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Rottweil Test-Tower erntet vor allem Applaus

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Die Kritiker des Turmprojekts sind in der Minderheit: Jürgen Mehl vom Geschichts- und Altertumsvereins befürchtet die Beeinträchtigung des Stadtbildes. Fotos: Nädele Foto: Nädele

Rottweil - Seit einigen Tagen weiß man: Ins Neckartal der Stadt will ein Konzern einen ziemlichen hohen Turm zu Testzwecken bauen. Seit gestern, seit der Informationsveranstaltung im Kapuziner, weiß man nun auch: Die Aussicht darauf gefällt vielen Menschen, aber eben nicht allen.

Dass es so etwas noch gibt: Da wird in einer sehr gut besuchten Bürgerveranstaltung ein Millionenprojekt vorgestellt, das diese Stadt verändern würde – und (fast) kein Mensch regt sich auf. In Stuttgart (Stichwort S 21) und in etlichen Gemeinden des Nordschwarzwaldes (Stichwort Nationalpark) würde man sich verwundert die Augen reiben.

Doch hier, in der einstigen freien Reichsstadt, in der ältesten Stadt im Land, ist es anders: Der geplante 235 Meter hohe Test-Turm des Konzerns ThyssenKrupp im Neckartal löst gestern Abend im Kapuziner kein bisschen einen Sturm der Entrüstung aus. Nicht mal ein Stürmchen. Dabei gäbe es gewiss Gründe hierzu. Aber nein: Das Projekt veranlasst die Besucher vielmehr zu Applausstürmen. Auch dafür gibt es gute Gründe.

Eineinviertelstunden: In dieser Zeit erinnert der Abend eher an eine Werbeveranstaltung im Rahmen einer Kaffeefahrt. Man kann es sich bereits ausmalen: Am Schluss würde man die Geldbörse zücken und das ein oder andere Stück kaufen. Wie wär’s mit dem Modell "Power-Tower" für das Wohnzimmer für 50 Euro? Doch lieber das Modell für den Außenbereich? Ist ein bisschen teurer, dafür auch größer.

In dieser Zeit ist die Stimmung im Sonnensaal des Kapuziners gelöst, beinahe "euphorisch", wie ein Besucher kritisch anmerkt.

Die Herrenrunde auf dem Podium – darunter der Europachef von ThyssenKrupp Elevator, der Schwabe Alexander Keller, der Fertigungsleiter Gerhard Thumm, der Rottweiler Architekt und Projektbeauftragter Alfons Bürk, Oberbürgermeister Ralf Broß, Bürgermeister Werner Guhl und Bauamtschef Lothar Huber – klingen überzeugend und ernten offen Applaus.

Touristische Nutzung?

Keller beispielsweise, als er betont, dass es seinem Unternehmen hier in Rottweil zwar um die Investition in Forschung und Entwicklung gehe, ThyssenKrupp aber einer touristischen Nutzung des Turms nicht im Wege stehen werde. Nur: "Das ist nicht unser Geschäft", sprich: Darum müsse sich die Stadt schon selbst kümmern. Man wolle das auch auf jeden Fall tun, betont der OB ein ums andere Mal, da manche Zuhörer nachfragen. Letzte Zweifel an der Aussage des Konzerns, die Aussichtsplattform für Besucher zu öffnen, bleiben.

Dabei: Es geht hier ja nicht nur um die Stärkung des Tourismus’, es geht vielmehr um die Antwort auf die Frage, welchen Nutzen die Stadt von diesem rund 40-Millionen-Euro-Projekt haben werde.

Was also bringt’s Rottweil? Was bringt es dieser Stadt, dass ThyssenKrupp vielleicht 30 oder 50 Jahre lang Hochgeschwindigkeitsaufzüge im Neckartal hoch- und runtersausen lassen wird: Sind es die fünf, sechs ständigen Mitarbeiter, die hier vor Ort sein werden? Lassen die Kunden, die, wenn es nach dem ThysssenKrupp-Europachef geht, "in Zürich landen, in Rottweil testen und in Stuttgart unterschreiben", Geld liegen? Reiht sich Rottweil tatsächlich ein in die "Innovations-Achse" Zürich-Stuttgart? Entsteht durch den Turm eine Sogwirkung und es siedeln sich weitere Firmen an? Bekommt Rottweil "seinen" Eiffelturm?

Für OB Broß und für Bürk, der das Neckartal wegen seiner Tätigkeit für die Rhodia so gut kennt wie kaum ein anderer, überwiegen die Chancen. Bürk wird später sagen, diese Stadt mit seinem Neckartal sei reif für diese Innovation und er wird dafür begeisterten Applaus ernten.

Eineinviertelstunden lang spiegelt das die Gefühlswelt gestern im Sonnensaal wider.

Bis sich Jürgen Mehl eines der beiden Saalmikrofone schnappt. Mehl ist im Ausschuss des Geschichts- und Altertumsvereins. Der Verein ist das Gewissen der Stadt, das sich meldet, wenn es den Erhalt der historischen Bausubstanz bedroht sieht. Vor Kurzem hätte Mehl einen wortgewaltigen Mitstreiter gehabt. Karl Lambrecht. Doch Lambrecht ist tot, und man kann sich nur denken, was er zu sagen gehabt hätte. Mehl weist auf den Turm in unmittelbarer Nachbarschaft zur historischen Stadt hin, ein Turm, der in seiner Größe die Stadtsilhouette und das Landschaftsbild beeinträchtigen werde. "Das muss gut überlegt sein", sagt er. Unterstützung erhält er vom neuen Vorsitzenden der Albvereinsortsgruppe, Herbert Rebstock. Wie wohl die Ansicht vom Dissenhorn aus ist?, fragt er sich. Der frühere FFR-­Stadtrat Bernhard Pahlmann gar unterstellt Broß, dem Konzern bereits den roten Teppich ausgebreitet zu haben und eine "Politik der Alternativlosigkeit".

Freilich widersprechen Broß, Keller und Bürk und betonen die Chancen. Ihre Vision: die Käseglocke über dem historischen Rottweil zu lüften und frischen Wind hereinzulassen.

-  Der geplante Turm ist 235 Meter hoch und damit höher als der Stuttgarter Fernsehturm (217 Meter). u Die Stadtsilhouette würde sich verändern. Der Turm von ThyssenKrupp Elevator würde den Hochturm um 90 Meter überragen. u  Die Kosten liegen bei 35 bis 40 Millionen Euro.

-   Sinn und Zweck der Turms ist es, Aufzüge zu entwickeln und testen.

-  ThyssenKrupp Elevator sagt, man könne sich auch vorstellen, den Turm für touristische Zwecke (Aussichtsplattform und Ausflugscafé) zu öffnen.

-  Die Bauzeit beträgt zwei Jahre, die Fertigstellung wäre im Jahr 2016.

Braucht Rottweil einen Mega-Turm? Stimmen Sie ab und rufen Sie an:

-  Ja, das macht die Stadt insgesamt attraktiver (Telefon 0180/4 00 32 25 09-1)* u Nein, das verschandelt die Landschaft (Telefon 0180/4 00 32 25 09-2)* u Das ist mir egal (Telefon 0180/4 00 32 25 09-3)*

Die Leitungen sind bis Donnerstag, 9. Mai, 24 Uhr, geschaltet.

*Festnetzpreis 0,20 €/Min., Mobilfunk max. 0,42 €/Min.

 
 

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Armin Schulz

Fax: 0741 5318-50

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