Den Yoga-Kurs per Video aus der Dropbox gibt es in diesen Zeiten bei der VHS Rottweil.Foto: Nädele Foto: Schwarzwälder Bote

Corona: Zusammenhalt in der Krise

Ein Gourmet-Kochkurs per Videokonferenz oder die Yoga-Stunde als Film – es sind "spannende Zeiten für uns als VHS", sagt die Leiterin Anja Rudolf. Das Begegnungsverbot in der Corona-Krise führt Kursleiter und -teilnehmer eng zusammen.

Rottweil. Die Corona-Zwangspause drohte die VHS Rottweil vergangene Woche in eine tiefe Krise zu schicken. Wegen des frühen Semesterstarts Mitte Februar waren viele Kurse schon angelaufen. "Zwei Tage lang waren wir damit beschäftigt, alle zu informieren", blickt Anja Rudolf zurück und scherzt: "Unsere Datenbank war noch nie so aktuell wie jetzt".

Dass die VHS-Leiterin trotz der Einschränkungen in der Corona-Krise lachen kann, liegt an den Reaktionen ihrer Kursleiter und der Teilnehmer: Nach einer kurzen Schockstarre habe sie aus den Telefonaten und vielen Mails gemerkt, dass sich niemand vorstellen kann, über viele Wochen auf die Kurse verzichten zu müssen. "Es gibt Sprachkurse, da treffen sich die Teilnehmer seit mehr als zehn Jahren", schildert Anja Rudolf. Für viele seien die VHS-Kurse feste Eckpunkte in der Wochenstruktur – und das für Teilnehmer ebenso wie für Kursleiter. Schnell sei daher die Idee gereift, sich über Online-Formate Gedanken zu machen.

Die Leute wollen eben die eigene Kursleiterin auf dem Video sehen

Die Resonanz hat die VHS-Leiterin geradezu überwältigt. Da seien alle möglichen Angebote gekommen, erzählt Anja Rudolf. Seit Donnerstag werden die ersten Varianten ausprobiert. So hat die Leiterin eines Yoga-Kurses ihre Stunde als Video aufgenommen und den Teilnehmern zur Verfügung gestellt.

Ein kleiner positiver Nebeneffekt dabei: Wer bislang auf der Warteliste stand, da der Kursraum maximal 16 Plätze bietet, konnte sich nun doch einklinken. Rudolf macht auch deutlich, wie eng die Bindung an die VHS ist. Anstatt eben einen Yoga-Clip bei Youtube anzuschauen, "wollen die Leute ihre Kursleiterin und ein Video mit ihr".

Aus seinem stiefmütterlichen Dasein heraus wird in diesen Tagen auch die VHS-Cloud geführt, die vom Bundesverband eigentlich schon lange angeboten wird. Diese Möglichkeit wird nun in Rottweil genutzt, Unterrichtsskripte, Videos oder auch Kursmaterialien auszutauschen. Teilnehmer haben dabei sogar die Möglichkeit, selbst ihre Arbeiten hochzuladen und dem Kursleiter so zu zeigen.

Am Start sind nun ganz unterschiedliche Varianten, wie Kurse in dieser Zeit nicht analog stattfinden können. Vom Skript, das der Kursteilnehmer verteilt und dann zur regulären Zeit telefonisch erreichbar ist, über den Kochkurs, zu dem sich die Teilnehmer per Skype-Konferenz aus den heimischen Küche zusammenschalten, bis zu kurzen Übungssequenzen, die per Whatsapp an die Gruppe des Bewegungskurses kommen – "wir versuchen spielerisch, das passende Angebot für die unterschiedlichen Kurse, Gruppen und Teilnehmer zu finden", sagt Anja Rudolf. ihr wie auch den Kursleitern sei dabei wichtig, aufzupassen, dass niemand abgehängt wird und es nur ein Angebot für Computeraffine ist.

Bemerkenswert findet die VHS-Leiterin dabei, mit wie viel Engagement sowohl Teilnehmer als auch Kursleiter dabei seien – und wie viel Spaß dabei auch im Spiel ist.

Humor ist in diesen Zeiten ein gutes Mittel gegen die Angst

Der Humor komme nicht zu kurz. Es gebe Kursleiter, die sich für ihre Gruppe "regelrecht zum Affen machen und die Teilnehmer nehmen das dankbar wahr", erzählt Rudolf. Oder es gibt den Body-forming-Kurs mit Klopapierrollen, mit einem Augenzwinkern in Bezug auf die Hamsterkäufe.

Humor mag in diesen Zeiten eine gute Wahl sein. Anja Rudolf weiß aus den unzähligen Telefonaten und Mails mit den VHS-Teilnehmern, dass sie mitunter "furchtbare Angst haben, zu vereinsamen. Und sie fürchten, sie könnten sich nicht mehr aufraffen". Sie freut sich daher, nach nur einer Woche Online-Angebote am Start zu haben.

Die Resonanz ist überwältigend, der soziale Zusammenhalt enorm. Da rückt das Rottweiler Semesterthema in den Blick: "Was unsere Gesellschaft zusammenhält". "Das steht ja über dem ganzen Semester", meint Rudolf, "und plötzlich zeigen alle Teilnehmer und Kursleiter, dass sie es leben und verinnerlichen".

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