Das Landratsamt will eine eigene Kinderbetreuung für Beschäftigte der Behörde und der Kreissparkasse ins Leben rufen. Foto: Seeger

Landrat Michel überrascht Jugendhilfeausschuss. Manch einer spricht von Luxuslösung.

Kreis Rottweil - Laut Landrat Wolf-Rüdiger Michel ist es vor allem die Sorge, in Zukunft nicht mehr genügend Fachpersonal zu bekommen, die zum Ansinnen geführt hat, eine extra Kinderkrippe für Beschäftigte der Kreisbehörde und der Kreissparkasse (KSK) einzurichten.

Der Vorschlag wurde sichtlich überraschten Kreisräten jetzt im Jugendhilfeausschuss des Kreistages auf den Tisch gelegt. Dass es bei einer wieder besseren Kassenlage im Vergleich zu früheren Jahren möglich sein muss, wieder stärker in die Zukunft zu investieren – in diesem Fall in attraktivere Arbeitsplätze – wurde in dem Ausschuss, in dem neben Kreistagsmitgliedern auch Vertreter anderer mit Jugendarbeit und Jugendhilfe betrauten Organisationen sitzen, durchaus bejaht, dem vom Sozialdezernenten Bernd Hamann vorgetragenen Ansinnen letztlich auch einhellig zugestimmt.

Allerdings mit der Maßgabe, dringend zu prüfen, ob das gewünschte Hort-Angebot nicht einer bestehenden Einrichtung der Stadt Rottweil angegliedert werden kann. Dies beantragte Kreisrat Thomas Haas. Nicht nur den Schiltacher Bürgermeister treibt die Ahnung um, dass eine neue Einrichtung für eine einzige Gruppe (zehn Plätze) für die Kinder von Beschäftigten von Landratsamt (LRA) und KSK ein zu kostspieliges Unterfangen werden könnte.

Das sehen andere wie der Epfendorfer Kreisrat Johannes Sauter ähnlich. Da fruchtet es bei vielen auch nicht, wenn Hamann die Idee zur Schaffung der Einrichtung ganz in der Nähe von LRA und KSK in rührenden Worten damit zu untermauern versucht, dass bei einem Hort für Ein- bis Dreijährige die Möglichkeit gegeben sein müsse, dass Mutter oder Vater im Notfall (Hamann: "ein Kleinkind kann ganz plötzlich erkranken") in drei bis vier Minuten vor Ort sein könnten.

"Kinder sind mir wichtiger als das Geld"

Immerhin gibt es die eine oder andere Stimme, die vorbehaltlos den Vorstoß der Kreisverwaltung unterstützt. So Bettina Buntrock aus Villingendorf, die als Vertreterin eines Jugendverbands dem Gremium angehört. "Jeder Kilometer zählt", meint die junge Mutter. Ähnlich positioniert sich Albert Risch, Vertreter eines Verbands der freien Wohlfahrtspflege. "Kinder sind mir wichtiger als das Geld", sagt der Schramberger, spricht’s und lässt auch gleich wissen, dass ihm "der Aspekt einer attraktiven Zukunftsgestaltung in der Runde völlig unterbewertet" vorkämen.

Dies sehen andere deutlich anders. So spricht Kreisrat Jens Jäger aus, was wohl noch manch anderer denkt. Bevor eine solche Luxuslösung spruchreif gemacht werde, müssten eben andere gute Lösungswege gecheckt werden, die vermutlich in einer Anbindung an die bestehenden Rottweiler Einrichtungen möglich seien. Auch weil sich die Stadt Rottweil angesichts ihrer vorzüglichen eigenen Infrastruktur möglicherweise nicht auch noch für Zuschüsse für eine zusätzliche Betriebseinrichtung erwärmen könne.

Bernd Haman hat jetzt zunächst einmal die Aufgabe, die Möglichkeiten für eine weniger aufwändige Hort-Lösung in Erfahrung zu bringen. Dann erst sollen genaue Zahlen ins Spiel kommen. Bei einem Neubau für eine Kinderkrippe für LRA und KSK wäre nach geläufigen Eckwerten mit 400.000 Euro für Investition und Ausstattung zu rechnen.