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Rottweil Thyssenkrupp-Testturm-Gegner halten an Kritik fest

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Jürgen Mehl und Ute Bott: weiterhin Kritiker des Testturms und entschiedene Gegner der geplanten Hängebrücke. Foto: Schulz

Rottweil - Der Turm ist für einige das Symbol von Rottweil. Ein Symbol, das für das Neue, für das Erwachen der Stadt, für ihre glorreiche Zukunft steht. Mag er bereits zum Stadtbild dazugehören, es gibt Menschen, die sich mit dem 246-Meter-Bauwerk nicht anfreunden können.

Sie sind die Gesichter des frühen Widerstands gegen das Turmprojekt: Jürgen Mehl und Ute Bott. Mehl befürchtete, der Turm werde die Silhouette der historischen Innenstadt zum Schlechten verändern, Bott sprach von einem "Monster", das sich auf dem Berner Feld niederlasse.

Seitdem sind einige Jahre vergangen. Wie die beiden heute darüber denken?

Jürgen Mehl ist bei den Kommunalwahlen im Mai erneut für die SPD in den Gemeinderat gewählt worden, seit einigen Jahren ist er auch im Ausschuss des Geschichts- und Altertumsvereins. Mehl war einer der ersten, der auf die Euphoriebremse trat.

An Meinung hat sich nichts geändert

Rückblick, ein Abend im Mai 2013. Im Kapuziner findet eine erste Informationsveranstaltung zum geplanten Testturm von Thyssenkrupp Elevator statt. Der Abend scheint zu einem Selbstläufer für die Projektinitiatoren zu werden. Die Begeisterung im Saal ist mit Händen zu greifen. Bis sich Jürgen Mehl, der in den Zuschauerreihen sitzt, aufsteht, ein Mikrofon schnappt und auf die möglichen Nachteile des Bauwerks hinweist. Er befürchtet, dass der Turm die Stadtsilhouette und das Landschaftsbild beeinträchtigen werde.

Auch ein gutes Jahr später – inzwischen soll das Bauwerk auf dem Berner Feld realisiert werden – hat sich an der Meinung von Jürgen Mehl nichts geändert. Thyssenkrupp zeigt mittels eines großen Ballons am Himmel, wie hoch der Turm werden könnte, Mehl fährt durch die Stadt und versucht sich vorzustellen, wie der Turm von verschiedenen Blickwinkeln aus auf die Stadt wirken könnte. Sein Urteil: Der Gigant passt nicht zu Rottweil.

Sommer 2019, weitere fünf Jahre sind ins Land gegangen, der Turm steht, ein neues großes Projekt steckt in der Pipeline: die Hängebrücke. Ob er sich mit dem Testturm versöhnt habe? "Es war eine demokratische Entscheidung damals und die muss man akzeptieren", sagt Mehl heute.

Er sagt, er finde ihn weiterhin nicht schön, er hat aber seinen Frieden geschlossen: "Das Unvermeidliche soll man nicht bekämpfen." Mehl, der ein großes Herz für das historische Rottweil hat, ist sich indes sicher, dass der Kapellenturm länger stehen werde als der Testturm.

Auch Hängebrücke wird skeptisch gesehen

Und die Hängebrücke? Mehl ist skeptisch. Ob Rottweil der Massentourismus bekommt? Der Mediziner würde gerne wissen, wohin sich die Stadt entwickeln wolle. "Will man so groß werden wie Villingen-Schwenningen? Tut uns das gut?" Seine Themen sind andere: Er macht sich Gedanken um die Verkehrsbelastung in der Innenstadt, wie die Klimaschutzziele zu erreichen sind und findet die Friday-for-Future-Bewegung richtig gut.

Wichtig sei zudem der soziale Wohnungsbau in der Stadt und in den Ortsteilen, und richtig findet er auch die Idee, die Kindergärten kostenfrei zu gestalten. Er verweist auf Tuttlingen. Dort werden ab dem kommenden Jahr bestimmte Betreuungsformen einkommensschwachen Familien nichts mehr kosten. Dafür müsste die Nachbarstadt 150.000 Euro aufwenden. Im Gemeinderat in Rottweil hat Mehl für diese Idee keine Mehrheit gefunden. Doch er hält am Ziel fest: "Rottweil muss familien- und kinderfreundlicher werden."

Egal, wie lange der Testturm auf dem Berner Feld steht, Ute Bott wird ihre Meinung wohl nicht ändern. Sie spricht weiterhin von einem "Monster". Das Bauwerk, der Konzern, die Technikgläubigkeit – für all das steht Ute Bott nicht. Die Geigenlehrerin, die sich als eine der ersten mit Familie im Neckartal niedergelassen hat, folgt einer anderen Lebensphilosophie. Hier steht nicht die Produktivität eines Unternehmens im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie man mit der Natur und ihren Ressourcen umgeht und wie es die heutigen Generationen schaffen, den nachfolgenden eine lebenswerte Welt zu übergeben. Deswegen sagt sie: "Ich sehe es so klar wie damals: Den Turm in Rottweil zu bauen, war und ist ein völlig falscher Schritt."

Bott ist eine Frau der klaren Worte. Und mutig. Im Januar 2015 spricht sie auf der Hauptversammlung des Konzerns in Bochum. Sie tadelt das Unternehmen für sein Projekt in Rottweil und seine Informationspolitik: "Mit einer Höhe von 246 Metern und einem Durchmesser von 25 Metern überschreitet dieses Bauvorhaben das Maß dessen, was für unsere Stadt mit ihren Denkmälern, dem Stadtbild und der hochwertigen Landschaft erträglich ist bei Weitem." Rottweil verliere mit dem Projekt einen Teil seiner Identität und die Bürger einen wichtigen Teil ihrer Lebensqualität, sagt sie.

Mehr als 200.000 Besucher seit Eröffnung

Mehr als 200.000 Besucher zählt der Testturm im ersten Jahr seit der Eröffnung im Oktober 2017. Die Besucherplattform, die sich 232 Meter über dem Erdboden befindet, ist die höchstgelegene in Deutschland und zieht die Menschen in Massen an. Das hätte es laut Bott nicht gebraucht. "Wir haben in unserer historischen Innenstadt genug zu zeigen." Ressourcenverschwendung, ästhetische und ökologische Verschmutzung unserer Landschaft, Herabsetzung unserer Kulturdenkmäler, das sind die Schlagworte, die Bott den Betreibern und Befürwortern entgegenschleudert.

Sie sei alles andere als technikfeindlich, sagt sie. Aber die Technik müsse sinnvoll eingesetzt werden. Etwa bei regenerativen Energien. Daher ist klar, wie sie zur geplanten Hängebrücke steht. Das sei ein absurdes Projekt. Und: "Warten wir’s mal ab, ob es kommt." Was sie beeindruckt, sind junge Menschen, die Zivilcourage zeigen. Wie bei der Friday-for-Future-Bewegung, die auch in Rottweil einige Anhänger zählt. Bewundernswert, wie die jungen Leute durchgehalten haben, bis ihr Anliegen – der Klimaschutz – auch in der Öffentlichkeit Gehör fand, sagt sie.

Daher setzt sie darauf, dass die Ideen und Projekte der Lokalen Agenda in Rottweil auf noch stärkere Resonanz stoßen. Die Diskussion um eine verkehrs- bis autofrei Innenstadt registriert sie mit großem Interesse. Ihr Urteil ist auch hier eindeutig: "Der Autoverkehr muss reduziert werden, dem Auto muss etwas weggenommen werden, um den Radfahrern mehr Platz geben zu können."

Ihre Redaktion vor Ort Rottweil

Armin Schulz

Fax: 0741 5318-50

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