Volkshochschule: Ein Beispiel für gelungene Integration: Gianluigi Toro erzählt seine Geschichte

Nicht nur die allgemeinbildenden Schulen, auch die Volkshochschulen sind geschlossen. Von einem auf den anderen Tag stehen die Räume, wo der Schlüssel zur Integration, die Sprache, vermittelt werden soll, leer. Ein harter Cut für die Teilnehmer.

Rottweil. Integrationskurse sind zeitlich sehr eng getaktet. Dort muss intensiv und schnell auf die Prüfungen der unterschiedlichen Niveaustufen des GER (Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmen für Sprachen) hingearbeitet werden. Plötzlich stehen die Leiterinnen nicht mehr 25 Stunden pro Wochen live vor 25 Migranten. Was also tun? Abgesehen von E-Mails, Hausaufgaben und den Bemühungen um effektive Online-Lösungen entschleunigt man gezwungenermaßen. Ein positiver Aspekt ist, dass man sich Zeit für die Einzelperson nehmen kann.

Integrationskursleiterin Anne Ganzenmüller, eine der vier festangestellten Lehrkräfte an der Volkshochschule Rottweil, hat Interviews mit einzelnen ehemaligen Kursteilnehmern geführt. Sie hat interessante Geschichten gehört.

Eine hat ihr der 36-jährige Sarde Gianluigi Toro erzählt. Er kam am 4. Januar 2017 in Deutschland an. Ursprünglich wollte er nach dem Biologiestudium in seiner Heimatstadt Cagliari eine, wie er sagt, "seriöse und unbefristete Arbeit als Mikrobiologe oder Biologe" finden. Nach eineinhalb Jahren vergeblicher Suche in Italien ist er schließlich dem Rat seiner Tante gefolgt, Rottweil als Ausgangspunkt für einen Neustart in Deutschland zu nutzen.

Diese Tante ist Deutschlehrerin, und so war es nur logisch, zuerst einen Sprachkurs zu beginnen. "Am Anfang war alles neu. Ich sprach keinerlei Deutsch. Es war für mich ein Abenteuer, denn ich hatte nie weit von meiner Heimatregion gelebt. Ich hatte einen wirklich guten Eindruck von Rottweil, zum Beispiel habe ich die Fasnet besucht und im Integrationskurs an der Volkshochschule Rottweil nette Mitschüler kennengelernt und eine super Lehrerin gefunden. Das ist entscheidend gewesen. Wir haben intensiv gearbeitet, und in weniger als einem Jahr habe ich das B1-Niveau erreicht und die Prüfung geschafft."

Das war für ihn sehr wichtig, denn fehlende Sprachkenntnisse sind oft das größte Problem bei der Stellensuche. Gerade am Anfang sei es für viele Migranten schwierig, die Regeln des deutschen Arbeitsmarktes – bei Bewerbungen beispielsweise oder der Anerkennung von Qualifikationen – zu verstehen, erklärt Ganzenmüller.

Toro hat es geschafft: Er hat in einem großen Labor in Karlsruhe eine Stelle in der mikrobiologischen Qualitätskontrolle von Medikamente bekommen. Er mag die Arbeit im Labor und kann sich sehr für die Analyse der verschiedenen Medikamente begeistern. Doch seine Arbeit ist darüber hinaus auch ein Weg zur Integration: "Zu arbeiten ist sehr wichtig für mich, weil ich mich nur so wirklich als Teil der Gesellschaft fühle. Die Interaktion mit deutschen Kollegen, auch außerhalb der Arbeit, ist dabei entscheidend."

Ob er manchmal daran denke, zurückzukehren? "Ja, oft", sagt er, "aber bis jetzt sind die Gründe fürs Bleiben stärker. Mein Ziel ist, die deutsche Sprache gut zu lernen. Nur wenn ich schnell und vollständig verstehe, was passiert, kann ich alle Möglichkeiten nutzen, die mir das Leben in Deutschland bietet. Und die deutsche Sprache ist immer noch eine Schwierigkeit. Natürlich geht es inzwischen viel besser, aber ich bin noch nicht zufrieden. Ich möchte Deutsch wie meine Muttersprache verstehen."

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