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Rottweil Sharina Kimura über Manga-Leidenschaft

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Sharina Kimura auf der Bühne des "World Cosplay Summit". Foto: SongRiku

Rottweil/Nagoya - Auf der Bühne ist Sharina Kimura nicht mehr die 22-jährige Innenarchitekturstudentin aus Rottweil. Als Cosplayerin schlüpft sie in die Rollen bekannter Manga- oder Anime-Figuren. Als Kriegerprinzessin Kushana hat sie nun auf dem "World Cosplay Summit" als erste Deutsche einen Preis gewonnen.

"Das Verkleiden war schon immer Teil meines Lebens", sagt Sharina Kimura. Von frühester Kindheit an war sie schon bei der Rottweiler Fasnet dabei – als Bajass, Federahannes oder Zuschauer. Als Halbjapanerin ist sie gleichermaßen mit Animes, Mangas und Videospielen aufgewachsen.

Nachdem sie zunächst die japanische Schule in Stuttgart besucht hatte, machte sie 2015 ihr Abitur am Droste-Hülshoff-Gymnasium in Rottweil, ehe sie ihr Innenarchitektur-Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München antrat. Im kommenden Jahr will die 22-Jährige ihren Master-Abschluss machen.

Zum Cosplay kamen die junge Frau und ihre Freundin Maria Dick, mit der sie den Preis gewonnen hat, 2011 nach einem Besuch der Leipziger Buchmesse. "Da haben wir das erste Mal gesehen, was Cosplay in Deutschland überhaupt ist", meint Kimura. Fasziniert davon, in andere Rollen zu schlüpfen, stürzte sie sich in dieses Hobby.

Cosplay ist eine Kombination der Wörter "Costume" und "Play" und hat seinen Ursprung in der japanischen Anime-Manga-Szene. Dabei stellt ein Teilnehmer einen Charakter mit entsprechendem Kostüm und Verhalten so originalgetreu wie möglich dar. Seit den 90er-Jahren ist das Hobby auch in den USA und Europa verbreitet.

Preis für bestes Kostüm geht an die Deutschen

Die größte Veranstaltung ist der "World Cosplay Summit" (WCS) im japanischen Nagoya, bei dem 40 Nationen gegeneinander antreten. Seit 2014 nehmen Kimura und Dick an Cosplay-Wettbewerben teil.

Diesmal kamen sie weiter als je zuvor. Beim deutschen Vorentscheid auf der Anime-Convention Connichi in Kassel im vergangenen September wurden die beiden Freundinnen von einer internationalen Jury dafür ausgewählt, Deutschland beim WCS zu vertreten. Außerdem dürfen sie die nächste Connichi moderieren.

Für das Finale in Japan wurden die jungen Frauen dann von einem Team begleitet, das ihnen in jeder erdenklichen Situation zur Seite stand. Zehn Tage lang gab es volles Programm für die Teilnehmerinnen. Mit fünf Outfits im Gepäck ging es von Tokyo nach Nagoya.

Unter den finalen 24 von 40 teilnehmenden Ländern wurden die drei ersten Plätze prämiert sowie vier Awards vergeben. "Deutschland, beziehungsweise wir, wurden mit dem ›brother Award‹ für das beste Kostüm ausgezeichnet", freut sich Kimura. "Wir sind unglaublich stolz und glücklich, dass wir das erste Team sein durften, das für Deutschland beim WCS einen Preis geholt hat."

Am meisten Freude mache es, die Kostüme selbst zu fertigen und sie auf der Bühne zu präsentieren. "Ich finde es unglaublich spannend, neue Techniken auszuprobieren und in verschiedene Handwerkssparten einzutauchen", meint Kimura. Die Freundinnen nähen ihre Cosplays selbst. "Wir suchen Stoffe aus, überlegen uns Schnittmuster, bauen Rüstungen und Schwerter und experimentieren mit Holz, Schaumstoff und Thermoplasten", so die 22-Jährige.

Für den Vorentscheid sowie für das Finale haben sich die beiden Frauen für Charaktere aus den Animes und Mangas von Studio Ghibli und Zeichner Hayao Miyazaki entschieden. Im Finale stellte Maria Dick Nausicaä aus dem Tal der Winde dar, eine Prinzessin mit einem besonderen Flugtalent.

Kriegerprinzessin in postapokalyptischer Welt

Sharina Kimura verwandelte sich in Nausicaäs Widersacherin, die torumekische Kriegerprinzessin Kushana. Für die Rüstung habe sie sich vom Mittelalter inspirieren lassen, sagt Kimura, "da die Geschichte in einer mittelalterlich-postapokalyptischen Welt spielt".

Details wurden gestickt, modelliert, in 3D gedruckt und gegossen. "Ich habe für mein Hemd 650 Aluminiumschuppen von Hand ausgeschnitten, gehämmert, mit Löchern versehen und einzeln von Hand vernäht. Die Rüstungsteile sind aus Schaumstoff und so konzipiert, dass sie zwar aussehen wie Metall, ich mich darin aber trotzdem gut bewegen kann", erklärt Kimura. An ihrem Kopfteil und dem Umhang habe sie 2000 Strasssteinchen angebracht. Mehr als sechs Monate intensive Arbeit haben die Freundinnen in ihre Kostüme gesteckt.

Doch das Kostüm ist nur die halbe Miete. Man braucht auch eine Auftrittskonzeption mit Musik und Licht. Die Illustrationen für ihr Hintergrundvideo haben Kimura und Dick selbst gezeichnet. Zudem haben sie eine Audiospur auf Japanisch aufgenommen. "Die Story sollte leicht verständlich sein und die Charaktere am besten rüberbringen", sagt Kimura zur Choreografie.

Auch den Ablauf eines Schwertkampfes auf der Bühne habe man selbst konzipiert. Eine Herausforderung war, die Requisiten so zu bauen, dass sie für die Reise nach Japan in einen Koffer passen.

Den Auftritt selbst haben die beiden Freundinnen monatelang im Park und in Kimuras Studentenwohnheim Olympiadorf in München geprobt. "Da haben einige vorbeilaufende Passanten einen Vorgeschmack auf unsere Show beim Finale bekommen", meint Kimura lachend.

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