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Rottweil Reifenstecher vermiesen die Statistik

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Wütende Reifenstecher oder Spiegelabtreter, die in einer Nacht ganze Arbeit leisten, und eine Zunahme von Betrugsdelikten sind mitverantwortlich für die höheren Fallzahlen. Foto: Animaflora Foto: Schwarzwälder Bote

Es ist ein unschöner Knick in der seit Jahren so schön nach unten verlaufenden Statistik: Die Zahl der Straftaten ist in Rottweil 2019 erstmals seit langem wieder angestiegen. Laut Polizei-Revierleiter Markus Haug gibt das jedoch keinen Anlass zur Sorge, wenn man sich die Zahlen genauer anschaut.

Rottweil. Mit Kriminalitätsstatistiken ist es so eine Sache: In manchen Feldern – wie bei Rauschgiftdelikten – steigt die Zahl, je mehr die Polizei ins Wespennest sticht, bei anderen, wie beispielsweise der Straßenkriminalität, reichen zwei, drei Serien abgetretener Autospiegel oder eine Reihe aufgestochener Reifen, um die Statistik zu vermiesen.

Genau auf solche Fälle wies Revierleiter Haug am Mittwoch hin, um den Anstieg der Straftaten in Rottweil 2019 einzuordnen. 1065 Fälle waren es 2018 (ein historischer Tiefstand), 1191 Fälle 2019. Dieses Plus von 11,8 Prozent müsse das "subjektive Sicherheitsempfinden" der Bürger angesichts der maßgeblich dafür verantwortlichen Delikte nicht ins Wanken bringen, betonte Haug.

Neben stark erhöhten Zahlen von Sachbeschädigungen an Kraftfahrzeugen (von 50 Fällen 2018 auf 85), mehr Diebstählen aus Kfz (von 42 auf 53) und einer Zunahme von Rauschgiftdelikten (von 94 auf 128 aufgrund verstärkter Kontroll- und Ermittlungsaktivität) sind vermehrte Betrugsfälle für den Anstieg verantwortlich. Hier ist laut Haug ein deutlicher Anstieg von 103 auf 147 Fälle zu verzeichnen. Nicht zuletzt mit Enkeltrick-, Schockanrufen und der Masche "falscher Polizeibeamter" gelangten Betrüger an die Ersparnisse älterer Bürger, oder versuchten dies. Die wenigen vollendeten Fälle sorgten für einen "erheblichen finanziellen Schaden", so Haug. Dass mehr Anrufe gemeldet werden und es oft beim Versuch bleibt, zeuge davon, dass hier ein Dunkelfeld aufgehellt werde.

Er beleuchtete die Zahlen der Statistik im Einzelnen: Die Aufklärungsquote ist um 2,1 Prozent auf 63,4 Prozent zurückgegangen, liegt aber erneut über dem Landesschnitt (60,8 Prozent).  Die Kriminalitätsbelastung in Bezug auf 100 000 Einwohner liegt bei 4712, Rottweil liegt damit im Vergleich hinter Tuttlingen (6280) auf Platz zwei, gefolgt von Villingen-Schwenningen (4635). In diesem Jahr wurde noch auf ein Vergleich mit den neu hinzugekommenen Städten im Präsidiumsbereich – wie Singen und Konstanz – verzichtet. Sonst sähe das Ranking besser aus, so Haug.  Die Opferzahl ist trotz des Anstiegs der Delikte um sechs Personen auf 253 gesunken.  Die Zahl der ermittelten Tatverdächtigen beläuft sich auf 620 (2018: 574). Bei den Personengruppen ergeben sich laut Haug keine statistischen Auffälligkeiten. Die Zahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen stieg um 8,8 Prozent auf 210, die der deutschen um 7,6 auf 410. Die Zahl der tatverdächtigen Asylbewerber und Flüchtlinge ist nach einem stetigen Anstieg seit 2014 nun 2019 erstmals deutlich zurückgegangen (von 77 auf 48).  Bei der Straßenkriminalität zeigt sich ein Anstieg um 24,7 Prozent auf 227 Fälle, darunter unter anderem die genannten Sachbeschädigungen, zwei Raubdelikte und 22 Fälle von Körperverletzung im öffentlichen Raum.  Die Gewaltkriminalität hat insgesamt um 24,6 Prozent auf 46 Fälle abgenommen, die Zahl der Aggressionsdelikte stagniert bei 71 Fällen.  Bei gefährlichen/schweren Körperverletzungen ist ein Rückgang von 44 auf 38 Fälle zu verzeichnen, bei einfachen Körperverletzungen ein Anstieg von 87 auf 98 Fälle. Bei den Diebstählen ist die Lage mit 293 Fällen nahezu unverändert, darunter gibt es 57 Ladendiebstähle, 24 Fahrraddiebstähle und sieben Wohnungseinbruchsdiebstähle, das ist einer mehr als im Vorjahr. Auf diesen Bereich, so Haug, setze man seit Jahren in der polizeilichen Arbeit einen Schwerpunkt. Die   Gewalt gegen Polizeibeamte treibt dem Revierchef dann doch noch die Sorgenfalten auf die Stirn. Sie bewegt sich mit 18 Fällen weiter auf hohem Niveau.

Das Fazit von Haug fällt dennoch positiv aus: "In Rottweil lebt es sich nach wie vor sicher". Es sei eine Stadt, ohne "Angsträume", ohne Kriminalitätshotspots. Das heben auch Oberbürgermeister Ralf Broß, Bürgermeister Christian Ruf und Fachbereichsleiter Bernd Pfaff hervor. Alle Beteiligten loben die gute Zusammenarbeit – die nicht zuletzt derzeit im Zuge der Corona-Kontrollen zum Tragen kommt. Die Arbeit für die Polizei sei nicht weniger geworden, sie habe sich verlagert, so Haug. Auch er ist gespannt, wie sich die Corona-Krise auf die nächste Statistik auswirkt.

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