Piercings und Tätowierungen gehen auf Naturvölker zurück / Die Wahl des Motivs sollte gut überlegt sein

Von Kathrin Kammerer

u  Ob im Gesicht, am Hals, auf Armen, Beinen oder Bauch – Piercings und Tattoos lassen sich an beinahe jeder Stelle des menschlichen Körpers anbringen. Das Piercen und Tätowieren ist ohne Frage eine schmerzhafte Angelegenheit. Trotzdem lassen sich Menschen seit Jahrhunderten nicht vom Körperschmuck abbringen, der in dieser Zeit einen schleichenden Wandel vom speziellen Ritual zum allgemeinen Trend vollzogen hat.Die Geschichte des Körperschmucks geht auf Naturvölker aus Afrika, Amerika und Asien zurück. Hier dienten Piercings und Tätowierungen neben der schmückenden Funktion vor allem als Abgrenzung zu anderen Stämmen und als sakrales oder rituelles Symbol.

Beim äthiopischen Volksstamm der Mursi zum Beispiel gelten so genannte Lippenteller als Schönheitsideal. Die Unterlippe der Frauen wird hierzu aufgeschnitten und mit Hilfe von eingesetzten Tontellern immer weiter gedehnt – ein wahrhaft schmerzhaftes Unterfangen. Trotzdem hat das Ritual eine immense Bedeutung für die Frauen, denn je größer der Lippenteller ist, als umso attraktiver wird auch die Trägerin von der Männerwelt wahrgenommen.

Tätowierungen wurden unter anderem auch genutzt, um eine bestimmte religiöse Zugehörigkeit zum Ausdruck zu bringen. So wurden in Bosnien bis Anfang des 20. Jahrhunderts katholische Mädchen tätowiert, um einen Übertritt zum Islam zu verhindern. Auch koptische Christen in Ägypten tragen bis heute ein Kreuz an der Innenseite des rechten Handgelenks.

In der westlichen Welt dagegen wurden lange Zeit fast ausschließlich Ohrläppchen durchstochen, und auch Tätowierungen waren nur in bestimmten Kreisen, etwa bei Seeleuten, Häftlingen oder Soldaten, zu finden.Erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gewann der Körperschmuck auch im westlichen Kulturkreis an allgemeiner Popularität und erlebte in den 1990ern einen regelrechten Boom. "Klar gibt’s beim Piercen auch gewisse Trends, aber ich kann trotzdem sagen, dass die Piercingwünsche hier im Studio recht ausgeglichen sind", erzählt Jonas Bieg vom Tätowierstudio "Hayd" in Schramberg. Besonders beliebt seien zur Zeit aber das seitlich versetzte Labretpiercing (Unterlippe), das Tragus­piercing (Ohrknorpel) und das Bauchnabelpiercing.

"Beim Tätowieren sind momentan Schriftzüge wieder sehr gefragt, vor allem auch mit dem Namen der Kinder", erzählt der Fachmann weiter. Er betont jedoch, dass man sich auf keinen Fall ein bestimmtes Motiv nur der Mode wegen stechen lassen sollte.

Piercen und Tätowieren sind indes auch mit einem gewissen Risiko verbunden. "Das Stechens eines Piercings ist natürlich immer eine Verletzung der Haut, und in diese Verletzung können auch Bakterien eindringen", weiß der Internist Kai Mauch aus Zimmern.

Wenn sich diese Bakterien vermehren, kann es zur Bildung eines Abszesses und im schlimmsten Fall zu einer Blutvergiftung kommen, erklärt er weiter. Vor allem Piercings im Bereich der Schleimhäute sowie in gut durchblutetem Gewebe seien sehr empfindlich.

Bei Knorpelpiercings tritt oftmals der sogenannte Wildwuchs auf. Hierbei handelt es sich, so erklärt der Mediziner, um "eine vermehrte Narbenbildung", welche durch eine "Überreaktion des Gewebes ausgelöst wird".

Vor allem bei Tätowierungen sollte man sich vor dem Stechen gründlich überlegen, ob man das gewählte Motiv auch in ein paar Jahren noch tragen möchte. Genau das sei auch der Grund weshalb man sich bei ihnen erst ab 18 tätowieren lassen darf, betont Jonas Bieg vom "Hayd". Ein weiteres Kriterium sei zudem die körperliche Ausgewachsenheit der Kunden, die sich tätowieren lassen wollen.

Falls man ein Tattoo doch einmal leid sein sollte, ist zu bedenken, dass eine Entfernung zwar möglich aber mit hohen Kosten verbunden ist. Die gängigste Methode ist eine Laserbehandlung, bei der die von den körpereigenen Zellen (Makrophagen) eingeschlossenen Farbpigmente des Tattoos so stark erhitzt werden, dass sie zerbersten. Die Kosten der Laserbehandlung werden jedoch nicht von der Krankenkasse übernommen und können bei besonders großen und bunten Tattoos sehr teuer sein. Und selbst nach einer solchen Behandlung ist nicht gewährleistet, dass die Spuren des Tattoos komplett verschwunden sind. Narben- und Schattenbildung sowie Reizungen und Entzündungen der betroffenen Hautstellen sind mögliche Nebenerscheinungen.

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