Die Otto-Burger-Passage hat einen strengen Bewacher. Ob das neue Schild dann länger hängt? Foto: Otto

Scherzbolde schrauben Schild ab und nennen Passage um. Broß gibt Ersatz in Auftrag. Mit Kommentar

Rottweil - Die Otto-Burger-Passage beschäftigt die Stadt weiterhin: Nachdem das Schild mit dem umstrittenen Namen Otto Burger von Unbekannten abgeschraubt worden war, ist nun nach Auskunft von Oberbürgermeister Ralf Broß ein Ersatzschild in Auftrag gegeben worden. Vermutlich schon nächste Woche wird es wieder angebracht.

Dabei dachte mancher, mit dem Diebstahl des Schildes am Durchgang beim Schwarzen Tor hätte sich das Problem von selbst erledigt. Doch weit gefehlt.

Rückblick: Stadtrat Hermann Klein (FDP) hatte gefordert, die Passage wegen Otto Burgers Nazi-Vergangenheit umzubenennen. Im Auftrag der Stadt hatte sich daraufhin ein Historiker mit dem Sachverhalt befasst. Fazit: Burger war ein Nazi, "aber kein überzeugter". Mehrheitlich stimmte der Gemeinderat dafür, dass die Passage weiterhin so heißen soll. Dass sie jetzt gar keinen Namen hat, beziehungsweise sie zwischenzeitlich von Scherzbolden zur Nietzsche-Passage umbenannt wurde, will die Stadt so nicht stehen lassen. Auf eine Nachfrage im Gemeinderatsausschuss, ob das gestohlene Schild wieder aufgetaucht sei, erklärte OB Broß, dass ein neues schon in der Mache sei. "Wir müssen uns am Gemeinderatsbeschluss orientieren", so die Begründung.

Kommentar: Eigentor

Von Corinne Otto

Hilfe, das Problem hat sich in Luft aufgelöst – also machen wir uns ein neues! Nach diesem Motto scheint die Stadtverwaltung zu verfahren. Dabei war nach der Diskussion um die Otto-Burger-Passage – benannt nach einem früheren Schulleiter mit zweifelhafter Nazi-Vergangenheit – schon gemutmaßt worden, dass sich das Ärgernis vielleicht von alleine löst, »wenn mal einer das Schild abschraubt«. Und tatsächlich: Ein Unbekannter hat der Stadt den Gefallen getan. Klar, das ist Diebstahl, aber ein Schaden ist nicht zu erkennen. Schließlich wohnt in der Mini-Passage niemand, und bei vielen Bürgern kam Otto Burger ohnehin nicht gut an. So weit, so gut – wäre da nicht die Bürokratie. Einfach mal etwas laufen lassen, ohne Paragrafenreiterei? Das hält so ein Verwaltungsapparat nicht aus. Ein neues Schild ist bestellt – und Rottweil hat Otto Burger wieder am Hals. Eigentor!

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