Rückkehrberatungsstelle: 18 Flüchtlinge konnten in ihr Herkunftsland zurückgeführt werden / Ein Großteil kommt aus dem Irak
Vor fast einem Jahr wurde eine Rückkehrberatungsstelle für ausreisewillige Ausländer mit einem Stellenumfang von 50 Prozent eingerichtet. Evelyn Braun, die entsprechende Mitarbeiterin des Landkreises, erstattete nun im Sozial-, Kultur- und Schulausschuss Bericht.
Kreis Rottweil. Dass ein Bedarf bei diesem Thema besteht, zeigt allein schon die Zahl der Beratungswilligen. 50 Personen in 29 Familienbedarfsgemeinschaften haben seit Januar eine intensive Beratung in Anspruch genommen, berichtete Evelyn Braun im Gremium.
18 Personen seien bereits erfolgreich in ihr Heimatland zurückgekehrt, bei drei liefen derzeit die Antragsverfahren. Vier wollen zudem dringend nach Hause, doch durch Bürokratiehürden werde das vermutlich erst Anfang 2020 möglich sein, so Braun. Fünf Personen seien abgeschoben worden, weil sie zu spät zur Beratungsstelle kamen.
Durch die erfolgreiche freiwillige Rückkehr vieler Flüchtlinge in ihre Heimat habe der Kreis rund 60 000 Euro an Sozialleistungen, Mietkosten, Personalkosten, Verwaltungsaufwand und mehr eingespart. Wenn die drei Personen, bei denen die Rückkehr aktuell noch in der Schwebe ist, Erfolg hätten, so werde der Kreis noch mehr einsparen, prognostizierte Evelyn Braun. Eine der Personen sei ein psychisch schwer kranker Mann, für den man bereits rund 20 000 Euro Krankheitshilfe leisten musste.
Der größte Teil der Rückkehrer komme aus dem Irak. Das liege vor allem daran, dass sich die Lage dort stabilisiert habe und der Islamische Staat zurückgedrängt werden konnte, erklärte Braun. Zu den Rückkehrern zählten außerdem nordmazedonische, georgische, chinesische und kambodschanische Staatsbürger.
Im Kreis Rottweil gebe es deutlich mehr Rückkehrer als in anderen Landkreisen, führte die Landkreis-Mitarbeiterin zudem aus. Ein wichtiger Teil ihrer Arbeit sei, die potenziellen Rückkehrer so vorzubereiten, dass sie in ihrer Heimat gut Fuß fassen können.
"Viele fangen in Deutschland komplett von vorne an und verbinden die Rückkehr auch ein bisschen mit dem Gefühl des Versagens", berichtete Braun. Mithilfe einer Berufsausbildung oder einer entsprechenden Qualifizierung helfe sie den Menschen dabei, in der Heimat leichter eine Arbeit zu finden oder sogar ein eigenes kleines Business zu starten.
Ein großer und nicht gerade einfacher Teil von Brauns Aufgabengebiet ist auch die Beschaffung von Dokumenten für die potenziellen Rückkehrer. "Das wird besonders schwierig, wenn ein Paar hierher gekommen ist, das Kind in Deutschland geboren wurde und sie nun alle zurückkehren wollen", so Braun. Da sei es enorm schwierig, eine internationale Geburtsurkunde für das Kind zu bekommen, da gewisse Dokumente der Eltern, etwa Geburtsurkunde oder Heiratsurkunde, die viele nicht haben, Voraussetzung sind.
Als Gründe für die Rückkehr führte Evelyn Braun den Abschiebedruck an, aber oftmals auch Familientragödien, Krankheiten oder schlichtweg Heimweh, das so stark werde, dass die Menschen sogar drohende Gefahr in der Heimat in Kauf nehmen würden.
Ob man zurück dürfe, hänge dann vor allem von gültigen Reisedokumenten ab. Das sei mal leichter, mal schwieriger. "In Gambia ist es zum Beispiel äußerst schwer, Papiere von Deutschland aus zu bekommen", berichtete Braun.
Für das kommende Jahr nimmt sie sich vor, ihre Klienten noch früher abzuholen. "Wenn die Menschen zu mir kommen, dann haben sie sich meist schon für eine Rückkehr entschieden, und es bleibt nur wenig Zeit für solche beruflichen Qualifizierungsmaßnahmen." Wenn bestimmte Punkte dann erfüllt seien, werde die Rückreise der Menschen finanziert plus " Startkapital".
Eine freiwillige Rückkehr spare gegenüber der Abschiebung einige Kosten. Zudem sei sie besser planbar und sorge dafür, dass niemand in einer Nacht- und Nebelaktion von der Polizei abgeholt wird oder Ähnliches. Und eine Förderung gebe es auch nur, wenn bei den Rückkehrern eine echte Chance auf das Überleben in ihrer Heimat besteht.
Die Personal- und Sachausgaben für die Beratungsstelle werden zu 50 Prozent vom Land Baden-Württemberg bezahlt, der Rest vom Kreis Rottweil. AfD-Vertreter Christoph Maaß wollte wissen, ob auch anerkannte Flüchtlinge zu Evelyn Braun kommen. Dies bejahte sie. "Manche haben nur eine Duldung, andere einen Aufenthaltstitel. Was schon ein paar Mal vorkam, war, dass ich Syrer bei der Beratung hatte, die Verwandte in Flüchtlingslagern in Ägypten, dem Irak oder der Türkei haben und deshalb nicht in ihr Heimatland, sondern in diese Länder reisen wollten. Das geht natürlich nicht."