Nachdem er einem Trinkkumpan in den Hals gestochen hat, muss ein 58-Jähriger für vier Jahre ins Gefängnis. (Symbolfoto) Foto: ©gebphotography/Fotolia.com

Urteil: 58-Jähriger sieht im Suff rot. Mann sticht Bekanntem in Hals und verletzt zwei weitere Menschen. 

Kreis Rottweil/Tuttlingen (wis) - Zechen bis der Verstand stark ins Wanken gerät: In einer solchen Situation brannten einem heute 58-Jährigen im Juli des vergangenen Jahres bei einem Gelage am hellen Nachmittag in einer Wohnung in Tuttlingen die Sicherungen durch. Hinterrücks hat er einen 20 Jahre jüngeren und körperlich weitaus stärkeren Mann in den Hals gestochen. Auch wegen glücklicher Umstände kam das Opfer mit dem Leben davon. Der stark in Rage geratene Täter verletzte auch noch zwei weitere Personen, die den Tobenden und Umsichschlagenden schließlich in ihre Gewalt brachten.

Gestern nun wurde der vorher gerichtlich nicht in Erscheinung getretene Angeklagte wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung vom Landgericht zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt. Dies nach fünf Verhandlungstagen mit 22 Zeugen und zwei Sachverständigen.

"Die Sauferei führt zu nichts Gutem, dadurch verliert man alles", zitierte gestern der Vorsitzende Richter Karlheinz Münzer bei der Urteilsverkündung den 58-Jährigen, der den Vorfall im Laufe des Verfahrens auch als "Tragödie meines Lebens" bezeichnet hatte.

Zum Tatzeitpunkt hatte sich der Mann im Kreis weiterer Saufkumpane mit Wodka bereits wieder so die Kante gegeben, dass er 2,9 Promille intus hatte. In diesem Zustand warf er dem späteren Hauptopfer vor, für Drogenrückfälle seines Stiefsohns verantwortlich zu sein. Weil dessen Familie wegen der Probleme weggezogen sei, würden ihm Opa-Freuden verwehrt. Aus diesen Vorwürfen – mit denen das Opfer, dessen Drogenvergangenheit 20 Jahre zurückliegt, nicht anzufangen wusste – entwickelte sich laut Münzer das Tatgeschehen. Der Jüngere, der nachweislich nicht alkoholisiert war, glaubte, den mit dreisten Worten und auch mittels eines abgeschlagenen Flaschenhalses wütend tobenden 58-Jährigen mit dem Verweis auf eine zum Einsatz zu bringende Bratpfanne und harschen Worten in Schranken halten zu können. Als sich der schmächtige Täter einen Tee machte, kam er aus der Küche auch mit einem Messer zurück, dessen Klinge sich dem Opfer vier Zentimeter in den Hals bohrte.

Weil eine stark eingeschränkte Steuerungsmöglichkeit nicht ausgeschlossen werden könne sowie wegen der starken Alkoholisierung und der emotionalen Komponente (der Angeklagte habe sich bei seinen Vorwürfen nicht ernstgenommen und auch durch die zur Schau gestellte körperliche Dominanz des späteren Opfers gedemütigt gefühlt), sei die Tat mit klarer Tötungsabsicht nicht als versuchter Mord, sondern als versuchter Totschlag zu würdigen, so die Auffassung der Kammer.

Dem 58-Jährigen gab Münzer auf den erneuten Weg in die U-Haft – das Urteil ist nämlich noch nicht rechtskräftig –, im Strafvollzug die Chance einer Therapie zu nutzen. Die Unterbringung in einer Erziehungsanstalt wird nicht als notwendig angesehen. Von dem Mann gehe keine weitere Gefahr aus. Er habe es nun selber in der Hand, trocken zu werden, um es dadurch zu einer besseren Lebensperspektive zu bringen.

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