Mit genügend Abstand und Maske stehen im Kreisimpfzentrum von links nach rechts: Andreas Bihl vom Bau-, Naturschutz- und Gewerbeaufsichtsamt, Martine Hielscher als ärztliche Leiterin des Kreisimpfzentrums, Erster Landesbeamter Herrmann Kopp, Kreisbrandmeister Nicos Laetsch und Jochen Scherler als Vertreter der Kreisärzteschaft. Foto: Semenescu Foto: Schwarzwälder Bote

Gesundheit: Erste Person wurde um 9 Uhr morgens geimpft / Vorerst stehen 550 Dosen je Woche zur Verfügung

Das Kreisimpfzentrum in der Rottweiler Stadthalle hat am Freitag nach einer intensiven Vorbereitungsphase seinen Betrieb aufgenommen. Wann endlich mehr Impfstoff zur Verfügung steht, ist nach derzeitigem Stand allerdings noch ungewiss.

Kreis Rottweil. Endlich kann in der Stadthalle geimpft werden. Am Freitag, 22. Januar, hat das Kreisimpfzentrum seinen Impfbetrieb aufgenommen. "Um 9 Uhr wurde hier die erste Person geimpft", teilt Kreisbrandmeister Nicos Laetsch bei einem Pressetermin zum Impfauftakt mit. Der Ablauf verlaufe reibungslos, betont Laetsch.

"Die Menschen sind durchschnittlich früher da und sehr gut vorbereitet", ergänzt er. Auch Landrat Wolf-Rüdiger Michel zeigt sich erfreut, dass das Kreisimpfzentrum seinen Betrieb aufgenommen hat. Er betont jedoch: "Die aktuellen Einschränkungen sind bitter notwendig". Die Sieben-Tage-Inzidenz sei zwar in wenigen Tagen von 150 auf derzeit 121 (Stand Freitag) gesunken, jedoch könne man nicht riskieren, die Krankenhäuser zu überlasten.

Der Landrat bringt deutlich zum Ausdruck: "Wir müssen unsere Krankenhäuser funktionsfähig halten", deshalb sei es dringend notwendig, die Inzidenz weiter zu senken. Allein im Januar gab es bis zum 22. Januar rund 670 Corona-Fälle im Kreis Rottweil, bedauert Michel. Das seien so viele Fälle wie während der ersten Corona-Welle im vergangenen Jahr im Zeitraum Ende Februar bis August.

Dennoch gebe es Grund zum Aufatmen. So seien am 19. Januar zehn Bewohner und elf Beschäftigte aus Pflegeheimen im Kreis mit dem Coronavirus infiziert – am 22. Dezember des vergangenen Jahres wurden dagegen 154 Bewohner aus Pflegeheimen und 75 Beschäftigte als infiziert gemeldet. Das zeige, dass das Infektionsgeschehen in den Heimen in der genannten Zeitspanne runtergegangen ist, erklärt der Landrat. Vorerst stehen dem Kreisimpfzentrum je Woche 550 Impfdosen zur Verfügung, so Michel.

Kapazität reicht für mehr Menschen aus

Davon seien 300 Impfdosen für Menschen aus Pflegeheimen und 100 Impfdosen für Krankenhauspersonal auf Intensiv-Stationen vorgesehen. Die übrigen 150 Dosen seien für über 80-Jährige eingeplant, die im Kreisimpfzentrum geimpft werden. Am Tag können aktuell 30 Personen im Kreisimpfzentrum geimpft werden, erläutert Michel. "Da muss noch einiges an Impfdosen geliefert werden", so der Landrat mit Blick auf die Zukunft.

Wenn man laut einer Statistik des Landesamtes von einer optimistischen Quote von 70 Prozent an Impfwilligen im Kreis ausgehe, so bräuchten etwa 80 000 Menschen eine Impfung, erklärt er – davon ausgenommen seien Personen unter 17 Jahren, für die aufgrund des Alters von einer Impfung abgeraten werde. Im Landkreis Rottweil haben etwa 120 000 Menschen das 17. Lebensjahr erreicht, so Michel.

Der Landrat zeigt sich jedoch zuversichtlich, dass künftig mehr Impfdosen zu Verfügung stehen. Das Kreisimpfzentrum sei jedenfalls so ausgelegt, dass 750 Personen am Tag geimpft werden können, erklärt Kreisbrandmeister Laetsch. Sobald dem Impfzentrum genügend Impfstoff zur Verfügung stehe, soll die volle Kapazität ausgelastet werden, führt Erster Landesbeamter Herrmann Kopp aus. Er erklärt: Die höchste Priorität sei es nun zunächst mit mobilen Teams die impfberechtigen Personen aus Heimen zu erreichen, um die restlichen Impfdosen im Kreisimpfzentrum einzusetzen. Aktuell gebe es im Kreis laut Michel rund 1300 impfberechtigte Bewohner in Heimen. Im Landkreis Rottweil seien aktuell zwei mobile Impfteams unterwegs, so Laetsch. "Die Teams bestehen dabei aus medizinischem und nichtmedizinischem Personal, das für die Registratur zuständig ist", fügt der Kreisbrandmeister hinzu.

In einem mobilen Impfteam befinden sich rund sechs Personen, darunter zwei Ärzte, so Jochen Scherler, Vertreter der Kreisärzteschaft. Bei größeren Heimen könne es auch sein, dass mehr Ärzte zum Einsatz kommen.

Scherler betont: "Die Kooperation zwischen den Ärzten, dem Gesundheitsamt und dem Landkreis ist sehr gut". Im Kreisimpfzentrum selbst werde zunächst nur mit dem Impfstoff des Herstellers Biontech/ Pfizer geimpft, erläutert der Vertreter der Kreisärzteschaft. "Der Impfstoff wurde am Mittwoch, bei minus 75 Grad in Trockeneis gelagert, geliefert", erklärt die ärztliche Leiterin des Kreisimpfzentrums Martine Hielscher. Insgesamt 195 Flaschen – die für rund 1170 Impfungen ausreichen – habe das Kreisimpfzentrum erhalten, ergänzt Laetsch. Vorerst werde je Woche mit 550 Impfungen gerechnet. Der Impfstoff müsse vor der Anwendung zunächst für etwa zwei bis fünf Stunden im Kühlschrank auftauen. Nach der Herausnahme aus dem Trockeneis sei der Impfstoff für 120 Stunden haltbar, so Hielscher.

Wann endlich mehr Impfstoff geliefert werden kann, könne noch keiner genau sagen. "Wir erwarten in zwei Wochen aber eine weitere Impflieferung", so Hielscher auf Nachfrage unserer Zeitung.

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