Gottfried Gestrich-Gärtner hält im Weltladen die Stellung. Alle Verkäufer arbeiten ehrenamtlich und viele gehören zur Risikogruppe.Foto: Beyer Foto: Schwarzwälder Bote

Fairer Handel: Öffnungszeiten ausgeweitet / Junge Vereinsmitglieder werden dringend gesucht

Auf dem Höhepunkt der Corona-Epidemie musste der Rottweiler Weltladen seine Öffnungszeiten stark einschränken. Doch durch die Treue der Kunden konnte eine Pleite abgewendet werden.

Rottweil. Ein Weg aus der Prostitution für Kinder auf den Philippinen, Schule statt Kinderarbeit in Ecuador: Solche Errungenschaften sind möglich durch fair gehandelte Produkte, in diesem Fall Mangos und Kakao, die in Rottweil im Weltladen erhältlich sind. Doch auch der Weltladen wurde durch die Corona-Pandemie vor neue Herausforderungen gestellt. "Wir hatten noch großes Glück. Da wir den größten Teil unseres Umsatzes mit Lebensmitteln machen, durfte unser Laden geöffnet bleiben", berichtet Alex Wolf, der Vorsitzende des Trägervereins. In anderen Gemeinden hingegen hätten Fair-Trade-Läden schließen müssen.

Dennoch mussten die Öffnungszeiten drastisch reduziert werden. Auf dem vorläufigen Höhepunkt der Epidemie war nur noch mittwochs und samstags am Vormittag geöffnet. Der Grund: Der Weltladen ist kein komerzielles, gewinnorientiertes Unternehmen, sondern wird von einem gemeinnützigen Verein betrieben. Alle Mitarbeiter sind ehrenamtliche Helfer. Und wie so oft im Ehrenamt seien fast alle Vereinsmitglieder 60 oder älter. "Wir fallen alle in die Risikogruppe", erklärt Wolf. So sei es die Entscheidung jedes einzelnen, ob man sich das Risiko des Ladendienstes gesundheitlich zutraue. "Es soll niemand gezwungen werden", so Wolf.

Glücklicherweise hätten sich die meisten Kunden tatsächlich auf die stark reduzierten Geschäftszeiten umgestellt. "Die Stammkunden waren sehr treu und haben uns ein ordentliches Geschäft bereitet", freut sich Wolf, und lobt: "Unsere Kunden waren sehr vernünftig und haben vor dem Eintreten geschaut, ob genug Platz im Laden ist."

Schlimmeres konnte so verhindert werden. Daher sei der Umsatzeinbruch zwar "merklich, aber nicht existenzbedrohend".

Junge Helfer willkommen

Und es geht aufwärts: Seit dem 13. Mai ist mittwochs bis freitags am Vor- und Nachmittag und am Samstagvormittag geöffnet. Und es sei zumindest denkbar, dass bald wieder jeden Tag geöffnet ist, allerdings müssten die Mitglieder darüber noch beraten.

Geholfen wäre dem Verein durch neue, junge Helfer. "Wir freuen uns immer, wenn wir frische Kräfte dazugewinnen. Schließlich werden wir nicht jünger", so Wolf.

Doch natürlich ist der Faire Handel ein internationales Projekt und noch hat die Pandemie den Großteil der Welt fest im Griff. Hauptlieferanten für faire Produkte, wie GEPA, El Punto oder DWP, hätten Kurzarbeit anmelden müssen. "Wir haben zum Teil auch Lieferprobleme", berichtet Wolf, allerdings seien bisher nur einzelne Sorten bestimmter Produkte ausverkauft. Grund seien Distributionsprobleme in Europa. Von Corona bedingten Produktions- und Transportproblemen im Globalen Süden weiß er nicht zu berichten. Der Klimawandel sei das viel größere Problem für die dortigen Bauern.