In der Brandruine suchen Sachverständige nach der Unglücksursache. Vor dem Eingang des zerstörten Gebäudes haben Passanten Blumen und Kerzen für die beiden Todesopfer niedergelegt. Foto: Bienger/Schulz

Blumen und Kerzen für die Toten. Anwohner gedenken der Opfer. Laut Behörden keine Anhaltspunkte für Brandstiftung.

Rottweil -Das verheerende Feuer, bei dem in der Nacht zum Sonntag zwei 15-Jährige starben, bewegt nicht nur Anwohner und Facebook-Gemeinde, sondern auch Behörden – darunter den türkischen Generalkonsul. Die Ermittlungen zur Brandursache laufen derweil auf Hochtouren.

 

Nach der Brandkatastrophe mit zwei Toten steht die Fassungslosigkeit über das Unglück den Menschen noch immer ins Gesicht geschrieben. Am Brandort haben Nachbarn, Freunde und Verwandte Kerzen und Blumen für die beiden 15-jährigen Opfer niedergelegt. Eine Frau schaut kopfschüttelnd hinauf zum ausgebrannten Obergeschoss, geht dann rasch weiter.

Um die Mittagszeit herum versammeln sich Vertreter von Stadt und Landkreis, der Kriminalpolizei und der Rettungskräfte vor der Brandruine in der Schwarzwaldstraße, um sich, so Landrat Wolf-Rüdiger Michel, "selbst einen Eindruck des schlimmen Brandunglücks, das zwei Familien aus Rottweil getroffen hat, zu machen." Auch Familienangehörige und Bekannte der betroffenen Familien sowie der türkische Generalkonsul Serhat Aksen sind vor Ort, der extra angereist ist, um der Familie sein Beileid auszusprechen.

Die Ermittlungen zur Ursache des Feuers, das in der Nacht zum Sonntag ausgebrochen ist, laufen derweil auf Hochtouren. Brandsachverständige von der Kriminalpolizei befreien das Obergeschoss systematisch vom Brandschutt und suchen nach Spuren, die Hinweise zur Ursache der Katastrophe geben könnten. Jedoch gibt es laut Peter Mehler, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Tuttlingen, diesbezüglich noch keine Neuigkeiten. "Im Moment gibt es keine neuen Fakten", so Mehler auf Nachfrage. Es gebe laut Mehler und Stadtbrandmeister Rainer Müller keine Anhaltspunkte auf vorsätzliche Brandstiftung; derzeit gilt als wahrscheinlich, dass das Feuer im Bereich einer offenen Wohnküche ausgebrochen ist – also im zweiten Obergeschoss, das vollständig ausbrannte. Darauf deutet, so Müller, die "starke Brandzehrung" in diesem Bereich hin. Auch waren in der Wohnung wahrscheinlich keine Rauchmelder angebracht; das Feuer hat die Opfer wohl im Schlaf überrascht, so Müller. Er ist deshalb froh darüber, dass der Gesetzgeber die piepsenden Lebensretter ab 1. Januar 2015 gesetzlich vorschreibt.

Auf der Facebook-Seite des Schwarzwälder Boten äußern derweil viele Leser ihre Betroffenheit über das Unglück. "Einfach nur schlimm! Da fehlen einem die Worte!", meint beispielsweise Userin Anna S. "Mein herzliches Beileid an die Familien der verstorbenen Jungs", sagt Bazooka Joe auf Facebook. Die Beileidsbekundungen gegenüber den Familienangehörigen der verstorbenen Jugendlichen sind zahlreich. "Da bleibt einem das Herz stehen", sagt Monika W. Facebook-User Angelo C. hat das Feuer sogar beobachtet: "Und ich schau zu Küchen fenster und seh das riesen feuer . Das war heftig", schreibt er (Orthographie wie auf Facebook).

Zum Zustand der beiden Schwerverletzten – der Mutter des tödlich verletzten Jugendlichen sowie dessen 14-Jähriger Freund – kann Polizeipressesprecher Mehler ebenfalls keine Angaben machen, nur so viel: "Zum Zeitpunkt des Unglücks bestand keine Lebensgefahr; die Verletzten befinden sich in stationärer Behandlung."

Auch hierzu gibt es zahlreiche Reaktionen auf Facebook. Freunde des schwer verletzten Teenagers posten immer wieder Genesungswünsche an dessen Pinnwand. Schock, Trauer und Fassungslosigkeit sitzen sichtlich tief; viele Jugendliche können nach eigenen Angaben noch immer nicht glauben, was passiert ist. Auf den Facebook-Seiten der beiden Todesopfer erscheinen alle paar Minuten neue Kondolenzsprüche; "R.I.P." und "Ruhe in Frieden" zu lesen.

Landrat Wolf-Rüdiger Michel und Oberbürgermeister Ralf Broß dankten nochmals nicht nur Rettungskräften, Polizei und Notfallseelsorge für ihren Einsatz, sondern lobten auch die "gute Nachbargemeinschaft", so Michel, die sich sofort der Überlebenden angenommen und sie vorübergehend bei sich untergebracht hätten.

Die Stadt wolle der türkischen Familie jetzt zwei Wohnungen sowie zusätzlich alternative Gewerbeflächen – der Vater des toten 15-jährigen Jugendlichen betrieb von Zuhause aus ein eigenes Unternehmen – zur Verfügung stellen, sagte Broß.