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Rottweil Sind Tauben wirklich eine Plage?

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Tauben sind aus Innenstädten kaum mehr wegzudenken, doch viele Bürger empfinden eine Abneigung gegen die Vögel. Foto: Zucchi

Rottweil - Ein sonniger Tag, man sitzt im Straßencafé und beißt vielleicht einmal etwas fester in die Eiswaffel - und schon ist sie da, die Stadttaube, die die Krümel aufpickt. Die oft abwertend als "Ratten der Lüfte" bezeichneten Tiere trifft man an vielen Ecken in der Stadt - und sie sind vielen Menschen ein Dorn im Auge. Während manche Leute die kleinen Vögel einfach nur ignorieren oder verscheuchen, griffen Unbekannte in Rottweil nun zu härteren Mitteln.

Am alten Feuerwehrhaus, in dessen Nähe sich ein Taubenschlag befindet, der vom Tierschutzverein betreut wird, wurden "Haferflocken-Köder" ausgelegt. Diese werden hauptsächlich als Gift gegen Ratten und Mäuse verkauft. Auch im Brunnen am Münster fand man eine verdächtige Substanz.

Wie ist der Stand der Ermittlungen?

"Bislang sind keine verendeten Tauben gefunden worden", berichtet Michael Aschenbrenner vom Polizeipräsidium Tuttlingen. Im ersten Fall - am alten Feuerwehrgebäude - lägen klare Indizien vor, dass es sich um Gift handelte. Im zweiten Fall habe man keine Proben genommen. Aber da die Stellen nun gereinigt wurden, liege ja auch keine akute Gefahr mehr vor. Die Ermittlungen laufen zur Zeit in Richtung einer "versuchten Sachbeschädigung" - Tiere sind juristisch gesehen eine Sache. Würde man allerdings doch noch ein verendetes Tier finden, liege ein Fall von Tierquälerei vor.

Wie gefährlich ist Rattengift für Menschen?

Rattengift kann auch Menschen, gerade Kindern, gefährlich werden, weiß Petra Sostak vom Gesundheitsamt des Landkreises: "Meist werden als Wirkstoffe Substanzen verwendet, die die Blutgerinnung beeinflussen und die Blutungsneigung verstärken". Wenn der Verdacht einer Vergiftung besteht, sollte man sich an die Vergiftungs-Informationszentrale in Freiburg wenden. Diese ist rund um die Uhr unter der Telefonnummer 0761/19240 erreichbar.

Woher aber rührt der Hass vieler Menschen auf Tauben? Stellen sie wirklich eine Plage oder sogar Gefahr da? Zunächst einmal sollte man eines festhalten: Daran, dass es so viele Tauben gibt, sind die Menschen selbst schuld. Domestiziert wurden Tauben bereits von den alten Ägyptern, die den Kot als Düngemittel verwendeten. Für die alten Römer wiederum waren Tauben Delikatessen. Und nicht nur für sie: Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts sollen Tauben in Österreich regelmäßig verspeist worden sein.

Unsere heutigen Stadttauben sind einfach verwilderte Haus- und Brieftauben. Eigentlich sind sie Körnerfresser, doch da Körner in den Innenstädten praktisch nicht zu finden sind, picken die Tiere alles auf, was sie finden können: Krümel von Brot oder Keksen, heruntergefallene Pommes, Reste von weggeworfenen Dönern - was eben so unbemerkt auf der Straße landet.

In viele Städten steht das Füttern von Tauben sogar unter Strafe. Das dadurch die Anzahl der Tiere gesenkt wird, ist jedoch ein Fehlschluss: Wenn einer Tauben-Population Gefahr droht, wird das Brutverhalten eher noch verschärft, und es werden wieder mehr Tiere. Tauben sind bereits mit drei Monaten geschlechtsreif und können bis zu sieben Mal pro Jahr brüten. Und wenn ein Brut- und Schlafplatz verwaist ist, weil eine Taube gestorben ist, wird der Platz meist sehr schnell vom nächsten Tier eingenommen.

Hartnäckig hält sich auch das Gerücht, Tauben würden Krankheiten übertragen. Das stimmt schon, aber letztendlich auch wieder nicht so ganz. Grundsätzlich können alle Lebewesen Krankheiten übertragen. Das Risiko, dass sich ein Mensch bei einer Taube ansteckt, ist äußerst gering. Oft ist in Zusammenhang mit Tauben von Salmonellen-Erregern die Rede. Diese sind jedoch tierartspezifisch und auf den Menschen kaum übertragbar.

Im Bundesseuchengesetz werden Tauben auch nicht als Schädlinge eingestuft. Tauben sind allgemein sehr intelligent. In Experimenten konnte sogar gezeigt werden, dass sie Gesichter von Menschen wiedererkennen können.

Ihre Redaktion vor Ort Rottweil

Armin Schulz

Fax: 0741 5318-50
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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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