So wird die neue Synagoge am Nägelesgraben aussehen. Das Gebäude orientiert sich in seiner Form an einem so genannten Stiftszelt, das historisch auf Moses und die frühe Gemeinde zurückgeht. Foto: Ranko + Ranko

Die 275 Mitglieder der Israelitschen Kultusgemeinde freuen sich auf Neubau. Spatenstich im Frühjahr.

Rottweil - Etwa 700 Jahre nach der erstmaligen Erwähnung eines "Judenorts" in der Reichsstadt Rottweil 1315, wird für die noch junge Israelitische Kultusgemeinde ein Wunsch zur Wirklichkeit: Sie bekommt eine neue Synagoge.

Mit dem Neubau am Nägelesgraben auf dem Gelände der ehemaligen Waschstraße (wir berichteten) wird in Rottweil zum zweiten Mal eine Synagoge entstehen. Die erste wurde 1938 beim Novemberpogrom der Nationalsozialisten zerstört.

Die Kinder und Jugendlichen der Kultusgemeinde sind von den Plänen zum Synagogenbau begeistert, erzählt Tatjana Malafy, Sprecherin der Gemeinde. Im wöchentlichen Religionsunterricht, der in den Räumen des Leibniz-Gymnasiums stattfindet und für den eigens eine Lehrerin der Jüdischen Hochschule aus Heidelberg anreist, werden die Kinder und Jugendlichen in die Grundlagen der jüdischen Religion eingeweiht.

Daher wissen sie auch genau, worum es sich bei einem Stiftszelt handelt. Nämlich um ein dreiteiliges Gebäude, das historisch auf Moses und die frühe Gemeinde zurückgeht.

Moses hat beim Empfang der Zehn Gebote auf dem Berg Sinai auch den Auftrag zum Bau eines Stiftszelts erhalten. Dieses trugen die Israeliten mit sich und integrierten es bei ihrer Ankunft in Jerusalem in den Tempel. Soweit der religiöse Hintergrund.

Fast einstimmig stimmten die Rottweiler Gemeindemitglieder für die Synagoge in Form eines Stiftszelts, auch die Sprecherin der Gemeinde ist ganz angetan von den Entwürfen. Bisher hält die Gemeinde ihre Gottesdienste und Veranstaltungen in gemieteten Räumen in der Hauptstraße ab.

Weitere Möglichkeiten der Religionsausübung

Seit zehn Jahren besteht die Israelitische Kultusgemeinde in Rottweil, und genau so lange träumt man schon von einer eigenen Synagoge. Der Neubau eröffnet den Gemeindemitgliedern weitere Möglichkeiten der Religionsausübung.

So gibt es bisher lediglich eine koschere Küche für Fleischspeisen, in der neuen Synagoge gibt es darüber hinaus noch eine koschere Küche für Milchspeisen. Die Zubereitung und der Verzehr von Speisen und Getränken nach religiöser und ritueller Vorschrift nimmt eine wichtige Stellung in der jüdischen Religion ein.

Auch eine Mikwe, ein rituelles Bad, ist Bestandteil der neuen Synagoge. Für einen Rabbiner oder Kantor wird ein Gästezimmer eingerichtet. Zur Zeit wird die Rottweiler Gemeinde von einem Kantor aus Berlin betreut, berichtet Malafy.

Die erforderliche Zehnzahl jüdischer Männer für den Gottesdienst wird in Rottweil stets erreicht. Um die Thora, die heilige Schrift der Juden, lesen zu dürfen, müssen mindestens zehn Männer ab 13 Jahren anwesend sein.

Ende des vergangenen Jahres bekam die Gemeinde sogar Zuwachs, zwei neue Familien zogen nach Rottweil, und so hat sich die Zahl der Gemeindemitglieder um 15 auf 275 erhöht. Die Muttersprache der Gemeindemitglieder ist Russisch, deshalb bietet die Gemeinde in ihren Räumen auch Deutschkurse für ihre Mitglieder an.

Im Frühjahr kann bei guten Wetterbedingungen der Spatenstich gemacht werden. Die Pläne sind fertig und der Bau genehmigt, verantwortlich ist die Israelitische Religionsgemeinschaft Baden.

Die jüdische Tradition in Rottweil schreibt damit ein neues Kapitel.