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Rottweil Raus aus dem Gedankenkarussell

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"Life’s a game – how to play it?" thematisiert den gesellschaftlichen Druck, der vorgibt, wie man leben soll.Fotos: Cools/Soballa Foto: Schwarzwälder Bote

Seine Gedanken mit Formen, Farben und Materialien möglichst treffend in Szene zu setzen – darum geht es Raphael Steinwandel. Zuerst hat er das, inspiriert von seiner Mutter, mit kleinen Figuren gemacht. Immer stärker entdeckt er jedoch die konzeptionelle Kunst für sich.

Rottweil. Für Raphael Steinwandel nehmen Kunst und Musik großen Raum ein, auch wenn er mit beidem ganz unterschiedlich umgeht. "Mit Rap thematisiere ich viel Persönliches. Es geht um die Selbstfindung, Konflikte mit sich selbst, Hochs und Tiefs", erklärt der 21-Jährige, der auch seine Beats selber macht. Drei Lieder hat er mittlerweile schon veröffentlicht.

Auch seine Kunst öffentlich zu präsentieren, war schon lange sein Plan. "Sie ist eine Art, persönlich weiterzukommen und Inspiration zu sammeln", sagt er.

Vor zwei Jahren hat Steinwandel das Abitur gemacht und sich dann eine Auszeit genommen – um zu sehen wo er steht und wo er noch hinwill. Darum geht es auch in seinem ausgestellten Werk "Life’s a game – how to play it?". Dabei handelt es sich um ein kleines Labyrinth-Spiel mit einer dazu passenden Anleitung. "Es stellt ein wenig unsere Generation dar. Wir haben viele Freiheiten, aber es gibt auch eine klare Linie, wie man zu leben hat. Unterschwellig ist der gesellschaftliche Druck zu spüren."

Auch Raphael Steinwandel spürte ihn nach seinem Abitur. Er widersetzte sich dem. "Da steht immer schon fest, wie das Leben abzulaufen hat. Ich hinterfrage das kritisch. Denn selbst wenn man im Labyrinth am Ziel ankommt, ist man immer noch in einer Sackgasse, und es passiert nichts. Ich möchte dazu anregen, sich einen Raum zu schaffen, den man selbst gestalten kann."

Steinwandel hat die konzeptionelle Kunst für sich entdeckt. Sie kontrastiert mit seinem Vorgehen beim Musikmachen. "Da ergibt sich alles spontan, intuitiv. Bei der Kunst hingegen entwickle ich Notizen, Formen und Ideen und setze sie dann um", erklärt er.

Menschen als Roboter

Trotzdem ist das, was Steinwandel macht, schwer zu kategorisieren. "Das reicht von Gedankengängen bis zu einer Auseinandersetzung mit persönlichen Themen."

Mit einem Ausstellungsstück stellt er die Entwicklung der heutigen Zeit dar, die Auswirkungen der Digitalisierung und fortschreitenden Technisierung. "Es ist eine mögliche Zukunftsperspektive, eine Interpretation", sagt er. Der Mensch wird mit einer Platine als Gehirn dargestellt, umgeben von Börsenkursen und einer Medikamentenpackung. "Es geht um Leistungsdruck, der den Menschen zum Roboter machen kann. Der Appell ist, sich selbst zu finden und im Einklang mit sich selbst zu leben, was durch all das aber unmöglich wird", erklärt der Rottweiler das gesellschaftskritische Werk.

Etwas Ähnliches thematisiert der Künstler mit "Globalisierung", das sich in einer Kugel ähnlich einem Wollknäuel zeigt. "Eine Situation wie jetzt gab es noch nie. Durch die Vernetzung gibt es viele Probleme, aber es ist so ein Kuddelmuddel, dass es viel zu komplex ist, um entwirrt zu werden. Müll und Böller sollen die Spannungen darstellen."

Auch das Gedankenkarussell spielt eine Rolle. "I resist not thinking" soll zeigen, wie dominant Gedanken sind, dass sie den Menschen gefangen halten und es schwer machen, zur Ruhe zu kommen.

Ausstellung hat inspiriert

Im November will Raphael Steinwandel ein Studium der Kulturwissenschaften in Berlin antreten. An einer Kunstuniversität wurde er zu seinem Bedauern abgelehnt. Doch das bremst ihn nicht darin, weiter schöpferisch tätig zu sein.

"Ich würde gern noch etwas Collageartiges ausprobieren und Fotografie einfließen lassen. Die Ausstellung war so inspirierend", schwärmt er. Mit Lili Stauss will er an gemeinsamen Werken arbeiten. "Sie hat das Ästhetische voll drauf." Auch größere Installationen kann er sich vorstellen.

Erst kürzlich war Raphael Steinwandel auf einer Osteuropa-Reise, um beim Wandern durch die Wildnis neue Kraft und Inspiration zu schöpfen. Eins ist sicher: Der 21-Jährige hat noch einiges zu sagen.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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