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Rottweil Landrat: "Nicht witzig, sondern strohdumm"

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Hillary und Bill Clinton – die Promis aus den USA stehen auf der "Gästeliste", waren wohl aber kaum tatsächlich in Rottweil.Foto: Thew Foto: Schwarzwälder Bote

Wer ein Restaurant besucht oder ins Café geht, muss seinen Namen angeben. Damit soll im Falle einer festgestellten Covid-19-Infektion rückverfolgt werden können, wer mit wem im Lokal war. Manch einer sträubt sich dagegen und erlaubt sich einen Spaß. Das kann ernste Folgen haben.

Kreis Rottweil. Mit Bill und Hillary Clinton zu Abend gegessen? Das soll vor Tagen in einem Restaurant in Rottweil vorgekommen sein. So zumindest ist einer Art Gästeliste zu entnehmen, die seit der Corona-Verordnung zur Wiedereröffnung der Gaststätten geführt werden muss. Wir haben in diesen Tagen augenzwinkernd darüber berichtet.

Amtsleiter: kein Kavaliersdelikt

Doch dem Landrat und seinem Stab ist nicht zum Lachen zumute. Landrat Wolf-Rüdiger Michel hat am Freitag in einem Gespräch mit Pressevertretern gesagt: "Das ist nicht witzig, sondern strohdumm."

Es ist ganz offensichtlich: Manchem Restaurantbesucher schmeckt es nicht, den Namen sowie Telefonnummer oder Adresse zu hinterlassen. Also greift er auf einen Trick zurück und gibt einen Fantasienamen an. Damit indes wird im Falle eines Infektionsgeschehens in diesem Lokal die Rückverfolgung möglicher Kontaktpersonen erschwert – mindestens verzögert, wenn nicht gar zunichte gemacht. Dabei ist das Rückverfolgenkönnen der Kontaktpersonen unabdingbar, um die Pandemie im Griff zu behalten. Je schneller das gelinge, desto besser könne das Infektionsgeschehen unterbunden werden.

Der Leiter des Ordnungsamts der Kreisbehörde, Thomas Seeger, sagt, es sei kein Kavaliersdelikt, wenn man entgegen den Regeln handle. Landrat und Amtsleiter appellieren daher an die Vernunft der Restaurantbesucher und des Gastwirts, die Sache ernst zu nehmen.

Natürlich sei es für den Gastwirt schwierig, wenn er den Restaurantbesucher nicht kenne und dieser anstatt Maier Müller notiere. Aber bei Clinton oder anderen Prominentennamen könnte der Gaststättenbetreiber schon auch mal nachhaken, erwarten der Landrat und sein Mitarbeiter.

Der Gastwirt solle Plausibilitätskontrollen machen. Wenn sich jemand weigere, den Klarnamen mitzuteilen, könne dieser des Lokals verwiesen werden. Was der Gastronom nicht dürfe, sei, die Vorlage eines Personaldokuments zu verlangen. Dazu habe er keine Berechtigung.

Sollten Gast und Gastronom auffliegen, könnte es für beide ernste Konsequenzen haben. Laut Seeger könnte es gar in Richtung Körperverletzung gehen. Sollte der Gastwirt gegen die Verordnung verstoßen, könnte ihm die Lizenz entzogen werden – mit das schärfste Schwert, so Michel.

3000 Tests in Seniorenheimen

Der Landrat betont, man dürfe sich nicht täuschen, das Virus sei weiterhin da. Er verweist auf Vorfälle im Landkreis Leer und in Frankfurt, wo sich nach einer Party in einer Gaststätte 27 Personen mit Covid-19 infizierten oder nach einem Gottesdienst inzwischen 200 Personen aus dem Umfeld der Gemeinde positiv getestet worden sind. Man müsse noch eine ganze Weile mit Covid-19 leben, so Michel.

Das ist so, auch wenn das Infektionsgeschehen im Kreis erfreulich ruhiger geworden ist, wie der Leiter des Gesundheitsamts, Heinz-Joachim Adam, bekannt gibt. In den vergangenen zwei Tagen habe es fünf neue Infektionsfälle gegeben. Bei der Sieben-Tage-Inzidenz liege man landesweit auf einem 14. Platz. Die Obergrenze beträgt 50. Sollte diese berührt werden, bedeute das wiederum nicht automatisch, dass erneut strengere Regeln griffen. Sondern man werde dann mit dem Landesgesundheitsamt die Lage erörtern und über notwendige Maßnahmen beraten. Adam berichtet von umfangreichen Tests in Senioreneinrichtungen und ähnlichen Einrichtungen im Kreis. 3000 Abstriche seien genommen worden. Es seien nur vereinzelt Infektionen festgestellt worden.

Trotz der Beruhigung der Lage arbeite das Amt auf Hochtouren. Die Mitarbeiter besuchten Fort- und Weiterbildungen, zudem werde ein kreisübergreifendes System auf die Rechner aufgespielt. Demnach könnten Daten zum Infektionsgeschehen über die Kreisgrenzen hinaus leichter ausgetauscht werden.

Die Telefon-Hotline werde nicht mehr so beansprucht wie in der Hochphase der Pandemie. Die Anrufer verfügten über einen guten Kenntnisstand. Beraten würden vereinzelt Reiserückkehrer und bei Entschädigungsfragen. Diese Hotline wurde von zwei Mitarbeitern der Kreisbehörde betreut und wird zum 1. Juni eingestellt.

Die Zuständigkeit für die Bearbeitung von Entschädigungsanträgen (bei Kindertagesstätten- oder Schulschließungen sowie bei Verdienstausfällen aufgrund angeordneter Quarantäne) liege rückwirkend zum 1. Februar beim Regierungspräsidium Freiburg. Bislang wurden im Kreis 23 Anträge gestellt, 19 formlose Anfragen seien eingegangen.  Bei Entschädigungsfragen nach dem Infektionsschutzgesetz siehe auch www.ifsg- online.de, beim Regierungspräsidium unter Telefon 0761/2 08 46 00, E-Mail entschaedigung-ifsg@rpf.bwl.de

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