Tobias Kammerer mit seiner Skulptur "Engelsflügel", die nun weiter am Oberrotenstein bleibt.Foto: Marcel Foto: Schwarzwälder Bote

Kunst: Veto vom OB / Auch Café-Projekt liegt derzeit auf Eis

Rottweil (mm). Eigentlich sollte den neu gerichteten Vorplatz des Rottweiler Friedhofs eine Skulptur von Tobias Kammerer schmücken. Der Künstler wollte seine gläsernen "Engelsflügel", die derzeit beim Skulpturenpark Oberrotenstein stehen, der Stadt kostenlos zur Verfügung stellen. Das war so mit der Friedhofsverwaltung abgestimmt. Kammerer war bereits mit Bauunternehmer Chris Jerger vor Ort, um den Sockel zu planen. Doch daraus wurde nichts, und daran war nicht Corona schuld, sondern Rottweils Oberbürgermeister Ralf Broß.

Sie habe ein Aufstellungsverbot von Broß erhalten, schrieb die Mitarbeiterin der Friedhofsverwaltung am 21. Februar an Kammerer. Dann habe sie mit Bürgermeister Christian Ruf gesprochen, der gemeint habe, es dürfe keine dauerhafte Aufstellung geben, die Skulptur dürfe nur einen Tag stehen.

Die Kosten für Sockel und Transport der Skulptur – dafür braucht es ein Spezialunternehmen – liegen bei etwa 10 000 Euro. Die Mitarbeiterin schrieb in der Mail, sie versuche noch mit Abteilungsleiter Tiefbau Timo Geiger und Fachbereichsleiter Lothar Huber Gespräche zu führen, "in der Hoffnung, einen Weg zu finden." Eine Eröffnungsfeier sei auch nicht erwünscht.

"Das ist so was von traurig", reagiert Kammerer. Ein paar Wochen dauerte es, bis es von der Stadtverwaltung eine Stellungnahme gab, denn Pressesprecher Tobias Hermann ist derzeit im Urlaub. So kam die Antwort schließlich von Tanja Schumpp, der Sekretärin von Ralf Broß.

"Beim Ruhe-Christi-Friedhof sind wir in Bezug auf Kunst eher zurückhaltend. Auch bei der Neugestaltung des Vorplatzes sowie der Herstellung der Barrierefreiheit der Kapelle haben wir uns um eine gewisse Zurückhaltung bemüht und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Wir sind jedoch gerade dabei, Stellungnahmen von Nutzern und Fachämtern einzuholen, um die Fragestellung – voraussichtlich im Herbst – im Gemeinderat zu beraten, da ein entsprechender Antrag der Fraktion der Freien Wähler vorliegt", schreibt sie.

Auch ein weiteres Projekt am Friedhof liegt derzeit auf Eis: Ein Selbstbedienungscafé in einem Raum bei der Friedhofskapelle. "Es gibt sehr viele schöne Beispiele für Cafés auf Friedhöfen", weiß Kammerer. Auch das war mit der Friedhofsverwaltung abgesprochen, die Wände sollten mit verschiedenen Bildern zum Thema Tod und Auferstehung geschmückt werden. "Da hätte ich Kollegen hinzugezogen", sagt der Künstler. Die Selbstbedienungs-Kaffeemaschine steht bereits in dem Raum, ein Bild ist aufgehängt, "doch jedes Mal, wenn ich komme, ist abgeschlossen", sagt Kammerer.

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