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Kreis Rottweil Kein Personal: Rettungswagen nicht einsatzbereit

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Jeder Rettungswagen muss mit zwei Personen besetzt werden, einem Notfallsanitäter und einem Rettungssanitäter. Fehlt das entsprechende Personal, bleibt der Wagen stehen. (Symbolbild) Foto: Armer

Kreis Rottweil - Die Information, die uns zugespielt wird, klingt besorgniserregend: Zunehmend könnten beim DRK-Kreisverband Rettungswagen wegen Personalmangels nicht besetzt werden. Allein in der vergangenen heißen Woche waren vier Mal Wagen nicht einsatzbereit. Was heißt das für die Versorgung der Bürger?

Mancher, der von der Situation beim DRK genaue Kenntnis hat, macht sich Sorgen. Wenn von sieben Rettungswagen zwei wegen Personalmangels ausfallen, so wie am Mittwoch, dem heißesten Tag der vergangenen Woche geschehen, könne das DRK die ausreichende Notfallversorgung womöglich nicht gewährleisten. "Man muss sich vorstellen was das heißt, bei 140.000 Einwohnern im Kreis, an so einem heißen Tag", sagt uns jemand, der die aktuelle Situation überaus kritisch sieht.

Ausfälle "eklatant"

Abhilfe sei nicht in Sicht, der Personalmangel sei – landesweit – ein großes Problem. Kurzfristige personelle Ausfälle müssten eigentlich schon in den Schichtplan einkalkuliert werden. Dies sei aber im Kreisverband Rottweil aufgrund der Unterbesetzung gar nicht mehr möglich. Die Ausfälle seien mittlerweile "eklatant". Für diejenigen, die dann an solchen Tagen Dienst haben, sei die Situation "eine Katastrophe".

Die Frage ist: Weiß die Aufsichtsbehörde, also das Landratsamt, davon? Und wie schätzt dieses die Lage ein? Fakt ist, dass die Leistungsträger für die Notfallrettung – in dem Fall das DRK – monatlich über Ausfälle und eingehaltene Hilfsfristen berichten müssen. Mit dem Kostenträger, den Krankenkassen, ist genau festgelegt, mit wie vielen Rettungswagen die Notfallversorgung für die Bevölkerung gewährleistet sein muss.

Im Kreis Rottweil sind dies tagsüber sieben – verteilt auf die Wachen Rottweil, Oberndorf, Schramberg und Sulz – sowie ein Rettungswagen in Schiltach, der aber vom benachbarten Kreisverband besetzt wird. Nachts müssen sechs Rettungswagen dienstbereit sein.

Besetzung ist schwierig

Dass deren Besetzung derzeit manchesmal schwierig ist, räumt auch Rettungsdienstleiter Marcus Stotz im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten ein. Die Informationen über die jüngsten Ausfälle seien korrekt, sagt er: Vergangene Woche fiel am Montag, Dienstag und Mittwoch jeweils ein Rettungswagen der Tagschicht in Schramberg aus, am Mittwoch zusätzlich noch ein Rettungswagen der Tagschicht in Oberndorf. Abermals war am Samstag ein Rettungswagen in Oberndorf nicht besetzt. Aber: "Wir konnten unsere Aufgaben erfüllen, die Hilfsfristen wurden eingehalten", betont er.

Dabei gab es an besagtem Mittwoch 26 Notfalleinsätze, zweimal sei man außerdem im benachbarten Zollernalbkreis tätig gewesen. Laut Stotz liege man bei den Hilfsfristen sogar mit 96,3 Prozent über der Vorgabe von 95 Prozent.

Dennoch macht Stotz keinen Hehl daraus, dass bei den Rettungskräften im DRK-Kreisverband Personal fehlt. Sieben Stellen im Rettungsdienst sind derzeit nicht besetzt. Der Markt sei leer gefegt. Allerorten werde um vorhandene Kräfte gebuhlt. "Es ist nicht einfach", sagt Stotz. Dass krankheitsbedingte Ausfälle wie vergangene Woche nicht abgefangen werden können, sei ärgerlich – auch wenn versucht werde, die Lücken im Schichtplan mit Mitarbeitern, die eigentlich Freizeit haben, zu füllen. "Es ist eine schwierige Situation für alle Beteiligten. Und natürlich gehen wir nicht mit einem guten Gefühl in so einen Tag", sagt Stotz. Der Rettungsdienstleiter betont aber, dass es trotzdem für die Bürger keinen Anlass zur Sorge geben müsse. Letztendlich sei im Juni von den 7140 geplanten so genannten "Vorhaltestunden" in der Notfallrettung ein Prozent ausgefallen. Normalerweise liege man bei Werten von 0,3 bis 0,5 Prozent.

Auch in der noch bevorstehende Urlaubszeit komme man "nach momentanem Stand" wohl gut über die Runden. "Aber natürlich weiß man nie, was noch kommt", sagt Stotz. Insgesamt gibt es 84 Notfall- und Rettungssanitäter beim DRK-Kreisverband.

Das Landratsamt erklärt auf unsere Anfrage, dass Ausfälle in der Notfallrettung "systembedingt" kaum zu vermeiden seien. Für den Mai seien im Kreis Rottweil 106 Stunden Ausfall registriert worden, bei einer Gesamtsollstundenzahl von 7378 Stunden ergebe das eine Ausfallquote von 1,44 Prozent.

Spitzenwert bei Hilfsfristen

In Anbetracht der Vormonate (Januar 0,17 Prozent, Februar 0,44, März 0,77, April 0,0) eine deutliche Steigerung. Aber: Für die Beurteilung der Leistungsfähigkeit sei die Hilfsfristquote maßgeblich. Und obwohl der Mai 2019 mit 1,44 Prozent der Monat mit der bisher höchsten Ausfallquote war, habe der Landkreis mit 97,22 Prozent Hilfsfristquote für das ersteintreffende Rettungsmittel bei einem "Spitzenwert" gelegen. Dieser zeige "die hohe Schlagkraft der Notfallversorgung". An der Leistungsfähigkeit des DRK bestünden "keine Zweifel". Ab einer Ausfallquote von fünf Prozent, so die seit Januar geltende Vorgabe des Innenministeriums, müsse der Bereichsausschuss eingeschaltet werden.

Ausbildung wird verstärkt

"Wir setzen alle Hebel in Bewegung, um die Ausfälle so gering wie möglich zu halten"", versichert Rettungsdienstleiter Marcus Stotz, der Monat für Monat die herausfordernde Aufgabe hat, den Schichtplan mit bis zu 180 Namen zu füllen. Beim Rottweiler DRK-Kreisverband setze man verstärkt auf die Ausbildung und gehe mit sieben Azubis ans mögliche Maximum. Laut Stotz können im Herbst drei der sieben offenen Stellen durch fertig werdende Auszubildende besetzt werden, zwei weitere durch neue Kräfte von außen. Wie die weitere Fluktuation aussieht, weiß niemand. Der Personalmangel im Rettungsdienst wird so schnell nicht behoben sein – hoffentlich ohne weit reichende Folgen.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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