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Rottweil Verlockung im Nordschwarzwald

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Das Forsthaus auf dem "Mittelweg" bietet die erste Gelegenheit für Schleeh und Pfannes, sich die Beine zu vertreten. Fotos: Schleeh Foto: Schwarzwälder Bote

Wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Eis. Sinngemäß dieser Redensart reifte eine Idee und wurde von den Schwabo-Redakteuren Jürgen Schleeh (61 und eine Handvoll Monate) und Andreas Pfannes (49 und etliche Handvoll Monate mehr) umgesetzt: mit dem Mountainbike die unendlichen Weiten und Schönheiten des Nordschwarzwald zu erkunden.

Rottweil/Bad Wildbad. Dabei war das Ziel keineswegs unbekannt. Schon öfter ging es auf Schusters Rappen zur Grünhütte, einer Waldgaststätte auf dem Sommerberg bei Bad Wildbad. Ausgangspunkt dabei "der Kaltenbronn", ein Hochmoorgebiet auf den Höhenzügen zwischen Enz- und Murgtal am Grenzverlauf der Landkreise Calw und Rastatt.

Nach mehr als einem Dutzend Wanderungen war es Zeit für eine Abwechslung – besser gesagt, einer neuen Her­ausforderung. Und das, obwohl die sportlichen Höchstleistungen der beiden Schwabo-Redakteure schon ein paar "Jährchen" zurücklagen. Doch der Reiz war zu groß und verlockend, mal wieder an die "persönlichen Grenzen" zu gehen oder gar in neue Dimensionen vorzustoßen. Und das per Muskelkraft, kein E-Bike. Schließlich ließ der Verlauf der Tour in herrlicher Landschaft sämtliche Bedenken in den Hintergrund rücken. Mitte Juli war es soweit.

Früh morgens, wenn der Hahn kräht, ging es aus den Federn. Die pünktliche Abfahrt der Bahn ließ keinen Spielraum. Start um 8.02 Uhr von Rottweil. Nach dem Umsteigen in Eutingen im Gäu erreichten wir Freudenstadt. Und hier begann kurz vor 10 Uhr das eigentliche "Abenteuer". Bei bestem Wetter durchquerten wir die Kreisstadt, deren Sehenswürdigkeit der imposante Marktplatz ist. Richtung Norden zur B 294, dann bogen wir auf den "Mittelweg", eine der drei Routen des Westwegs, ein. Die rote Route mit dem weißen Senkrechtstreifen ist ein guter Wegweiser, so dass man auch ohne Hilfsmittel wie "Navi" gut vorankam. Schließlich ist an jeder Wegkreuzung die Beschilderung optimal.

Der "Mittelweg" verläuft links der Bundesstraße 294 (Pforzheim – Freudenstadt/Freiburg) Richtung Norden, immer an der Kante zum Murgtal. Dies garantiert einen interessanten Verlauf ohne größere Höhenunterschiede, dafür mit schönen Plätzen und Aussichten. Nach gut 20 Kilometern ist Besenfeld erreicht. Der Ortsteil von Seewald, an der Grenze zum Kreis Calw, bietet nahezu grenzenlose Ausblicke in und über die Landschaft der nördlichen Schwabo-Region bei Sonne pur und imposante Wolkenformationen am blauen Himmel.

Unser Ziel, die Grünhütte, ist noch in weiter Ferne, da blieb uns nichts anderes übrig, als wieder in die Wälder des "Black Forest" einzutauchen und in die Pedale zu treten. Der "Mittelweg" verlief nun entlang der "Alten Weinstraße", damit genau auf der ehemaligen Grenze zwischen Württemberg und Baden. Grenzsteine am Wegesrand erinnern noch daran, wo sich "Gelbfüßler" und "Schwobesekel" einst ihr Territorium absteckten.

Beim Forsthaus auf dem Schramberg gönnten sich die Schwabo-Redakteure die erste längere Pause, bevor es weiter Richtung "Toter Mann" ging.

Eine verhängnisvolle Weggabelung. Denn nun passierte, was nicht in die Planung passte. Auf unserem Ritt in Höhenlagen zwischen 800 und knapp 1000 Höhenmetern ließen wir uns von der "Raute" in die Irre führen. Einmal in Fahrt, zu verlockend von der Schotterpiste auf einen "gepolsterten" Waldweg abzubiegen, gab es kein Zurück.

Auch wenn nach einigen hundert Metern die ersten Zweifel aufkamen, sind wir hier richtig? Der Pfad wurde schmäler. Wurzelwerk und immer höher wuchernde Vegetation erweckten immer stärker den Eindruck: Nun sind wir im Urwald gelandet. Auch wenn das Ende lange nicht absehbar war, Umdrehen war keine Option.

Im "Urwald" gibt es nur eine Richtung – nach vorn...

Und irgendwann war es geschafft. Nach dem einen oder anderen Kilometer Fußmarsch erreichten wir die "Prinzenhütte" am westlichen Rand des Hochmoorgebiets Hohloh, somit ein Lichtblick. Nur noch wenige Meter bis zum Hohlohturm, der auch als Kaiser-Wilhelm-Turm bekannt ist. Auf 990 Höhenmetern sind wir auf dem geografischen Höhepunkt unserer Tour. Das absolute "Highlight" steht uns aber noch bevor. Nach der Durchquerung des Hochmoores Wildsee auf dem Bohlenweg kommen wir an der "Grünhütte" an.

Schon von Weitem sind die Düfte, die aus der Küche der Waldgaststätte in die Landschaft strömen, in der Nase wahrzunehmen. Ansporn, um die letzten Kilometer hinter uns zu bringen. Was für eine Belohnung, als wir an der Essensausgabe der Grünhütte deftige Hausmannskost wie Linseneintopf und Fleischküchle mit Kartoffelsalat entgegennehmen können. Dazu süffiger Heidelbeerwein. Dafür hat sich die Schinderei gelohnt. Gaumengenuss pur inmitten der Natur.

Zu schnell verging die Zeit in der Genussoase im Nordschwarzwald. Vor uns lagen noch 20 Kilometer, um den nächsten Bahnhof zu erreichen, damit wir zurück an den Neckar nach Rottweil kommen. Durch das romantische Eyachtal, einem Nebenfluss der Enz, erreichten wir die Bahnstation Neuenbürg-Eyachbrücke. Umsteigen in Pforzheim-Brötzingen. Von hier mit der Kulturbahn durch das Nagoldtal nach Horb und schließlich an unseren Ausgangspunkt für diese Radtour: Rottweil.

Bahn-Hindernisse

Während die Schwabo-Redakteure ihren Part dieser MTB-Tour besser als gedacht durch- und überstanden, hatte die Bahn für uns einige Hindernisse auf der gebuchten Rückfahrt parat. Der erste Zug kam mit Verspätung, wodurch schon der Anschluss in Pforzheim nicht passte. Noch besser: Die nächste Bahn kam erst gar nicht. So standen wir uns die Beine auf dem Bahnhof Brötzingen eine Stunde lang in den Bauch. Und der Anschluss in Horb, mit den reservierten Plätzen für die Fahrräder, war ebenso hinfällig. Ein fast 20-minütiger Zwangsstopp in Bad Liebenzell, der Gegenzug hatte Verspätung, ließ noch Schlimmeres befürchten. Müssen wir womöglich von Horb nach Rottweil nochmals in die Pedale treten?

Manchmal hilft nur: Frechheit siegt, um ans Ziel zu gelangen, und einfach einsteigen – auch wenn ein "pflichtbewusster" Zugbegleiter auf seinen Vorschriften herumreitet. Dazu noch eine Überraschung. Hieß es beim Fahrkartenkauf tags zuvor, die Plätze für Fahrräder seien in dem IC, unserer ursprünglich geplanten Verbindung, ausgebucht, waren da noch vier Plätze frei. Wirklich ärgerlich, denn so verpassten wir eine gute Stunde, die wir auf der Grünhütte zum Schlemmen hätten nutzen können. Bei insgesamt beinahe 80 Kilometer abstrampeln wäre das auch verdient gewesen.

Rottweil/Bad Wildbad. Am Stück bis zu 80 Kilometer mit dem Mountainbike unterwegs, das klingt für einen Profi nach Kindergeburtstag oder Ponyhof. Für einen gelegentlichen Freizeitsportler schwingt da jedoch ein anderer Ton mit. Ein respektvoller. Freudenstadt – Pforzheim: hmm, nun ja. Dafür jedoch alles im Wald an einem Sommertag: oh ja. Das klingt doch gut. Da so eine Fahrt jedoch kaum ohne Gefühle und Gedanken unterschiedlicher Art abläuft, seien einige erwähnt.

Der Morgen

Jeder Mensch hat nun mal einen anderen Biorhythmus. Wer es gewohnt ist, in der Frühe langsam in die Gänge zu kommen (Achtung: Radfahrmetapher), hat den Vorteil, ohne einen hohen Puls pünktlich eine Minute vor der Zeit am Bahnhof anzukommen. Der Kollege, beruflich eigentlich ein Nachmittags-, Abend- und Nachtmensch, erzählt, dass er seit 7.30 Uhr vor Gleis 5 am Rottweiler Bahnhof wartet. Und seine Herzfrequenz obere Werte erreicht hat.

Beginn der Tour

Wer von der Hand in den Mund lebt, und nicht einmal dies bei samstäglichen oder abendlichen Ausfahrten um Rottweil herum, also nicht immer eine Wasserflasche dabei hat, trägt schwer mit dem Wanderrucksack aus dem vergangenen Jahrhundert, der auf die Schnelle gesucht und gefunden wurde. Dass er im Laufe des Tages noch zur Qual wird, da dieser ins Kreuz drückt, sei an dieser Stelle nur am Rande erwähnt.

Gawan und Artus

Kenner germanischer Heldensagen könnten überhaupt auf die Idee kommen, dass hier beinahe ein moderner Parzival auf der Suche nach dem heiligen Gral unterwegs ist. Nicht angekränkelt von des Gedankens Blässe. Hält so eine Tour überhaupt Fährnisse bereit? Nein. Guten Mutes voran! Ohne moderne Orientierungshilfe, der Kollege gar ohne Helm. Wie damals mit Artusritter Gawan.

Gekurbelt

Munter wird Freudenstadt verlassen. Gleichmäßig kurbeln die beiden "Helden". Freudig voran. Immer voran. Der Tag ist ideal, die Landschaft herrlich. Wechselspiele von Sonnenlicht und Wärme, von lauen Lüftchen und kühlendem Wind lassen die Gedanken schweifen, den Kopf für die schönen Dinge des Daseins frei werden. Und auch für die wichtigen an diesem Tag: kühles Getränk und anständiges Essen am Hauptetappenziel, der "Grünhütte". Mit jedem Tritt der Pedale rücken sie näher.

"Toter Mann"

Dass diese Ortsbezeichnung, nicht so weit entfernt vom Hohlohturm, seinen tieferen Sinn hat, haben muss, würde selbst einem Parzival irgendwann klar werden. Der Weg ist schmal und er bleibt schmal. Gräser, Farne und Hecken werden höher und höher. Gefährliche Viecher (wie die ostasiatische Riesenzecke) bleiben zum Glück im Dickicht verborgen.

Und als noch Wurzeln und Steine, beinahe Felsbrocken, auftauchen, würden selbst König Artus und Sir Lanzelot, John Wayne und Gary Cooper, ja, sogar Indiana Jones, absteigen und ihr Ross am Zügel führen.

Ersatzhose statt Machete

Von gut gepflegten, südwestdeutschen Waldwegen (die jedoch in der Regel mit viel zu viel Schottergestein aufgehübscht werden, ohne macht eine Mountainbikefahrt fast lautlos) weg ist das Duo im "Dschungel" gelandet. Hat jedoch nicht wie einst Indiana Jones eine Machete im Gürtel stecken (dafür eine Ersatzhose im Rucksack, die nie und nimmer an diesem Tag benötigt wird). Ein "toter Mann" kommt zwar in Seeräubermoritaten vor, hier jedoch nicht. Irgendwann hat selbst dieser "Dschungel" ein Ende.

Und dann das Finale

Das Naturerlebnis Wildsee lockt – und wird passiert. Das Schlemmerparadies "Grünhütte" lockt – und wird nach dem einen oder anderen Schluck Heidelbeerwein senkrecht (!) auf dem Sattel verlassen. Doch das vollkommene Glück verhindert die Deutsche Bahn (oder was da so im Jahre des Herrn 2020 auf den Schienen fährt). Sie packt all ihre "Feinheiten" aus, damit es selbst Gutmütige (wie einen grünen Parzival) Überwindung kostet, freiwillig einen weiteren Versuch zu starten und mit diesem "Eisenross" erneut zu "reiten". Details stehen im oberen Artikel.

Fazit

Der Tag war ein schöner. Es gibt zwar die eine oder andere Stelle am Körper, die nicht mehr so elastisch ist wie einst, doch die vielfältigen positiven Eindrücke sind viel stärker.

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