Foto: Nädele

Rottweil kann 200.000 zusätzliche Besucher im Jahr bewältigen. Kernstadt dauerhaft verkehrsberuhigt?

Rottwiel - Der Verkehr war am Mittwochabend in der Sitzung des Umwelt-, Bau- und Verkehrsausschusses des Gemeinderats das große Thema: der ruhende, der fließende – und der stockende.

Quo vadis Rottweil? Schon einmal war es SPD-Stadtrat Jürgen Mehl, der diese Frage aufwarf. Am Mittwoch stand nun ein Antrag der SPD-Fraktion zur Debatte, die Kernstadt dauerhaft verkehrsberuhigt zu bekommen. Von einer autofreien Innenstadt war dabei die Rede. Am Schluss war es dann ein Antrag der CDU, zu dessen Gunsten Mehl das weitergehende SPD-Ansinnen zurückstellte. Die Verwaltung möge prüfen, welche Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung in Frage kommen, hatte CDU-Fraktionssprecher Günter Posselt es formuliert. Angesichts der Aussicht auf eine breitere Zustimmung im Gremium und da es ja "eigentlich ums gleiche Ziel" geht, schwenkte Mehl ein.

Tatsächlich war es dann ein einstimmiger Beschluss – die Absicht vor Augen, weiteren Verkehr aus der Innenstadt zu verlagern und damit die Situation auf der Hochbrücktorstraße zu den Hauptverkehrszeiten zu entschärfen. Indes: Oberbürgermeister Ralf Broß bremste vorsorglich Erwartungen, dass Ergebnisse rasch vorgelegt werden könnten. Mit Verweis auf anstehende Projekte wie Spitalhöhe, Brunnenäcker oder der Flächennutzungsplan sei vor Mitte 2017 nichts zu präsentieren.

Wie eng verzahnt in der Ausschusssitzung gestern gleich drei Tagesordnungspunkte sind, zeigte sich in den Diskussionen. Die Erneuerung des Verkehrsrechners und der Ampelanlagen, das Parkierungskonzept für die Innenstadt sowie die Verkehrsberuhigung – immer wieder nahmen die Stadträte Bezug auf gerade zuvor gehörte Argumente und gefasste Beschlüsse. Eröffnen sich aus dem neuen Verkehrsrechner Nutzungsmöglichkeiten für ein dynamisches Parkleitsystem, wollte etwa FWV-Stadtrat Hermann Breucha wissen. Vor einer Verkehrsberuhigung der Kernstadt hielt sein Fraktionskollege Peter Schellenberg als zunächst erforderlichen Schritt den Bau des Parkhauses bei der Villa Duttenhofer für unverzichtbar.

Beim Thema Verkehr spielen in Rottweil natürlich mittlerweile der Testturm und möglicherweise die Hängebrücke eine Rolle. Gerade wegen des prognostizierten Touristenansturms war das Büro Kölz ein weiteres Mal in der Stadt unterwegs, um die Parkplatzsituation unter die Lupe zu nehmen. Auf die Frage, ob 200.000 zusätzliche Besucher im Jahr an den Wochenende ausreichend Stellplätze finden, hatte Göran Schmidt vom Büro Kölz eine klare Antwort: "Die Rottweiler Innenstadt hat kein Problem mit dem zukünftigen Besucheraufkommen." Und zwar auch ohne hier weiteren Parkraum zu schaffen. Etwas anders sieht die Empfehlung für das Berner Feld aus. Dort stehen bislang 120 Stellplätze zur Verfügung, die laut Büro Kölz auf 540 aufgestockt werden müssten. Nervosität löste das im Gremium oder in den Reihen der Stadtverwaltung nicht aus: Die Pläne dafür existieren bereits. Vorschläge hatte Schmidt auch parat, was die Verkehrsführung betrifft. Der Groß’schen Wiese könnte dabei besondere Bedeutung zukommen –­ vielleicht als Parkplatz Innenstadt.

Als "sehr gutes", als "schlüssiges" Konzept lobten verschiedene Stadträte die Arbeit des Büros. Es ziehe die richtigen Schlüsse, meinte auch Reiner Hils (FFR). Posselt zeigte sich erfreut über die "gute Botschaft: Wir haben kein Chaos zu erwarten, wenn im nächsten Jahr der Turm eröffnet wird".