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Rottweil Skrupelloser Netzwerker des Turbokapitalismus

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Max Duttenhofers Leben ist Teil einer Ausstellung im Haus der Geschichte. Darüber berichtet der "Spiegel". Foto: Stadtarchiv/ © stockpics – stock.adobe.com Foto: Schwarzwälder Bote

Von Peter Schönfelder

Rottweil. Ein skrupelloser Turbokapitalist und einer der mächtigsten Männer des Kaiserreichs, der geradezu manisch nach Geld und Einfluss gierte – auf der anderen Seite mysteriös bis hin zu den Umständen seines Todes – das war Max Duttenhofer, Pulverfabrikant aus Rottweil.

Dem Leben und Wirken des Mannes, der das rauchlose Schießpulver erfand und geradezu märchenhaften Reichtum anhäufte, widmet das Haus der Geschichte in Stuttgart einen Teil einer Ausstellung unter dem Titel "Gier – was uns bewegt". Wenn Corona keinen Strich durch die Rechnung macht, soll die Schau am Nikolaustag eröffnet werden.

Die Ausstellung ist der erste Teil einer Trilogie, die sich mit Gier, Hass und Liebe beschäftigt.

Diese erste Ausstellung zeigt die verschiedenen Ausprägungen der Gier und verdeutlicht sie mit einzelnen Geschichten, so Joachim Rüeck, Pressesprecher des Hauses der Geschichte, auf Nachfrage unserer Zeitung.

Wobei auch ambivalente Seiten der Gier, ohne die beispielsweise der Kapitalismus nicht funktioniert, nicht verschwiegen werden.

Und eine dieser Geschichten handelt vom Pulverfabrikanten aus dem Neckartal. Der "Spiegel" berichtet in seiner aktuellen Ausgabe unter der Überschrift "Raffe, raffe, Häusle baue" über die Recherchen des Historikers Rainer Schimpf zu Max Duttenhofer, bei denen dieser auch auf die Unterstützung des Stadtarchivs Rottweil zählen konnte, und die schließlich in die Ausstellung mündeten.

Tatsächlich ist Duttenhofer eine rätselhafte Figur. Während die Biografien seiner Zeitgenossen der sogenannten Gründerzeit Gottlieb Daimler und Alfred Krupp gründlich ausgeleuchtet sind, bleiben beim Geheimen Kommerzienrat Max Duttenhofer blinde Flecken.

Nach einer Lehre als Apotheker übernahm Duttenhofer mit 20 Jahren die Leitung der Pulvermühle seiner Eltern, die er in den kommenden Jahrzehnten zu einem der führenden Rüstungsunternehmen des Kaiserreichs ausbaute. Mit seinem Rottweiler Chemischen Pulver (R.C.P.) ließ sich Munition rauchärmer und wirkungsvoller abfeuern als bisher.

Schimpf, Kurator der geplanten Ausstellung, porträtiere Duttenhofer als unersättlichen Kapitalisten, schreibt der "Spiegel" weiter. Duttenhofer knüpfte Verbindungen in die höchsten Kreise. Er war mit Reichskanzler Otto von Bismarck befreundet, der Kaiser betrachtete Duttenhofers Wirken mit Wohlwollen.

Wo sich Gottlieb Daimler noch mit einem Jahresgehalt von rund 10 000 Mark begnügen musste, habe Duttenhofer bereits ein Millionenvermögen zusammengerafft, heißt es im Artikel. Er sei ein skrupelloser Egomane gewesen, der keine Grenzen gekannt habe, wird Schimpf im "Spiegel" zitiert.

Duttenhofer habe außerdem Aufsichtsratsposten geradezu gesammelt, um Macht und Einfluss zu mehren, so bei der Gottlieb-Daimler-Motoren-Gesellschaft, der Waffenfabrik Mauser und den Mannesmann-Röhrenwerken.

Und während seinen Konkurrenten Alfred Nobel zeitlebens das Gewissen quälte, dass er das Dynamit erfunden hatte, fochten Duttenhofer dergleichen Gedanken augenscheinlich nicht an, so der "Spiegel"..

Auch das Schicksal seiner Arbeiter schien Duttenhofer nicht zu interessieren. Immer wieder wird von Explosionen und den gesundheitsgefährdenden Bedingungen in seinen Fabriken berichtet. Mit den Kunden nahm es der glühende Nationalist Duttenhofer allerdings auch nicht so genau. Beispielsweise baute er eine Produktionsstätte bei St. Petersburg, Hauptstadt des späteren Kriegsgegners Russland, so das Hamburger Nachrichtenmagazin.

Selbst sein Ende bleibt bis heute mysteriös. Duttenhofer starb durch eine Kugel, die ihn in Tübingen ereilte. Der Schütze war, so wollen es Gerüchte wissen, der gehörnte Ehemann einer seiner Geliebten.n "Gier – was uns bewegt", Ausstellung im Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Stuttgart, 6. Dezember 2020 bis 30. Mai 2021.

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