Karlsruher Studenten tüfteln daran, was aus dem Gebäude-Ensemble auf der Neckarinsel werden könnte. Reinhold Orawetz weiß schon jetzt: Es ist ein Juwel. Foto: Schulz

Innovationswettbewerb für die alten Werkstätten der Pulverfabrik. Studenten machen sich Gedanken über künftige Nutzung.

Rottweil - Im Neckartal schlummern Juwelen, keine Frage. Ein solches besitzt der Unternehmer Reinhold Orawetz mit den ehemaligen Werkstätten der Pulverfabrik. Jetzt gibt es dafür einen Innovationswettbewerb.

Der Anlass jedoch ist eher ein trauriger, könnte aber der Beginn einer wunderbaren Beziehung sein. Der Gewerbepark Neckartal ist Geschichte und schreibt Geschichte. Beispielsweise die des Testturms, der jetzt auf dem Berner Feld gebaut werden soll. Für den Rottweiler Architekten Alfons Bürk, der so etwas wie der geistige Vater des Neckartals heutiger Prägung ist, wäre der Turm das Symbol schlechthin für den Unternehmergeist dort unten gewesen. Jetzt ist der Turm weg und vielleicht doch, wenn er auf dem Berner Feld realisiert wird, ganz in der Nähe. Was auf jeden Fall bleibt, ist der Unternehmergeist.

Denn der Turm von ThyssenKrupp Elevator bleibt vielleicht in der Nähe jener Gebäude, für die deren Besitzer, der Rottweiler Unternehmer Reinhold Orawetz, mit Studenten der Hochschule in Karlsruhe einen Ideenwettbewerb gestartet hat. Der Anlass ist ein für die Stadt eher trauriger, merkt auch der Rottweiler Wirtschaftsförderer André Lomsky an. Die Firma Münzing Liquid Technologies GmbH, nicht gerade der schlechteste Steuerzahler, zieht sich aus dem Tal zurück. Das Unternehmen, auf Wachsdis­persionen spezialisiert, konzentriert sich auf den Standort in Heilbronn. Im kommenden Jahr ist für das Unternehmen hier in Rottweil Schluss. Gegründet wurde es 1930 durch Ludwig Paul Bader. 1976 übernahm Reinhold Scheible die Geschäftsführung, 1986 erfolgte die Umwandlung in eine GmbH, seit 2009 ist die Firma Mitglied der Münzing-Gruppe.

Die Gebäude stellen die ehemaligen Werkstätten der Pulverfabrik, gegründet von Max Duttenhofer, dar. Es handelt sich um sieben Gebäude auf der sogenannten Neckarinsel. Das Herzstück, ein stattliches Haus, in dem unter anderem die mechanische Werkstatt untergebracht war, wurde 1915/16 geplant und erstellt und ist in der ursprünglichen Architektur erhalten. In einer Beschreibung aus dem im Jahr 2012 veröffentlichten Buch "Industriekultur im Neckartal Rottweil" heißt es: "Schlanke Stahlbetonpfeiler bilden das kons­truktive Skelett, das sich an der Außenfassade ablesen lässt und sehr viel Glasflächen auch in den Dachschrägen erlaubt." Für Orawetz ist es "das Juwel". Er hat die Gebäude 2010/11 erworben, als sich die Rhodia AG aus dem Neckartal endgültig zurückzog. Im Original erhalten ist darin die Kranbahn.

Diese wieder zum Laufen zu bringen, ist für Orawetz ein Ansporn. Aus doppeltem Grund. Der 57-Jährige, in Esslingen geboren und in Rottweil aufgewachsen, ist nicht nur gelernter Starkstromelektriker, er hat just dort, in den alten Werkstätten, diese Ausbildung erhalten. Keine Frage also, dass für ihn das Projekt eines ist, an dem sein Herz hängt. Mittlerweile befasst er sich mit allem, was mit alternativen Energien zu tun hat. Seine Firma sitzt im Gewerbegebiet Inkom, im Neckartal hat er erst vor Kurzem eine größere Photovoltaikanlage realisiert.

Die Studenten wissen, was zu tun ist. Im Rahmen ihres Masterstudiums überlegen sie sich, wie man das Gebäude­Ensemble neu und innovativ nutzen kann. Jetzt war Startschuss im Neckartal. Die Studenten waren zusammen mit ihrem Professor Florian Burgstaller, dem Studiendekan für Architektur an der Hochschule in Karlsruhe, vor Ort. Im Januar werden die Ergebnisse präsentiert. Orawetz ist jetzt schon gespannt, was daraus wird. Eventuell nimmt die Insel in einigen Jahren eine zentralere Stelle als bisher ein. Nicht nur wegen der neuen Nutzung. Sie ist auch der Ort, der das Neckartal mit dem Gelände des Testturms auf dem Berner Feld verbinden könnte.