Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Rottweil Mega-Turm spaltet Neckartal

Von
Noch liegt das Grundstück im Neckartal brach. Hier, auf der Rückseite der Indy-Kart-Bahn, soll der Test-Turm von ThyssenKrupp Elevator entstehen. Foto: Schickle

Rottweil - Gelber Löwenzahn, saftig-grüner Klee und mittendrin sprießt ein Turm. Bei solchen Aussichten sind zumindest die Stadtoberen verzückt. Doch was sagen die, die den Turm vor der Nase haben?

"Wir sind gespalten", erklärt Goldschmiedin Sabine Hoffmann. Sie lebt und arbeitet im Neckartal, vom möglichen Test-Turm von ThyssenKrupp Elevator nur ein paar Hundert Meter Luftlinie entfernt, wenn überhaupt. Der Riss zieht sich durch ihre Familie. Ihr Mann Reinhard Müller hatte in der Bürgerinformationsveranstaltung gesagt: "Ich bin für den Turm – im Gegensatz zu meiner Frau und meinen drei Kindern." Er wäre mit seinem Metallgestaltungsbetrieb sogar noch ein bisschen näher dran am "Power-Tower".

Hoffmanns größte Sorge ist indes nicht die Aussicht. Sie fühlt sich als Anwohnerin vielmehr komplett übergangen. Und "die Vorgehensweise finde ich eigentlich skandalös". Den Bebauungsplan, der schon galt, als sie mit ihrer Familie ins Neckartal zog, habe sie als endgültig gesehen. Daraus gehe hervor, dass sich nur noch Kleingewerbe im Neckartal ansiedeln dürfe, keine Großbetriebe.

Das kritisiert auch Ute Bott, die seit 18 Jahren dort zu Hause ist. Es stehe in keinem Verhältnis, wie sie als Anwohnerin einst gegängelt worden sei durch Auflagen des Denkmalschutzes, während es beim Turm, wie Oberbürgermeister Ralf Broß informierte, keine Bedenken gebe.

Allerdings stellt die Stadt gestern auf Nachfrage unserer Zeitung klar: "Es ist nicht richtig, dass der bisherige Bebauungsplan im Neckartal nur die Ansiedlung von kleingliedrigem Gewerbe vorsieht." Er lasse bereits jetzt grundsätzlich Gewerbebetriebe aller Art zu, erklärt Lothar Huber, Fachbereichsleiter Bauen und Stadtentwicklung. Das Problem ist lediglich die Höhe: Bislang liegt das Maximum bei 15 Metern. Das reicht freilich nicht für den 235 Meter hohen Test-Turm. Von dem ist Ute Bott, Geigenlehrerin, überhaupt nicht begeistert. "Der Turm zerstört die ganze Atmosphäre im Neckartal."

Was sie besonders ärgert: Während sie zumindest gerüchteweise von dem 40-Millionen-Projekt Wind bekommen hat, habe so mancher ihrer "Mitbewohner" von den Plänen erst aus der Zeitung erfahren.

Andere wiederum wussten gut Bescheid: die Trendfactory. Thomas Wenger, geschäftsführender Gesellschafter, kann sich nicht einmal mehr genau daran erinnern, wann er es zum ersten Mal mit dem Projekt ("ein neues Innovationskennzeichen für Rottweil") zu tun hatte.

Deshalb war es für die Trendfactory keine Frage, das Grundstück – grob auf der Rückseite der Indy-Kart-Bahn gelegen – zur Verfügung zu stellen. Geld verdient das Unternehmen, ebenfalls mit Sitz im Neckartal, damit nicht. Vielmehr geht es um einen Tauschhandel.

Bisher liegt das Grundstück – ThyssenKrupp Elevator benötigt rund 2000 Quadratmeter – brach, genau wie die angrenzende Fläche Richtung Wald. Die wiederum gehört der Stadt Rottweil und soll, zum Ausgleich, an die Trendfactory gehen. Den Tausch und schließlich den Verkauf an ThyssenKrupp Elevator bringt die Verwaltung über die Bühne.

Wenger hofft mit dem Turmbau auf positive Effekte wie die, die das Kraftwerk als Veranstaltungsort für Rottweil habe: mehr Besucher und womöglich Unternehmen, die sich ebenfalls in der ältesten Stadt des Landes ansiedeln. "Das ist die größte Chance seit vielen Jahren für Rottweil, sich neu zu positionieren in der Region und für die Zukunft", erklärt Thomas Wenger.

Theresia Dreischulte-Klos von der Holzmanufaktor stimmt ihm zu – auch ihr Unternehmen hätte den Test-Turm direkt vor der Nase. Dennoch erhofft sie sich dadurch eine Aufwertung des Neckartals, mögliche weitere Firmenansiedlungen und damit Arbeitsplätze.

Ihr ist aber bewusst, dass die Meinungen auseinandergehen. Das allerdings sei völlig normal. Jetzt hofft sie auf Gespräche, nur so erziele man eine Einigung. Demnächst soll darum ein Treffen des Teams Gewerbepark Neckartal stattfinden, dem die Anlieger des Gebiets angehören. Im Vorstand ist unter anderem Thomas Wenger.

Dass andere Neckartal-Bewohner dem Vorhaben kritisch gegenüberstehen, überrascht auch ihn nicht, schließlich würden neue Entwicklungen immer Veränderungen mit sich bringen. Wenger hofft "schnellstmöglich" auf ein Teamtreffen. Denn: "Kommunikation ist das höchste" – auch im Neckartal. Zumindest, bis der Test-Turm steht.

Ihre Redaktion vor Ort Rottweil

Armin Schulz

Fax: 0741 5318-50

Flirts & Singles

 
 
4

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.