Serie: Imkerei erfreut sich großer Beliebtheit / Ralf Banholzer geht dem Hobby mit Leidenschaft nach / Kurs ist ratsam
Nicht nur in Corona-Zeiten besinnt sich mancher auf die "gute alte Zeit" zurück. Nachhaltigkeit und Schonung von Ressourcen sind in aller Munde. Dass man vieles selbst herstellen und Ausgedientes umnutzen kann, das haben viele Menschen wieder für sich entdeckt.
Rottweil. Den eigenen Honig auf dem Frühstücksbrot, mehr Obst an den Bäumen – für viele offenbar ein Traum, denn immer mehr Leute entdecken das Imkern für sich. Ein Discounter bot zuletzt sogar eine Imkerausrüstung für wenige Euro an. Die Nachfrage war groß.
"Bienen zu haben bedeutet aber durchaus mehr, als morgens frischen Honig auf dem Brot zu haben", weiß Ralf Banholzer aus Rottweil, der die Imkerei vor gut acht Jahren zu seinem Hobby erklärt hat. Und er betreibt dieses Hobby mit Leidenschaft, was man schnell erkennen kann.
Freilich, wer sich den Bienen nähert, der muss dies mit Ruhe und Bedacht tun. Banholzer aber ist auch große Sorgfalt und Aufmerksamkeit anzumerken. Langsam öffnet er den Bienenkasten, nimmt die Abdeckfolie herunter und zieht den ersten Rahmen heraus. Die kleinen Tierchen scheinen das Prozedere gelassen hinzunehmen. "Die sind gerade mit sich selbst beschäftigt", erklärt Banholzer. Das Volk zu vergrößern und aufzubauen gehört dieser Tage zu den Hauptaufgaben der Bienen, weiß der Experte. Jeden Tag schaut er sich momentan jeden Rahmen in den Bienenkästen genau an: wie das Brutbild aussieht, wie es den Bienen geht und ob sich die Aufteilung eines Volkes bereits abzeichnet. Die Imkerei bringt also nicht nur Verantwortung mit sich, sondern bedeutet auch eine Menge Arbeit.
Immerhin gut 140 000 Imker gibt es derzeit in Deutschland. Die Zahl ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen. 90 Prozent betreiben die Imkerei als Hobby. Eine Ausbildung muss man nicht absolvieren, um Imker zu werden, allerdings muss man Mitglied in einem Bezirksimkerverein sein, informiert Banholzer, macht aber gleichzeitig deutlich, dass es gut sei, wenn man einen Imkereikurs mit Theorie- und Praxisteil belege. Viele Faktoren um die Tierchen selbst, den Standort der Bienenhäuser und die Gewinnung von Honig seien für den Erfolg des Hobbys verantwortlich.
Die Imkerei hat in der Familie Banholzer Tradition. Über viele Jahre hatte sich Ralf Banholzers Onkel der Imkerei verschrieben. Im Jahr 2012 musste er sie schweren Herzens aufgegeben. Ralf Banholzer und seine Familie, die zu diesem Zeitpunkt gerade aus der Innenstadt an den Stadtrand, ins Grüne, gezogen war, hatte ebenfalls Überlegungen angestellt, welcher Tierhaltung sie nachgehen wollten. Hühner und Hasen schieden schnell aus. Und so kam man schließlich auf die Bienen und die Imkerei. Gut fünf bis acht Stunden in der Woche verbringt Banholzer bei seinen Bienen je nach Jahreszeit. "An den Völkern muss man arbeiten. Das macht viel Spaß", freut er sich. Die Tätigkeit sei sehr vielschichtig und man leiste damit einen wertvollen Beitrag für Natur und Umwelt.
Anfangs hatte Ralf Banholzer zwei Bienenvölker, im vergangenen Herbst waren es 17. Doch über die Winter müsse man mit etwa 20 bis 30 Prozent Verlust rechnen, erklärt er. Sieben seiner Völker haben den Winter überstanden und werden nun wieder aufgepäppelt und vermehrt. "Die Zucht ist ein interessanter Aspekt", betont er. Im Mai beginnt die Schwarmsaison. "In dieser Zeit muss ich jedes Volk einmal pro Woche durchschauen, da in dieser Zeit eine neue Königin nachgezogen wird", erklärt Banholzer. Ist die Königin fit genug, schwärmt sie mit der Hälfte des Volkes aus. "Das muss man unbedingt vermeiden, da man dieses neue Volk sonst verliert". Wenn die Frühjahrsblüte abgeschlossen ist, geht es ans Honig schleudern. "Ein Volk bringt zwischen zwölf und 15 Kilo Honig, manche sogar 30 Kilo". Gut 2000 Euro müsse man zum Start des Hobbys schon investieren, so Banholzer, denn Bienenkästen, Honigschleuder, Rahmen Wabenmaterial und Schutzkleidung benötige man in jedem Fall.
Aber auch, wer keine Bienen hat, kann vieles für einen bienenfreundlichen Garten tun. Beispielsweise sind Birken, Weiden und Haselnuss wichtige Bienenpflanzen. Aber auch ein kleines Bienenfreibad hilft den Tierchen, Wasser aufzunehmen. Dazu benötigt man lediglich eine flache Schüssel mit Wasser und einige Korken, die man auf dem Wasser schwimmen lässt. Mit diesen Schwimminseln ermöglicht man den Bienen, ans Wasser zu kommen, ohne dass sie ertrinken", so Banholzer.
Und noch ein Tipp zum Schluss: Wenn eine Biene doch mal stechen sollte, "ist es wichtig, etwas Heißes auf den Stich zu drücken", empfiehlt der Experte. "Am besten nimmt man einen Löffel, den man in heißes Wasser getaucht hat und drückt ihn mit der gewölbten Seite auf den Stich", so Banholzer. Damit könne man das Gift, das überwiegend aus Eiweiß bestehe, unwirksam machen.