Auf dem hellen Belag der Stadt sticht auch das neue Material deutlich hervor. Foto: Otto

Keine schmutzfreie Lösung: Geschäftsleute fürchten wieder Schlammspuren. Bauhofleiter sieht keine Alternative

Rottweil - Das erste zaghafte Weiß des Winters wird in Rottweil getrübt: Neues, schlammbraunes Streugranulat in der Stadt sorgt für Irritationen. Schließlich hatte sich manch einer nach dem Fiasko mit schwarzem Blähton im vergangenen Jahr nun eine schmutzfreie Lösung bei Glatteis und Schnee gewünscht.

Geschäftsinhaber Jörg Stauss zumindest traute seinen Augen nicht, als er in diesen Tagen nach dem ersten Schnee und Frost plötzlich "braunes Geschmier" auf dem Boden seines Ladens und in seiner Wohnung entdeckte. "Jetzt haben wir genau das gleiche Problem wie letztes Jahr", ärgert er sich. Auch etliche seiner Kollegen im Gewerbe- und Handelsverein würden die Entwicklung nun mit Argusaugen beobachten, so Stauss, der das Thema im Verwaltungsausschuss zur Sprache brachte. Walter Stegmann (FWV) erinnerte sich ebenfalls mit Grausen an die "üble Brühe", die im vergangenen Jahr den Sonnenbuckel hinuntergeflossen sei.

Schuld war der schwarze Blähton, der im Winter 2012 erstmals in der Innenstadt und auf Gehwegen eingesetzt worden war. Dieser ist ökologisch abbaubar und kann im Frühjahr direkt in die Grünanlagen gekehrt werden, während der zuvor verwendete, herkömmliche Split mühsam aufgekehrt und als Sondermüll entsorgt werden musste. Doch der Schuss ging nach hinten los. "Es gab üble Klagen, sowohl von Privat- als auch von Geschäftsleuten", räumt Stadtbaumeister Lothar Huber ein. Der Blähton hatte sich rasch aufgelöst und die Gehwege und Geschäftsräume mit einem schwarzen Film überzogen. "Ich musste den Laden ständig putzen, im GHV war das ein Riesenthema", erinnert sich Jörg Stauss.

Schnell war auch bei der Stadt klar, dass neues Streumaterial her muss: die Wahl fiel beim Bauhof auf Lava-Split – auch ökologisch abbaubar und braun statt schwarz. "Das Geschmier ist das Gleiche", versichert Stauss nach dem ersten Einsatz des Granulats. Bauhofleiter Jochen Ruoff dagegen steht zu der neuen Wahl. "Es gibt nichts Geeigneteres", sagt er überzeugt. Der Lava-Split sei dreimal so dicht wie Blähton, bleibe deshalb besser liegen und löse sich nicht so schnell auf. Dass das Material eine ähnliche Sauerei macht wie der Blähton, kann er nicht bestätigen. "Der Lava-Split wird in sehr vielen Städten problemlos verwendet, wir haben uns da schon ganz genau umgehört", wundert sich Ruoff doch etwas über die erste Resonanz.

Im Bauhof liegt der neue Lava-Split als großer Haufen gleich neben dem schwarzen Blähton-Rest vom vergangenen Jahr. "Die Farbe ist schon deutlich heller", betont Ruoff. Die von Jörg Stauss im Ausschuss geäußerte Vermutung, dass das neue Material nun wohl schon für den ganzen Winter eingekauft sei und man damit leben müsse, stimmt allerdings nicht. "Wir kriegen den Lava-Split innerhalb von zwei Tagen her, das was jetzt da ist, reicht für zwei bis drei Einsätze", erklärt der Bauhofleiter.

Also wäre eine neue Wahl noch möglich – doch welche? "Dann bleibt nur der Schritt zurück zum herkömmlichen Split", sagt Jochen Ruoff, der keinen Hehl daraus macht, dass er davon nicht viel hält. Der Aufwand ist deutlich höher, im Frühjahr steht dann erneut jede Menge Arbeit an, von der Entsorgung ganz zu schweigen. Wenn der ökologische Gedanke eine Rolle spielen solle, so Ruoff, sehe er keine Alternative. Und das Ganze in heller Farbe gebe es nun mal nicht.

Für Jörg Stauss dagegen ist der Einsatz des ökologischen Materials zwar "eine gute Idee", doch scheinbar in der Praxis nicht gut umsetzbar. "Die vielen zusätzlichen Reinigungsarbeiten sind auch nicht ökologisch", meint er. Bevor sich die Schlammspuren wieder durch Wohnungen und Geschäfte ziehen, würde er lieber wieder auf Split zurückgreifen. Auch davon liegt noch ein großer Haufen auf dem Betriebshofgelände.