An der Schwelle zum großen Ganzen: Stadträte diskutieren am Mittwoch erneut über 40-Millionen-Euro-Projekt.
Rottweil - Vergangene Woche war die Kür, morgen folgt die Pflicht: Der Gemeinderat befasst sich mit dem Testturm von ThyssenKrupp Elevator. Die nächste Hürde im Bebauungsplanverfahren steht an. Beinahe keine größere städtische Veranstaltung kommt mehr ohne den geplanten Testturm von ThyssenKrupp Elevator (TKE) aus.
Am Donnerstagabend wird die "starter"-Messe in der Stallhalle eröffnet. Der Testturm für Hochgeschwindigkeitsaufzüge ist Gesprächsthema Nummer eins. Draußen steht der Ausbildungslastwagen von ThyssenKrupp, drinnen spricht der Europachef von TKE, Alexander Keller, über das 40-Millionen-Euro-Projekt und betont die Bedeutung einer guten Ausbildung.
Morgen, in der gemeinsamen Sitzung des Umwelt-, Bau und Verkehrsausschusses mit dem Gemeinderat, spielt der Testturm wieder eine Rolle. Die nächste Hürde steht an. Im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens soll beschlossen werden, den Planentwurf öffentlich auszulegen. Damit können weitere Visualisierungen, gutachterliche Stellungnahmen, Anmerkungen von Behörden sowie Einwände von Bürgern eingesehen werden.
Von Interesse dürften die Stellungnahmen zu Denkmalschutz und Geotechnik sein. Sie geben, seitdem das Projekt – zunächst im Neckartal, jetzt auf dem Berner Feld – öffentlich wurde, immer wieder Anlass zu Kritik. Die Gegner des Testturms, die deutlich in der Minderheit sind, sehen in diesen Bereichen die meisten offenen Fragen und lehnen auch deswegen das Projekt ab.
Indes sehen die Fachplaner keine Probleme bei der Realisierung des 246 Meter (inklusive aller technischen Aufbauten, so die Unterlagen der Stadtverwaltung) hohen Testturms. Drei Kernbohrungen mit insgesamt 101,5 Meter Tiefe und zehn Wasserdrucktests wurden gemacht. Dabei habe es "keine Hinweise auf größere offenstehende Klüfte oder Hohlräume gegeben, die auf übermäßige Verkarstungserscheinungen in den Dolomit- und Kalksteinformationen des Oberen Muschelkalks hinweisen würden." Sprich: der Baugrund scheint tauglich zu sein. Auch der nahe gelegene Eisenbahntunnel soll durch den Turmbau nicht beeinflusst werden. Von Seiten der Bahn habe es ebenfalls keine Bedenken gegeben. Anders sieht es in Sachen Denkmalschutz aus. Hier erfolgt eine Güterabwägung. Die Denkmalbehörde beim Regierungspräsidium Freiburg äußert sich äußerst zurückhaltend: "Vor allem im Bereich der Hochbrücktorstraße, der Nord-Süd verlaufenden Achse des zentralen Straßenkreuzes der mittelalterlichen Stadtanlage, würde der Testturm erheblich in das Stadtbild hineinwirken und eine neue Dominante in Konkurrenz zur historischen Bebauung bilden." Weiter heißt es: "Damit wäre das Gefüge der hervorragend überlieferten und daher besonders erhaltenswerten Stadtanlage nicht mehr in dem Maße erlebbar, wie es heute der Fall ist." Die Behörde schreibt, dass aus fachlicher Sicht einer ungestörten Erhaltung des Stadtbilds "unbedingt" der Vorzug zu geben sei.
Die Stadtverwaltung kontert: "Eine völlig ungestörte Erhaltung des Stadtbildes wäre nur durch den Verzicht auf den Turmbau möglich." Das kommt für die Verwaltung freilich nicht in Frage. Sie verweist auf eine gutachterliche Stellungnahme, die zum dem Ergebnis komme, dass die Schwelle einer erheblichen Beeinträchtigung nicht überschritten werde.
Es gibt übrigens eine Kostenschätzung für städtische Projekt im Zusammenhang mit dem Testturm. Sollte alles verwirklicht werden, kämen da über 860 000 Euro zusammen.