet werden können.

Beim 34-jährigen neuen Lebensgefährten von Drazen D.s Ex-Partnerin ging der erste Schuss quer durch den Oberkörper, traf unter anderem Lunge und Leber. Es sei jedoch davon auszugehen, dass der 34-Jährige zunächst noch gelebt hat. Als Drazen D. nach den Schüssen auf seinen Sohn in der Wohnung wieder auf die Terrasse kam, hat er ein weiteres Mal auf den liegenden Mann geschossen – direkt ins Herz. Dieses wurde "nahezu vollständig zerstört", so die Gutachterin. Ob sich der 34-Jährige vor dem zweiten Schuss noch etwas geregt hat oder bereits bewusstlos war, lässt sich nicht mehr feststellen.

Der kleine Junge erlitt durch die drei Schüsse aus nächster Nähe ein Vielzahl von schwersten inneren Verletzungen. Der Sechsjährige ist unmittelbar verstorben. Nichts hätte ihn noch retten können.

Der Angeklagte hat diese Schilderungen, wie auch den Prozesstag insgesamt, wie gewohnt ohne erkennbare Regung zur Kenntnis genommen.

MRT in Vorbereitung

Laut dem Vorsitzenden Richter Karlheinz Münzer sei die beantragte MRT-Untersuchung des Kopfes von Drazen D. – zur Feststellung einer eventuellen hirnorganischen Störung – derzeit in Vorbereitung. Der psychiatrische Sachverständige wird den Angeklagten außerdem für ein weiteres Gespräch, einer "Nachexploration" zur seinen Erlebnissen in Kindheit und Jugend, in der Haft aufsuchen.  Der Prozess wird am 28., 29. und 30. Mai, fortgesetzt. An diesen Tagen soll unter anderem die Frau aussagen, die mit Drazen D. in Kroatien die Waffe beschafft haben soll. Außerdem wird das psychiatrische Gutachten erwartet.

Mehr zum Familiendrama auf unserer Themenseite.

 
 

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