Den mittelalterlichen Stadtkern, wie wir ihn auch heute noch kennen, gründeten einst die Staufer. Foto: Siegmeier Foto: Schwarzwälder-Bote

Orts-Check: Rottweil blickt auf bedeutsame Geschichte zurück / Staufer gründeten mittelalterliche Stadt

Von Stefanie Siegmeier

Rottweil. Rottweil ist die älteste Stadt Baden-Württembergs. Dieses Prädikat bezieht sich auf das römische Rottweil – Arae Flaviae. Die Siedlung der Römer lag in Rottweil-Altstadt und nicht dort, wo sich heute die Kernstadt befindet.

Um die Mitte des achten Jahrhunderts entstand auf der Hochfläche links des Neckars, der heutigen Mittelstadt, ein fränkischer Königshof. Karl der Dicke (887) und Ludwig der Fromme (902, 906) stellten hier als Herrscher des ostfränkischen Reiches Urkunden aus. Mit dem Herzogtum Schwaben ging der Königshof in den Besitz der Staufer über, die als Herzöge, Könige und Kaiser mehrfach hier weilten.

Die Staufer waren es auch, die gegen Ende des zwölften Jahrhunderts das spätmittelalterliche Rottweil gründeten, das als denkmalgeschütztes Ensemble noch heute den Kern der malerischen Stadt bildet. Als freie Reichsstadt machte sich Rottweil als aufstrebende Wirtschaftsmacht und Gerichtsstandort im gesamten südwestdeutschen Raum einen Namen. Auch das "neue Rottweil" war auf Königsland erbaut. Und so kam die Bürgergemeinde nach und nach in den Genuss eigener Gerichtsbarkeit und Selbstverwaltung. Ein Freiheitsbrief von König Sigismund bestätigt der Stadt im Jahr 1434 diese Privilegien.

Rottweil hat sich damit zur Reichsstadt entwickelt, die nur dem Herrscher gegenüber verantwortlich war. Als souveräne Reichsstadt konnte Rottweil ab dem 15. Jahrhundert ein eigenes Gebiet mit 25 Dörfern ausbilden und war damit eines der größten reichsstädtischen Territorien im deutschen Südwesten.

Um 1500 erreichte die Stadt ihre wirtschaftliche Blüte durch Schmiede und Tuchmacher. Die Rottweiler bauten in dieser Zeit eindrucksvolle Kirchen und prächtige Wohnhäuser. Die Stadt florierte.

Im 19. Jahrhundert entsteht im Neckartal die Pulverfabrik

Eine besondere Einrichtung stellte das kaiserliche Hofgericht dar, dessen Zuständigkeitsbereich sich von Köln bis zum Alpenraum und von den Vogesen bis zum Lech erstreckte. Das Rottweiler Hofgericht galt Kaiser Maximilian I. im ausgehenden Mittelalter als das wichtigste Gericht in deutschen Landen. Bekannt war die Reichsstadt auch als Bildungsstandort. Bereits 1297 ist ein erster Lateinschulmeister erwähnt.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Rottweil dreimal belagert und zweimal eingenommen. Während des Krieges wurde die Bevölkerung des Rottweiler Gebiets um fast zwei Drittel dezimiert.

Rottweil gilt auch als traditioneller Standort der Pulverproduktion. Aus der Pulvermühle im Neckartal entstand im 19. Jahrhundert die Rottweiler Pulverfabrik. Unter dem Fabrikanten Max Duttenhofer, der 1863 in die Firma eingetreten war, wurde sie weltweit bekannt.

Auch in der heutigen modernen Zeit zeigt die historische Reichsstadt ihre Schätze aus vergangenen Epochen, verwehrt sich aber auch nicht der modernen Entwicklung. Der Thyssen-Krupp-Aufzugstestturm auf dem Berner Feld ist hierfür ein weithin sichtbares Zeichen.

Zudem zeichnet sich Rottweil als familienfreundlicher Bildungsstandort für die gesamte Region aus. Mehr als 8000 Schüler gehen hier täglich zur Schule.

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