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Rottweil Musikbox liefert CDs an Häftlinge

Von
Foto: Müller

Rottweil - Als die Musikbox 1978 eröffnete, standen vor allem Schallplatten in den Regalen. Auch heute wird vor allem Musik auf Vinyl nachgefragt – doch ein zweites Standbein sind CD-Lieferungen hinter schwedische Gardinen.

Kleine Musikgeschäfte wie die Musikbox sind mittlerweile eine Rarität. Seit 20 Jahren führt Bernd Kammerer das Geschäft, das vor 39 Jahren von Hermann Weber am Friedrichsplatz eröffnet worden ist. Als Kammerer 1997 das Geschäft übernahm, gab es dort keine Schallplatten mehr zu kaufen. Mittlerweile sind sie wieder das in der Musikbox am stärksten nachgefragte Medium.

Trotzdem: Mit dem Verkauf von Platten allein kann ein kleiner Musikladen in der Zeit von Musikdownloads und -Streaming sowie einfachem CD-Brennen kaum mehr überleben. Als zweites Standbein vertreibt Kammerer seit 2002 CDs an Gefängnisse in ganz Deutschland.

Ein Justizbeamter der JVA Villingen wandte sich damals an die Musikbox und holte regelmäßig CDs für seine Häftlinge ab. Als dann auch noch eine Anfrage aus der JVA Hechingen kam, "da fiel bei mir der Groschen". Mittels Fax bot er Gefängnissen in ganz Deutschland an, Musikträger für die Häftlinge zu schicken.

Da ein solches Angebot von jeder JVA unterschiedlich geregelt wird, muss Kammerer einiges beachten. Während manche Gefängnisse Sammelbestellungen über die Justizbeamten abgeben, bekommt er aus anderen Einrichtungen handgeschriebene Bestellungen per Post von Häftlingen. Auch die Bezahlung und der Versand werden unterschiedlich gehandhabt. "Großen Lieferanten ist das vermutlich zu kompliziert", vermutet Kammerer. "Ich bin in den Regularien flexibler und kann die Wünsche gezielt erfüllen." Viel läge auch daran, wie sehr sich die Justizbeamten für solch ein Musikangebot interessierten.

Kleiner Händler kann sich gut anpassen

Jährlich bringt der Inhaber der Musikbox einen Katalog heraus. Aktuelle Alben stehen aufgelistet neben Klassikern, auch einige DVDs sind im Verzeichnis.

Jede CD, die auf dem Markt ist und nicht auf dem Index steht, kann er für die Häftlinge beschaffen. Im Knast besonders beliebt seien Deutschrap, Hard Techno, amerikanischer Hip-Hop und Schlager. Kammerer kennt aber auch die Stars und Trends der türkischen und russischen Musikszene sowie Musik aus osteuropäischen Ländern und kann entsprechende Musikwünsche erfüllen. In die Gefängnisse dürfe allerdings nur Neuware geliefert werden, die Bestimmungen, was in die Gefängnisse dürfe, seien teilweise sehr streng. Schallplatten liefert Kammerer in JVA nicht. "Da gibt es in der Regel keine Plattenspieler", weiß er.

In seinem Laden spielt die schwarze Scheibe hingegen wieder eine Rolle – neue Exemplare wie auch gebrauchte. "Vor zehn bis 15 Jahren erlebte die Schallplatte eine kleine Renaissance", erklärt Kammerer. Fans des Datenträgers schätzen vor allem die Aufmachung von Platten. Teils aufwendig gestaltete, großformatige Cover sowie die besondere Akustik beim Abspielen machten den Reiz aus. Mittlerweile bringen auch aktuelle Musiker neue Alben auf Schallplatte heraus. Bei Kammerer, der inzwischen in der Hauptstraße angesiedelt ist, gehen am häufigsten Heavy-Metal-Platten über die Ladentheke.

Schallplatten sind für Sammler interessant

Die Schallplatten sind jedoch kein Musikmedium für den Alltag, mittlerweile sind sie beliebte Sammlerstücke geworden und werden meist von echten Musikliebhabern gekauft. Kassetten hingegen sind so gut wie ausgestorben. In der Musikbox gibt es kaum noch welche. "Es gibt aber tatsächlich eine kleine Szene, die auf Kassetten setzt", weiß er. Ein Hip-Hop-Label, für das Bernd Kammerer den Vertrieb regelt, bringt neue Alben auf Kassetten heraus. Das sei aber eher die Ausnahme.

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