Sie genießt ihre Urlaube und fährt gern Rad. Dass sie dabei im Rollstuhl sitzt, ist für Ruth Gronmayer normal: "Das ist mein Leben". Foto: Gronmayer Foto: Schwarzwälder Bote

Serie: Was ist eigentlich Inklusion? / Ruth Gronmayer meistert ein Leben im Rollstuhl

Alle Menschen am "normalen Leben" teilhaben zu lassen, so könnte man den Begriff Inklusion in wenigen Worten beschreiben. Ruth Gronmayer ist von Geburt an querschnittsgelähmt und meistert ihr Leben im Rollstuhl – auf die schönen Dinge im Leben verzichtet sie nicht.

 

Rottweil. "Wie, Urlaub mit Rollstuhl? Ist das nicht alles viel zu kompliziert?". An derlei Fragen hat sich Ruth Gronmayer längst gewöhnt. An ungläubiges Kopfschütteln auch. Das Wort kompliziert scheint es aber bei Ruth Gronmayer nicht zu geben. Sie hat stets ein Lächeln auf den Lippen und liebt ihr Leben. Sie fährt gern Fahrrad und sie liebt Urlaub im Wohnmobil.

Und so sind Ruth und Jörg Gronmayer an den Wochenenden mit ihrem schicken barrierefreien Wohnmobil am Bodensee, im Schwarzwald, oder wo es ihnen eben gefällt, unterwegs. In der Urlaubszeit gern auch im Ausland. "Das ist mein Leben, das ich führe wie jeder andere auch", betont Ruth Gronmayer.

Klar gibt sie zu, dass sie es manchmal schon fuchse Treppen nicht hochzukommen, oder bestimmte Einrichtungen nicht besuchen zu können – beispielsweise das Rottweiler Stadtmuseum. Als Behindertenbeauftragte der Stadt Rottweil (seit 2015) ist sie deshalb immer am Ball und informiert, was man besser oder anders gestalten könne, um behinderte Menschen unkomplizierter, eben barrierefreier, am Alltagsleben teilhaben zu lassen. So hat sie sich erst kürzlich mit eingebracht, als es um die Neugestaltung der Rottweiler Ampelanlagen, oder auch der Bushaltestellen ging.

Gronmayers Eltern setzten sich damals dafür ein, dass ihre Tochter am "ganz normalen" Leben teilhaben darf. Eine Behinderteneinrichtung sei nicht in Frage gekommen. So ging sie in einen regulären Kindergarten, besuchte die Konrad-Witz-Schule und machte ihr Abitur am Droste-Hülshoff-Gymnasium. "Das war schon toll, denn Inklusion in der Form wie heute gab es damals ja gar nicht. Meine Mutter hat damals als Lehrerin an der Konrad-Witz-Schule gearbeitet, damit sie mich unterstützen konnte, beispielsweise beim Toilettengang und solchen Dingen", erzählt sie. "Wenn es anders gelaufen wäre, hätte ich sicherlich kein Abi gemacht", ist sich Ruth Gronmayer sicher.

Entmutigen ließ sie sich nie und begann ihr Studium mit Bereich Soziale Arbeit in Heidelberg. "Hier habe ich allerdings eine Sondereinrichtung gewählt, damit ich barrierefrei wohnen konnte". Auch ihr damaliger Freund und heutiger Mann Jörg studierte in Heidelberg. Sie hatten sich bereits 1988 kennengelernt. "Es hat gleich gefunkt", sagen beide und strahlen dabei.

Es wurde geheiratet, und im Jahr 2000 erblickte Tochter Sonja das Licht der Welt. "Sie war ganz entsetzt, als sie in den Kindergarten ging und sah, dass andere Mamas gar nicht im Rollstuhl sitzen. Es ist eben alles eine Frage der Perspektive", erzählt Gronmayer lachend. Dass ihre Mama manche Dinge eben nicht mit ihr unternehmen konnte, habe Sonja nie gestört. Das musste dann eben Papa Jörg übernehmen.

2008 kam die Familie nach Rottweil und zog in die barrierefreie elterliche Wohnung. Mit dem Wohnmobil auf Tour zu gehen ist eine Leidenschaft der Gronmayers. "Die Barrierefreiheit ist überall besser als in Deutschland. Und das genießen wir sehr", sagen sie.

Sie wünscht sich, dass Inklusion noch mehr ins Bewusstsein der Menschen rückt. Von Inklusion auf ganzer Linie hält sie allerdings nichts. "Man muss sich jeden Fall einzeln anschauen und schauen, was passt", sagt sie und lobt, dass das System schon viel durchlässiger geworden sei. "Es gibt nicht den einen Weg", macht sie deutlich.