"Hier", also Rottweil, lässt Dieter Kleinmann hinter sich. "Dort", in Stuttgart-Rohracker, steht sein neues Zuhause. Foto: Schickle

Dieter Kleinmann verlässt Rottweil. 59-Jähriger gibt Kreistagsmandat und Mitgliedschaft im Gemeinderat auf.

Rottweil - Dieter Kleinmann folgt seiner Frau – im wahrsten Sinne des Wortes. Gemeinsam mit ihr bewohnt er neuerdings das Pfarrhaus in Stuttgart-Rohracker. Mit seinem Abschied von Rottweil gibt der FDP-Mann politische Ämter auf.

Seit 15. Februar steht in Dieter Kleinmanns Personalausweis unter "gegenwärtige Anschrift": Stuttgart. Das hätte ihm mal einer am Morgen des 27. März 2011 sagen sollen. Dieter Kleinmann, heute 59, war damals seit 15 Jahren Landtagsabgeordneter für die Liberalen. Das änderte sich mit der Wahl bekanntlich, seither ist in Baden-Württemberg Grün-Rot an der Macht.

Und seither hat der Liberale plötzlich die Freiheit, seinem Leben noch einmal einen neuen Kurs zu geben. Das Ruder hat dabei seine Frau in der Hand. Renate Kleinmann ist seit Oktober Pfarrerin in der Kirchengemeinde Stuttgart-Rohracker-Frauenkopf, dorthin folgt er ihr nach: Seit Kurzem wohnt das Ehepaar im Pfarrhaus.

Lange waren die Kleinmanns im Kreis Rottweil zu Hause. Nach dem Vikariat in Sulz war er Pfarrer in Sigmarswangen und Wittershausen. Nach der Wahl in den Landtag übernahm sie die Pfarrstelle allein. 2007 wechselte Renate Kleinmann zum Oberkirchenrat nach Stuttgart, im selben Jahr zog die Familie nach Rottweil. Dort wurde der Liberale zwei Jahre später in den Gemeinderat gewählt.

Er habe die Stadt in den vergangenen fünf Jahren "schätzen und lieben gelernt", der Marktbesuch am Samstagmorgen sei Kult geworden, erzählt Dieter Kleinmann. Auch deshalb fällt der Abschied von Rottweil wehmütig aus.

Heute wird er im Gemeinderat verabschiedet

Der Umzug markiert auch im politischen Wirken des FDP-Mannes eine Zäsur. Mit dem Umzug erlöschen zwei Mandate: Heute Abend wird er im Gemeinderat verabschiedet. Dort hat Kleinmann besonders die menschliche Offenheit als positiv empfunden. Ein weiterer Abschied steht ihm am 8. April bevor. Dann aus dem Kreistag, dem er seit 19 Jahren angehört. Kein Wunder, dass er sagt: Im Landkreis "schlägt natürlich besonders mein Herz".

Dem FDP-Kreisverband will der Theologe deshalb weiter verbunden bleiben. Den Vorsitz gibt er zwar ab, als Beisitzer will er ihm aber weiter angehören. Zumal er für Rottweil noch Großes vorhat. Er möchte Guido Westerwelle in die älteste Stadt des Landes holen. Die handschriftliche Einladung dafür will er dem Bundesaußenminister beim Parteitag der Liberalen am 9. und 10. März in Berlin persönlich überreichen. Auch Spitzenkandidat Rainer Brüderle darf im Wahlkampf gerne mal vorbeischauen ("das ist ja ein Duz-Freund von mir").

Bundeshauptstadt, Landeshauptstadt: Dieter Kleinmann ist in der großen Welt zu Hause, beruflich in jedem Fall. Seit gut einem Jahr ist er gemeinsam mit einer katholischen Kollegin Seelsorger auf dem Flughafen Stuttgart und in der Messe.

Im April wird Kleinmann 60. In dem Alter denken andere an den Ruhestand, er dagegen hat "jetzt eine sehr schöne neue Aufgabe". Dabei erstellt er nicht nur ein Konzept für eine mögliche künftige Sonderpfarrstelle auf Messe und Airport, sondern ist auch für insgesamt knapp 10 000 Mitarbeiter zuständig. Und für alles weitere – sei es ein dementer alter Mann, der auf dem Flughafen gestrandet ist, oder eine Teufelsaustreiberin aus Rumänien. "Es gibt nichts, was wir nicht machen", sagt er über seine Arbeit auf den Fildern.

Dorthin gelangt er von Rohracker aus viel schneller als von Rottweil: Nur 17 statt bisher 95 Kilometer trennen seine Arbeitsstätte von seinem neuem Wohnort. Der befindet sich zwischen Neckar und Fernsehturm. In bester Lage leben die Kleinmanns in prominenter Gesellschaft: Daimler-Chef Dieter Zetsche beispielsweise. Der saß an Heiligabend prompt bei Frau Kleinmann im Gottesdienst.

Auch Dieter Kleinmann möchte sich künftig in der Kirchengemeinde engagieren. In der Männerarbeit beispielsweise. "Dafür müssen wir aber erst richtig angekommen sein". Außerdem wolle er wissenschaftlich arbeiten. Sein Thema: "Die Verwaltung der Kirchensteuer". Damit hatte sich der Theologe und Volkswirtschaftler schon zu Studienzeiten beschäftigt. In Zeiten, in denen manch einem der Doktortitel aberkannt wird, zieht Kleinmann eine Promotion in Betracht.

Und ein politisches Engagement in der Landeshauptstadt? "Will ich nicht ausschließen", sagt der 59-Jährige. Irgendwann.

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