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Rottweil Jetzt treibt er es auf die Spitze

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Foto: Foto: Schwarzwälder Bote

Jochen Bühler ist ein Mensch, der alles andere als unauffällig durchs Leben geht. Jetzt will der Ex-Student, der bei einer Verhandlung im Oktober 2018 einen Polizisten wegen Körperverletzung verurteilt sehen wollte, Kanzler der HFU werden. Dafür bewirbt er sich "indirekt".

Schwarzwald-Baar-Heuberg. Die Geschichte über die juristische Auseinandersetzung um nicht bestandene Klausuren und einen dadurch gefährdeten Abschluss, um Exmatrikulation und Hausverbot, schien zunächst ein Fass ohne Boden zu sein. Der juristische Clinch mit der Hochschule Furtwangen beschäftigte über eine längere Zeit das Arbeitsgericht Freiburg. Der Student ließ, wie berichtet, nicht locker und erzielte auch Erfolge. Nach Jahren des Disputs hat er nun das in der Tasche, um was es letztendlich bei dem Streit ging: seinen Abschluss als Diplom-Ingenieur, wie er dem Schwarzwälder Boten versichert. Zur Abschlussfeier, beklagt er sich, habe er jedoch nicht kommen dürfen. "Das war mir nicht erlaubt."

Nichtsdestotrotz will der Ex-Student seine Zeit an der HFU nicht ein für allemal als beendet ansehen. Vielmehr peilt er ein Spitzenamt an seiner einstigen Hochschule an. In einer Mail lässt er die Redaktion des Schwarzwälder Boten in Villingen-Schwenningen wissen, dass er sich als Kanzler der Hochschule Furtwangen bewerbe. Da er aus "bekannten Gründen" nicht direkt zur Hochschule Furtwangen Kontakt aufnehmen dürfe, bewerbe er sich indirekt für die dortige Kanzler-Stelle.

Was treibt ihn an, trotz der vielen scharfen Auseinandersetzungen mit der Hochschul-Einrichtung? "Ich möchte grundlegende Verbesserungen fördern", so die Antwort. Und, in Anspielung auf seine "eigenen Erfahrungen" mit der HFU: "Es soll anderen Studenten nicht auch so ergehen wie mir." So heißt es in seinem Bewerbungsschreiben an Ministerin Theresia Bauer (Landesministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst), dass Studenten in unnötige Gerichtsverfahren gehetzt würden. Es sei notwendig, dass "ich auch diesbezüglich an der HFU einiges wieder richtigstelle und korrigiere". Auf mehreren Seiten führt er Maßnahmen auf und schließt: "Sie sehen, dass vieles an der HFU im Argen liegt und dringend ein Korrektiv benötigt wird."

Was sagt die Hochschule zu der "indirekten Bewerbung" ihres einstigen Studenten, der sich jahrelang mit einem Professor – und damit der Hochschule – in den Haaren lag? Die Stellungnahme fällt mager aus: Die Hochschule Furtwangen gebe zu laufenden Stellenbesetzungsverfahren keine Stellungnahme ab.

Als Streiter für Recht und Ordnung sah sich Bühler auch im Oktober 2018 vor dem Amtsgericht Rottweil. Wegen Körperverletzung im Amt hatte er einen Polizisten zur Anklage gebracht. Der soll ihm am 10. März 2017 bei einem Polizeieinsatz in Rambo-Manier mit der Faust aufs Auge gehauen haben. Bedienstete einer Einrichtung hatten wegen Störung des Betriebsfriedens Ordnungshüter zu Hilfe gerufen. Gemeinsam soll der zu dem Zeitpunkt offenbar sehr renitent und rabiat auftretende Unruhestifter dann mit erheblichem körperlichen Nachdruck zu Boden gebracht worden sein.

Ob dabei tatsächlich eine fliegende Faust – allein dieser Tatbestand wäre laut Staatsanwalt strafrelevant gewesen – ausschlaggebend für das blaue Auge war, oder dieses durch sonstige Turbulenzen beim körperlichen Gerangel verursacht wurde, das Bühler – damals 47-jährig – davongetragen hatte, ließ sich in der erst viele Monate später vonstatten gehenden Verhandlung aufgrund sehr widersprüchlicher Zeugenaussagen nicht feststellen. Bühler hatte 2017 mit einer Anzeige auch längere Zeit gewartet.

Die Amtsrichterin sah sich schließlich – nachdem ein für Amtsdelikte zuständiger Kriminalhauptkommissar zur polizeiinternen Fallaufarbeitung bei der Rottweiler Direktion berichtet hatte – veranlasst, den Schulterschluss mit Staatsanwalt und Verteidiger zu suchen für einen Schlussstrich, der dem beim Prozess 43-Jährigen Polizisten eine Verurteilung knapp ersparte: Vorläufige Einstellung des Verfahrens bei Zahlung einer Geldauflage von 1250 Euro durch den Angeklagten, aufgeteilt auf den Bewährungshilfeverein und die Polizeistiftung, lautete das Urteil.

Aufatmen also bei dem Ordnungshüter, der mehrfach beteuert hatte, zu seinem Tun nichts beschönigen zu brauchen. Hart, aber fair gehe er seinem Beruf nach, zu dem er sich in Stuttgarter Brennpunktrevieren wichtiges Rüstzeug angeeignet habe. So durfte dieser weiter strafrechtlich unbeleckt seiner Wege gehen.

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