Für den Sprung ins kühle Nass müssen Besucher der Aquasol tiefer in die Tasche greifen. (Symbolbild) Foto: Olesia Bilkei/Fotolia.com

Eintritt kostet ab 3. Juli mehr. Aufsichtsrat beschließt Erhöhung am 4. April - und schweigt.

Rottweil - Für den Badespaß im Aquasol muss man ab der kommenden Woche mehr bezahlen. Der Betreiber, die ENRW, erhöht ab dem 3. Juli den Eintrittspreis um zum Teil mehr als zehn Prozent. Der Schritt sollte stillschweigend vollzogen werden.

Ohne das Vorgehen in der Öffentlichkeit anzukündigen und über die Gründe zu informieren, wollte die ENRW Rottweil die Preise für den Eintritt ins Freizeit- und Solebad Aquasol ab dem kommenden Montag erhöhen. Die Badezeit von eineinviertel Stunden für einen Erwachsenen kostet dann 5 Euro statt wie bisher 4,50 Euro. Für die Tageskarte muss ein Erwachsener 12 Euro bezahlen, bislang kostet sie 10,50 Euro, für drei Stunden Badezeit ändert sich nicht, das bleibt bei 9 Euro. Auch die Jahreskarte soll einen Aufschlag von zehn Prozent erfahren. Dafür müssen dann 550 Euro bezahlt werden.

Erst auf Nachfrage unserer Zeitung, die entsprechende Informationen aufgegriffen hat, äußert sich das Unternehmen. Die Preise im Aquasol würden nach zwei Jahren Preiskonstanz angepasst, so der Sprecher des Rottweiler Energieversorgers Jochen Schicht. Da es sich um eine Zuschusssparte handele, würden die Eintrittspreise regelmäßig mit denen anderer Freizeitbäder in der Region verglichen. "Die neuen Preise sind entweder dem Niveau anderer Freizeitbäder mit vergleichbarem Angebot angepasst, oder unterbieten diese."

Stadträte im Aufsichtsrat

Es handele sich insgesamt um "moderate Erhöhungen", so Schicht weiter. Die Tageskarte für Erwachsene rangiere mit zwölf Euro im Vergleich mit Bädern der Region immer noch am untersten Ende der Preisskala, betont das Unternehmen. Gleiches gelte für den Saunabereich: Hier erhöhe sich beispielsweise der Eintrittspreis bei der Kombination von drei Stunden Badezeit plus Sauna von bislang 14 Euro auf 16 Euro. Auch dieser Preis repräsentiere den unteren Durchschnitt vergleichbarer Bäder in der Region.

Während sämtliche vergleichbare Bäder in der Region Kinder ab drei oder vier Jahre berechneten, bleibe das Aquasol bei seiner "familienfreundlichen Linie" und berechne Kindern unter sechs Jahren keinen Eintrittspreis.

Der Aufsichtsrat, in dem auch Stadträte vertreten sind, hat über die Preiseerhöhung beraten und sie am 4. April beschlossen. Dass die Preisgestaltung weder öffentlich erklärt, noch angekündigt wurde, wird mit der üblichen Praxis in der Branche erklärt. So würde kaum ein Bad in der Region vorher sagen, wann der Eintritt teurer würden.

Die Betreiber des Tuttlinger Bades "TuWass" pflegen bei der Preisgestaltung indes einen anderen Umgang. Geschäftsführerin Branka Rogulic sagt im Gespräch mit unserer Zeitung, dass die Öffentlichkeit über Preiserhöhungen vorab informiert und der Schritt begründet würde. "Wenn man das nicht macht, gibt das einen Aufschrei", so Rogulic. Ihre Erfahrung sei es zudem, dass es für die Kunden "immer furchtbar" sei, wenn die Preise erhöht würden.

Der Standardtarif dürfe höchstens um 50 Cent teurer werden. "Alles andere wäre nicht vertretbar", so Rogulic. Es sei ja in der Regel nicht so, dass man eine spürbare Leistungsverbesserung anzubieten habe. Und nur weil man mehr Personal im Einsatz habe, rechtfertige das nicht immer gleich eine Preissteigerung. Das "TuWass", so Rogulic, habe nicht vor, in diesem Jahr den Eintritt teurer zu machen.

KOMMENTAR

Klammheimlich

Von Armin Schulz

Die ENRW ist bekannt dafür, dass sie sich mit pfiffigen PR-Ideen in Szene zu setzen weiß. Erst jüngst war dies der Fall, als der Rottweiler Energieversorger sein Maskottchen Blubbi präsentierte – im Rahmen eines witzigen Comics. So gesehen verwundert es, wenn das Unternehmen bei einem anderen Thema völlig verstummt, zumal der Erhöhung der Eintrittspreise für das Aquasol ein größeres öffentliches Interesse unterstellt werden darf. Klammheimlich hat der Aufsichtsrat, dem auch einige Stadträte angehören, eine satte Erhöhung um zuweilen mehr als zehn Prozent beschlossen. Die Preise sollen ab Montag gelten. Öffentlich wurde darüber kein Wort verloren. So darf man nicht mit seinen Badegästen umgehen. Das zeugt von Kleinmut und ist nicht fair den Kunden gegenüber. Beim nächsten Mal gilt: reden und nichts verschweigen wollen.

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