Mit der Ruhe und Beschaulichkeit ist es für die Anwohner der Imster Straße (rechts) mit der Erschließung des Baugebiets Spitalhöhe vorbei. Die Buslinie führt künftig durch die Wohnsiedlung. Foto: Otto

Für Spitalhöhe Öko-Ausgleich bei Fridingen. 150 Grundstücke sollen entstehen. Schallschutz wird nötig.

Rottweil - Die Bürokratie macht’s möglich: Im Donautal werden Felsen freigelegt – und in Rottweil kann dadurch das Baugebiet "Spitalhöhe" entstehen. Für manchen Stadtrat "bitter", letztlich aber notwendig.

Der Gemeinderat biss am Mittwochabend in den sauren Apfel und stimmte dem im Bebauungsplanentwurf vorgesehenen Kauf von Ausgleichs-Ökopunkten – darunter die Maßnahme im Donautal – und weiteren Änderungen rund um das neue Mega-Baugebiet zu. Der Druck ist groß, dass es endlich vorangeht, schließlich stehen zahlreiche Häuslebauer seit Jahren in den Startlöchern.

150 Grundstücke für Einfamilienhäuser, Doppel-, und Mehrfamilienhäuser sollen in dem rund 21 Hektar großen Gebiet unterhalb des Wasserturms entstehen. Zuletzt war händeringend nach ökologischen Ausgleichsmaßnahmen gesucht worden. Im Juli hatte sich das Gremium zum Kauf von Ökopunkten entschieden – dennoch tat sich mancher Stadtrat nun mit der Tatsache schwer, dass beispielsweise das Maßnahmenpaket "Freistellen von Felsen im Donautal bei Fridingen" käuflich erworben wird, um den nötigen Öko-Ausgleich vorweisen zu können. "Haben wir im Neckartal keine eigenen Felsen, die man freistellen kann?", grummelte Hubert Nowack (Grüne). Die Antwort ist bekannt: Nein, zumindest keine, die als Ausgleich taugen. Zwei weitere gekaufte Öko-Projekte liegen immerhin auf Rottweiler Gemarkung – unter anderem in einem Steinbruch in Göllsdorf.

Für Arved Sassnick ist es "bitter", dass man nun für Maßnahmen in 50 Kilometer Entfernung zahlen müsse. Fachbereichsleiter Lothar Huber riet zu globalem Denken. "Der Natur wird Gutes getan – das ist doch entscheidend." Die ingesamt 482.580 gekauften Ökopunkte kosten die Stadt 361.376 Euro. Diese Summe wird übrigens – wie alle Kosten – letztlich auf die Bauplatzpreise umgelegt.

Die Bewohner der Imster Straße haben andere Sorgen. Sie sind ganz nah dran an der "Spitalhöhe" – näher als manchem lieb ist. Welche Lärmbelastung auf sie – und auch die neuen Bewohner – zukommt, wurde von einem Gutachter geklärt. Neben dem ohnehin erhöhten Verkehrsaufkommen durch Autos wird die Spitalhöhe auch an die Stadtbus-Linie in Richtung Hausen über die Imster Straße und den Kreisverkehr angeschlossen. "Das führt natürlich zu einer wahrnehmbaren Erhöhung des Lärmpegels", so Sabine Geerds vom Büro Planstatt Senner. In der nördlichen Imster Straße betrage die Erhöhung 0,4 bis 1,1 Dezibel. Die Stadt will lärmmindernde Maßnahmen prüfen. In den Sammelstraßen im Baugebiet müsse teilweise mit Schallschutzfenstern gearbeitet werden. Insgesamt sei die Lärmbelastung aber "vertretbar". In der neuen "Sammelstraße Nord", die laut Plan unterhalb des Wasserturms von West nach Ost verläuft, wird eine Bushaltestelle eingerichtet, in diesem Bereich sind große Grundstücke (bis 3000 Qua­dratmeter) für Mehrfamilienhäuser vorgesehen. Ebenfalls im nördlichen Bereich befindet sich die neue Kindertagesstätte, die über eine Sackgasse erschlossen werden soll, um für mehr Sicherheit zu sorgen.

Diesen und weitere Änderungen stimmten die Stadträte zu. Jetzt geht der Bebauungsplanentwurf in eine erneute "verkürzte Offenlage", hier können wieder Stellungnahmen eingebracht werden – während mehr als hundert Bauwillige auf den Start der Erschließung warten. Angesichts der bereits vorliegenden seitenlangen "Anregungen" des Regierungspräsidiums Freiburg zeigte sich Karl-Heinz Weiss (FWV) genervt: "Man fragt sich schon, wie man da in Deutschland das Wohnproblem lösen soll."