Die Firma Oel Heimburger am Standort in Rottweil Fotos: Schulz Foto: Schwarzwälder Bote

Wirtschaft: Der 33-jährige Michael Dittert steigt in das Unternehmen ein / Eine mehr als 100-jährige Firmengeschichte

Die Firma ist inoffizieller Namensgeber des Straßenrondells in der Nähe: Heimburger Kreisel. Das Unternehmen selbst, die Oel-Heimburger GmbH, bleibt in der Geradeaus-Spur. Die nächste Generation steigt ein und übernimmt Verantwortung.

 

Rottweil. Der Chef Deinhard Dittert führt in einen Besprechungsraum, in dem die Fröhlichkeit regiert. Die frühherbstliche Nachmittagssonne strahlt durch die Fenster herein und fällt auf ein Bild mit bunten Kreisen auf zumeist hellgrauen Quadraten. Ein Quadrat ist anders. Darauf ist der typische Heimburger Tropfen abgebildet. Das Gemälde – es stammt von der regionalen Künstlerin Brigitte Landgrebe – wirkt wie ein Super-Kraftstoff für die Seele.

Um einen ganz anderen Kraftstoff geht es im alltäglichen Geschäft. Und nun, in diesen Tagen, um die weitere Zukunft des Unternehmens. Mit dem 33 Jahre alten Michael Dittert steigt zum 1. Oktober die nächste Generation ins Unternehmen ein.

Deinhard Dittert, der die Firma von seinem Schwiegervater Artur Heimburger übernommen hat, freut sich auf die Unterstützung. Und er ist, das sagt er im Gespräch, gespannt auf die Ideen, die sein Sohn mitbringt. Dieser war nach dem Studium, unter anderem in Freiburg, die vergangenen eineinhalb Jahre in Hamburg in der Branche tätig.

Der 66 Jahre alte Dittert erinnert sich, wie er vor Jahren aus der klassischen Heimburger-Tankstelle einen Tankstellen-Shop machte und damit zunächst auf große Skepsis beim Schwiegervater stieß. Doch die anfänglichen Bedenken verflogen, nachdem die Verkaufszahlen auf dem Tisch lagen. Aus Skepsis wurde Begeisterung. "Die nächste Generation bringt frischen Wind herein, hat andere Einfälle." Das gefällt Dittert.

Die Tankstellen-Einkaufsmärkte sind zum Ersatz der Tante-Emma-Läden geworden. Für viele Tankstellenbesitzer wiederum sind sie ein einträgliches Zusatzgeschäft. Sie tragen zu etwa einem Drittel zum Gesamtumsatz bei, davon wiederum entfällt die Hälfte auf Tabakwaren.

Das Rad dreht sich weiter, auch in der Mineralölbranche. Artur Heimburger, Ditterts Schwiegervater, wird in einer Firmen-Broschüre zitiert: "Früher habe ich die Ölfässle auf die Schwäbische Alb gefahren." Deinhard Dittert ist mit den Worten abgedruckt: "Heute unterstützen wir unsere Partner in allen Belangen rund um das moderne Tankstellengeschäft."

Damit ist am besten die Entwicklung des Unternehmens umschrieben, dessen Anfänge bis ins Jahr 1906 zurückgehen. Damals, so ist der Firmenchronik zu entnehmen, vertrieben Berta und Josef Heimburger in Horgen bei Rottweil neben Kolonialwaren auch Seifen, Fußbodenöl, Schmierfette und Öle für die Landwirtschaft.

Heute beliefert Oel-Heimburger ein Tankstellennetz von mehr als 100 Stationen in sieben Bundesländern mit Schwerpunkten in Baden-Württemberg und Sachsen. Dittert sieht seine Aufgabe neben der Belieferung von Kraftstoffen darin, die Partner zu betreuen und beraten. Das Geschäft ist knifflig, neue Vorschriften und Gesetze machten es den Tankstelleninhabern nicht leicht, so Dittert. Hier bietet er seine Expertise und Unterstützung an.

Ein Angebot hat er auch dem Nachbarn in Göllsdorf unterbreitet. Dort unterhielt die Firma Oel-Heimburger bis zuletzt ein Tanklager. Nachdem er erfahren habe, dass das benachbarte Unternehmen sich wegen Platzmangels mit Abwanderungsgedanken befasste, bot er das Grundstück an, berichtet Dittert.

Mit dem Ende des Tanklagers geht auch ein Stück Heimburger-Geschichte zu Ende. In den 50- und 60er-Jahren wurde in Göllsdorf Heizöl in großen Mengen umgeschlagen. Die Zeiten sind vorbei. Neue brechen an.

Was Tankstellen und den Handel mit Kraftstoffen anbelangt, so ist der 66-Jährige sicher, dass Tankstellen noch eine Zeit lang gebraucht werden. "E-Mobilität ist ein interessanter Hype, aber eben nur ein Hype", so Dittert. Sollten die Fahrzeuge einmal rein elektronisch betrieben würden, sei die doppelte Strommenge im Vergleich zu heute notwendig. Dittert setzt daher auf wasserstoffbasierte Kraftstoffe, mit denen Autos in Zukunft betriebe würden. Dafür wäre dieselbe Infrastruktur wie heute notwendig.