Foto: Schnekenburger

In Narrenbüchern sind Zunftoberen und Stadtverwaltung Logenplätze sicher. Wegbereiter aus L’Aquila zu Besuch in Rottweil.

Rottweil - So ist es, wenn man leichtfertig Einladungen ausspricht. Da kommen plötzlich viele Gäste – durchaus liebe Gäste. Naja, vielleicht schafft es die Stadtverwaltung damit ja auch nächstes Jahr in die Narrenbücher.

 

Viele, aber bei weitem nicht jeder erhob gegen die eigene Spitze den großen Zeigefinger. Klar, das Thema Sprungführung – und dabei auch das Hin und Her der Möglichkeiten – ist eine Steilvorlage, um originelle Stückle zu machen. So wusste ein Biss bereits im Detail, was für nächstes Jahr geplant ist, also noch vor Narrenmeister und Co., und hatte die Rückversicherung für eine Zulassung zur Fasnet 2016 gleich mitgebracht. Da wird sich mancher wundern, der gestern unvorbereitet d’Stadt nab ist, wenn er am 8. Februar als Zuschauer von unten durchs Schwarze Tor gucken darf...

Da es in der Stadt aber auch Dauerthemen gibt, die sich immer wieder neu verarbeiten lassen – und die durchaus von außen immer wieder neue Impulse bekommen, herrschte kein Mangel an Visionen zu Türmen und Gefängnissen. Die ganze Innenstadt ließe sich ja nutzen, schlägt ein Gschell vor. Den Rückbau der alten Befestigung rückbauen, dann wird auch das historische Stadtbild wieder instand gesetzt, und den neuen Turm als Wachturm nutzen: Das wäre nicht nur die Lösung, sondern ist der Plan. Oder doch gleich der Turm als Hochkant-Gefängnis mit einem Minimum an Personalbedarf, weil Ausbrecher ja unten durch die Tür müssen? Ja sogar, das malade Wässerle, dem Chemie im Rottweiler Leitungsnetz sein Ungutes austreiben soll, hat man in die Gedankenspiele eingebaut.

Die Brugger Schüler, die fast den gesamten Platz vor der Ehrentribüne beanspruchen werden das im Detail nicht verstanden haben. Sie sind einfach der Einladung von Bürgermeister Werner Guhl gefolgt, der ja die Jugendfestrede in der Partnerstadt an der Aare halten durfte – und das Jugendfest unabhängig vom Anlass mit der Fasnet in Rottweil verglichen und alle Schüler hierher eingeladen hatte. Das kommt dann halt davon. Die Schüler – und Lehrer haben die Einladung gerne angenommen. Der erste Schwung war 2015 da!

Neben ihnen standen die Gäste aus L’Aquila, Wiederholungstäter einige, weil ihnen die Fasnet gefällt, und gleichzeitig dankbar für die Hilfe, die nach der Erdbebenkatastrophe aus Rottweil in die Partnerstadt kam und die durchaus belastbaren Verbindungen, die es bis heute gibt, und die versuchen, pragmatisch Unterstützung bei allen möglichen Problemen hinzubekommen.

Dieses Jahr mit dabei: Walter Capezzali mit Gattin. Der frühere Direktor des Provinzarchivs von L’Aquila hatte zusammen mit seinem Rottweiler Kollegen Winfried Hecht die Geschichte von Buchdrucker Adam ausgegraben und ausgearbeitet, der, aus Rottweil stammend, im 15. Jahrhundert das erste Buch in den Abruzzen gedruckt hatte. Seit 1988 gibt es die darauf fußende Städtepartnerschaft – und wie in den vergangenen Jahren haben die Gäste an Fasnet eingeladen: Das Essen, zu dem auch Vertreter der Partnerschaftsvereine Rottweil/Brugg kamen, war ein Großanlass. Im Festsaal des Alten Gymnasiums war in den Reichstadtfarben aufgetischt, die Tischdeko in den Stadtfarben von L’Aquila gehalten. Vier Gänge mit leckeren Spezialitäten, zubereitet auf dem Zweiplattenherd, alles außer dem Mineralwasser mitgebracht aus Italien, dazu ein Nachtischbüffet, das jedem, typisch italienisch, Kalorien für zwei Fasnetstage vorschreibt, erwartete die Gäste der Gäste; dazu noch ein herzlich "reingefeierter" Geburtstag.

Dass bei dieser Gegenleistung auch die Verwaltung ihren Platz in den Narrenbücher sicher hatte, kann nicht wirklich verwundern.