Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Rottweil Nach Kritik: Genervte Busfahrerer packen aus

Von
Busfahren in und um Rottweil: Hier scheint vieles im Argen zu liegen. Foto: ©  connel_design – stock.adobe.com

Rottweil - Wenn ein Thema so einschlägt, wie das über genervte und unhöfliche Busfahrer in der vergangenen Woche, dann ist klar: Hier liegt etwas gehörig im Argen. Viele haben nach unserem Artikel ihre – meist unschönen – Erlebnisse geschildert. Es gibt jedoch auch eine andere Seite der Medaille.

"Es stinkt mir, dass immer gescholten wird, ohne die Hintergründe zu kennen", sagt Markus Frick. Der 43-Jährige arbeitet nach einer Umschulung seit drei Jahren als Busfahrer – und bereut diesen Schritt inzwischen. "Der Job ist für mich zum Alptraum geworden", sagt er. Denn die Fahrer stünden zwischen Fahrgästen und Verkehrsbetrieben – "und wir kriegen von beiden Seiten alles ab".

Frust über unhöfliche Fahrgäste ist groß

Knappe Fahrpläne, viel Verkehr und Fahrgäste, die sich nicht an die Beförderungsrichtlinien halten und teils gehörig austeilen, machen ihm und seinen Kollegen das Leben schwer. "Beschimpfungen, Bespuckungen – wir müssen uns viel gefallen lassen." Der Frust ist ihm anzumerken. Wenn man dann an einem Tag schon unschöne Vorfälle erlebt habe und auch noch unter Zeitdruck sei, werde man als "unfreundlich" bezeichnet, wenn man Fahrgäste nicht freudig begrüße oder nicht auf alle Fragen eine Antwort parat habe. "Manchmal soll ich sogar wissen, in welcher Straße ein bestimmter Arzt ist." Gleichzeitig seien die Fahrgäste heute nur allzu schnell dabei, sich zu beschweren. "Und nicht immer bleiben sie bei der Wahrheit", meint Frick. Er selbst sei schon mit Beschwerden konfrontiert worden, die er nicht nachvollziehen konnte. "Dem Fahrgast wird aber Recht gegeben, weil man ihn besänftigen will", ärgert er sich.

Doch wie erklärt er sich die vielen unzufriedenen Stimmen, die im Zuge unserer Berichterstattung und des offenen Briefs von Katharina Hirsch im Internet laut wurden? Grundsätzlich herrsche seiner Meinung nach viel Unwissenheit bei Fahrgästen, was zu Missverständnissen führe. So wisse kaum einer, dass ein Fahrgast drei Minuten vor der Abfahrtszeit an der Haltestelle einfinden soll, damit der Bus pünktlich – so wie es auf dem Fahrplan steht – losfahren kann. Es rege sich aber auch mancher auf, wenn nicht sofort nach Ankunft an der Haltestelle weiterfährt oder weisungsgemäß am Bahnhof auf einen Zug wartet. Und wenn man Schülern deutlich sage, sie sollen sich jetzt beim Einsteigen mal beeilen, sei das schon zu viel.

Festgehalten sei in den Richtlinien außerdem, dass ein Busfahrer auf maximal zehn Euro wechseln muss. "Viele Leute kommen mit einem 50-Euro-Schein und ärgern sich, wenn ich nicht wechseln kann. Manche rechnen auch damit, dass ich sie dann einfach durchlasse – das ist das neue Schwarzfahren", meint Frick. Und: Puffer für dauerrote Ampeln, Stau und Umleitungen seien in Fahrplänen unzureichend eingerechnet. "Den Ärger bekommen natürlich wir ab". Die zunehmende Zahl an Fahrern aus anderen Ländern mit mangelnden Sprachkenntnissen tragen laut Frick ihr Übriges zur Unzufriedenheit bei.

Spaß am Job ist weg

Dem 43-Jährigen ist der Spaß am Job gründlich vergangen. Viele Konfliktsituationen oder Beschwerden verfolgen ihn auch nach Feierabend noch. Das gehe auf die Psyche, sagt er.

Und die Lösung? Für Frick ist klar, dass die Busfahrer nicht alle Aufgaben leisten können. Zusätzliche Kontrolleure, kostenfreier Öffentlicher Nahverkehr oder 1-Euro-Tickets wie anderswo würden schon viele Konflikte lösen, sagt er. Ob der Beruf für ihn eine Zukunft hat? Er weiß es noch nicht.

Wie tief der Frust bei vielen Fahrern sitzt, zeigt auch das Schreiben, dass uns ein Busfahrer anonym zukommen lässt. Er betont: "Gut dass ihr berichtet und den Finger in die Wunde legt." Er spricht in seinem Brief die Fahrgäste direkt an, fragt, warum sie nicht auch mal freundlich grüßen, warum sie nicht einfach ihre Fahrkarte so zeigen, dass man sie sehen kann, warum sie hinten einsteigen statt vorne, warum sie mit den Schuhen auf die Sitze gehen und teilweise "aggressiv, pampig und beleidigend werden".

Und er berichtet von den Arbeitsbedingungen: "keine Toiletten für Busfahrer, nur versiffte Bahnhofsklos", ansonsten rate die Geschäftsleitung den Fahrern, man könne ja auch "in einer Bäckerei nach dem Klo fragen". "Sozialinkompetente Verkehrsteilnehmer" seien an der Tagesordnung. Und: Abhilfe sei nicht in Sicht, man werde von allen im Stich gelassen. Das Ganze bei zu wenig Verdienst und zu langen Arbeitszeiten. Der Grund dafür, dass Fahrer Mangelware sind, liegt angesichts dieser Umstände für ihn auf der Hand: "Viele haben gekündigt oder sind kurz davor zu kündigen, sobald sie was Gescheites finden." n Die Diskussion wird weitergehen – und zieht Kreise. Unter dem Titel "Gefährliches Busfahren in Rottweil" hatte auch die SWR-Sendung "Zur Sache Baden-Württemberg" das Thema am Donnerstagabend auf der Agenda. Gesprächspartner für die Fernsehmacher war dabei auch Hans Keller von der "Stadt-Bus" in Rottweil.

Ihre Redaktion vor Ort Rottweil

Armin Schulz

Fax: 0741 5318-50

Flirts & Singles

 
 
0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.