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Rottweil Nach dem Hagel ist Vorsicht geboten

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Wohl dem, der Ersatzziegel zu Hause hat: Wenn wie hier in Trichtingen die Hälfte des Daches plötzlich im Vorgarten liegt, ist passender Ersatz derzeit schwer zu bekommen. Foto: Holweger

Kreis Rottweil - Eigentlich sind Handwerkerferien – doch die großen Hagelschäden sorgen dafür, dass mancher Betrieb im Landkreis Sonderschichten einlegen muss. Doch Vorsicht: Auch windige reisende Kolonnen machen die Runde und wittern schnelles Geld.

Es ist aber auch verlockend: Während man mit zerlöchertem Hausdach noch händeringend nach einem Handwerker sucht, steht schon einer ungefragt vor der Tür. Die so genannten "Dach-Haie" versprechen schnelle Hilfe, überreden die Kunden dann aber oft zu überteuerten und schlecht ausgeführten Komplett-Sanierungen oder kassieren gar gleich das Geld ab, ohne die Leistung zu bringen. Die Handwerkskammer Konstanz warnt jetzt die Menschen in den Hagelgebieten nachdrücklich davor, schnelle Abschlüsse zu machen, ohne ein Vergleichsangebot bei einem örtlichen Handwerksbetrieb einzuholen. "Die Dach-Haie haben jetzt Hochsaison, und Pfusch ist an der Tagesordnung", so die Handwerkskammer. Meist komme nicht ausgebildetes Personal zum Einsatz, die Folge seien Wasserschäden beim ersten Starkregen und viel juristischer Ärger. Auch Hubert Nowack. Obermeister der Zimmerer-Innung Rottweil, rät zur Vorsicht. "Wir haben mit dem Pfusch der Dach-Haie oft noch Jahre später Arbeit, weil wir’s dann richten müssen", spricht er aus Erfahrung. Bei Fachfirmen der Innungen, sei es bei Zimmerern, Dachdeckern, Glasern oder anderen, habe der Kunde auch eine entsprechende Garantie.

Nowack und seine Handwerkskollegen, die nicht gerade im Urlaub sind, bemühen sich, alle Anfragen von Hagelgeschädigten schnellstmöglich abzuarbeiten. "Wir sind derzeit täglich bis Mitternacht unterwegs", sagt der Obermeister. Gerade ist er auf dem Weg nach Schwenningen, um eine Palette Ziegel abzuholen. "Ein Glück, dass der Händler welche da hat." Denn wenn die Leute keine Restziegel mehr zuhause haben, wird der Ersatz momentan schwierig. Und natürlich sei die Eile der Häuslebesitzer verständlich, sagt Nowack. "Viele wollen in den Urlaub fahren, aber wer will das schon, wenn das Haus nur mit Folie abgedeckt ist."

In der vergangenen Woche waren der Obermeister und etliche weitere Handwerker aus dem Kreis dem Hilferuf der Innung aus dem Bereich Reutlingen gefolgt und dort im Einsatz, um vom Hagel zerschlagene Dächer und Fenster abzudichten. "Und als wir am Dienstag aus Reutlingen heimfuhren, kamen schon die ersten Anrufe aus Trichtingen", sagt Nowack. Ohne Umwege ging es dorthin. "Den Menschen hat’s ja teilweise direkt ins Bett geregnet." Zumindest die Notmaßnahmen dürfen versicherungstechnisch gleich ausgeführt werden. Dann muss sich ein Gutachter den Schaden anschauen. Oft habe es die ganze Blechverwahrung zerschlagen, dann müsse geprüft werden, ob nicht besser das ganze Fenster ausgetauscht wird. Wichtig sei, dass trotz des Stresses die Sicherungsmaßnahmen eingehalten werden. "So viel Zeit muss sein".

Auch Axel Grathwol von der gleichnamigen Fensterbaufirma in Sulz, der eigentlich gerade Urlaub hat, fährt von Hagelschaden zu Hagelschaden. "Es ist schon sehr viel kaputt", sagte er. Selbst die Folien zum Abdichten würden langsam knapp. Bis alle Schäden beseitigt sind, sei man noch monatelang beschäftigt, schätzt er. Und daneben habe man ja auch andere Aufträge zu bewältigen.

Schreiner Thomas Rapp aus Epfendorf-Harthausen arbeitet ebenfalls emsig nacheinander die Liste der Anrufer ab. Fenster mit provisorischen Gläsern oder Holzplatten abdichten, abmessen und neue bestellen – es geht Schlag auf Schlag. In Trichtingen habe es allein an einem Gebäude zehn Scheiben zertrümmert, erzählt Rapp. Normale Scheiben hat er am Lager, Isolierglas aber muss bestellt werden, das dauert mindestens ein bis zwei Wochen.

Davon kann Markus Bunz aus Trichtingen nur träumen: An seinem Auto hat es unter anderem das Panorama-Glasdach zerschlagen. Und Ersatz, so erfuhr er in der Werkstatt, gibt es wegen des Hagels derzeit in ganz Deutschland nicht. Wann er sein Auto wiederbekommt sei ungewiss.

Ausnahmezustand eben – auch für die vielen Helfer von Feuerwehr und THW aus dem Kreisgebiet, die unermüdlich im Einsatz sind. "Es geht schon an die Grenzen", sagt der stellvertretende Kreisbrandmeister Rainer Müller. Bleibt zu hoffen, dass das nächste Unwetter nicht so schnell kommt.

Ihre Redaktion vor Ort Rottweil

Armin Schulz

Fax: 0741 5318-50

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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