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Rottweil Neckartal droht Bahn-Schlamassel

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Ein Zug fährt auf der Gäubahnstrecke. Foto: obs/DB/Jochen Schmidt

Rottweil - Zur Landesgartenschau 2028 in Rottweil könnten wichtige Zugverbindungen lahmgelegt sein. Doch es formiert sich Widerstand

Die Stimmung ist überschwänglich. Rottweils Oberbürgermeister Ralf Broß stößt im Rathaus mit Mitarbeitern auf einen weiteren großen Erfolg, vielleicht den größten Deal seiner bisherigen OB-Laufbahn in der Neckarstadt, an. Soeben hat der Ministerrat in Stuttgart bekannt gegeben, wer den Zuschlag für die Ausrichtung einer Landesgartenschau bekommt. Rottweil ist darunter und darf das Prestige-Projekt im Jahr 2028 ausrichten.

Es ist Juli vergangenen Jahres, es sind noch gut zehn Jahre Zeit. Siegestrunken ist man nicht nur in den Zimmern der Verwaltung. Große Teile der Bevölkerung sind getragen auf einer Welle der Euphorie. Doch es gibt inzwischen immer mehr Nachrichten, die auf die Stimmung schlagen. Da ist zum einen das große Sorgenkind Gäubahn. Schon seit vielen Jahren machen sich Vertreter aus dieser Region, darunter der Minister für Justiz, Europa und Tourismus, Guido Wolf (Tuttlingen), für einen zügigen Ausbau der eingleisigen Strecke bei Land, Bund und Deutscher Bahn stark – mit mäßigem Erfolg.

Sorge: Gäubahn fällt als Publikumsbringer aus

Die Sorgen werden größer, als bekannt wird, dass im Zuge von Stuttgart 21 die Zugverbindung zwischen Zürich und Stuttgart voraussichtlich auf Jahre gekappt und am Regionalbahnhof Vaihingen enden wird. Passagiere müssen dann auf überfüllte S-Bahnen umsteigen. Das verlängert die Fahrtzeit. Im schlimmsten Falle um bis zu einer halben Stunde. Die Attraktivität der Zugverbindung könnte darunter massiv leiden – befürchten Kommunalpolitikern in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg. Zumal es immer wahrscheinlicher wird, dass die Arbeiten an der Gäubahn bis zur Landesgartenschau in Rottweil 2028 nicht abgeschlossen sein werden und die Relation aus der Landeshauptstadt als bedeutende Verkehrsader und Publikumszubringer zur Gartenschau ausfällt. Es wäre ein Supergau für Vermarktung und Erfolg des Grünprojekts.

Doch nicht nur zwischen Stuttgart und der Region am Oberen Neckar droht die Schiene in den 20er-Jahren dieses Jahrhunderts reizlos zu werden. Auch der Ringzug, der Bräunlingen, Donaueschingen, Villingen-Schwenningen, Trossingen, Rottweil, Spaichingen, Tuttlingen, Immendingen und Blumberg-Zollhaus im Stundentakt miteinander verbindet, kommt wohl unter die Räder. Wieder würde es Rottweil im Festjahr 2028 treffen.

Landrat Michel findet Planung inakzeptabel

An der Elektrifizierung und Erweiterung des Ringzugs – der Zweckverband wurde 2003 von den Kreisen Rottweil, Schwarzwald-Baar und Tuttlingen gegründet – wird seit Jahren gearbeitet. Noch fahren stinkende Diesel-Loks auf der Strecke. Doch die Regio-Shuttles geben ihren Geist auf. Spätestens 2025 haben sie ihr wirtschaftliches Nutzungsende erreicht. Dann, wenn neues Wagenmaterial angeschafft werden muss, sollte die Elektrifizierung der Strecke abgeschlossen sein. Das ist Kern der Überlegungen der drei Kreise und des Landesverkehrsministeriums. Doch die Deutsche Bahn (DB), vertraut mit der Grundlagenermittlung des Vorhabens, spielt nicht mit.

Wie unsere Zeitung erfahren hat, haben DB-Vertreter bei einem Treffen vor wenigen Tagen auf Arbeitsebene den verdutzten Partnern mitgeteilt, dass der Ausbau der Strecke sich bis ins Jahr 2029 ziehen werde. Geht man davon aus, dass die Arbeiten gut neun bis zwölf Monate zum Teil unter Vollsperrung dauern, würde Rottweil mit der Gartenschau ins Mark getroffen. Per Ringzug wäre die Neckarstadt dann gleich gar nicht mehr zu erreichen. Es wäre eine zusätzliche Katastrophe. Zudem müsste interimsweise neues Wagenmaterial beschafft werden. "Ein teures Unterfangen", sagt der Rottweiler Landrat Wolf-Rüdiger Michel (CDU) unserer Zeitung. Man sei aus allen Wolken gefallen, als man das erfahren habe. Diese Planung sei für ihn schlicht "inakzeptabel", kritisiert Michel.

Es formiert sich Widerstand gegen den Schienen-Schlamassel im Neckartal. Landräte, Ober- und Bürgermeister der Anrainergemeinden tun sich zusammen und machen gegenüber dem Verkehrsministerium deutlich, dass das so nicht geht. Eine weitere Hiobsbotschaft kommt dazu: Eng wird es nämlich auch auf der Autobahn 81. Im kommenden Jahr soll der Umbau des Abschnitts zwischen Böblingen und Sindelfingen beginnen. Geplant ist zum einen der sechsspurige Ausbau auf einer Länge von rund sieben Kilometern. Zum anderen wird ein 850 Meter langer Lärmschutzdeckel gebaut. Die Arbeiten sollen fünf Jahre dauern, die Kosten betragen 226 Millionen Euro. Während der Bauzeit – es sollen auch die Autobahnauf- und -abfahrten neu eingerichtet werden – ist mit erheblichen Verkehrsbehinderungen zu rechnen. Überhaupt stellt sich einem die Frage, ob das A 81-Projekt tatsächlich bis zur Landesgartenschau 2028 fertiggestellt wird. Bleibt noch eine Verkehrsader zwischen Stuttgart und Rottweil übrig: die Bundesstraße 27. Doch die ist jetzt schon heillos überlastet. Was erst aus ihr wird, wenn auch Schiene und Autobahn zu einem Nadelöhr werden?

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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