Rottweils OB Christian Ruf kündigt in seiner Haushaltsrede neben einem strikten Sparkurs auch Millionen-Investitionen an. Der Hammer: ein neues Schwimmbad für 40 Millionen Euro.
Die Knallernachricht sparte sich Oberbürgermeister Christian Ruf für die letzen Seiten seiner fast 20-minütigen Rede zur Einbringung des Haushalts 2026 auf. Er schwor die Gemeinderäte auf Sparrunden und bedeutende Investitionen der kommenden Jahre ein.
Das Wort „Zukunftsfähigkeit“ hallte nach. Um diese für Rottweil zu erlangen brauche es gemeinsame Anstrengungen. Der Haushalt sei mehr als ein Zahlenwerk. Er sei „Ausdruck politischer Prioritäten, finanzieller Realität und gemeinsamer Verantwortung für die Zukunft unserer Stadt“, so Ruf. Übersetzt heißt das: Um Rottweil handlungsfähig zu halten, muss ein Spagat vollzogen werden. Sparen und Kosten reduzieren auf der einen Seite und dennoch wichtige Investitionen tätigen.
Der Ernst der Lage
Wie ernst es mit dem Sparen ist und welche Anstrengungen Verwaltung und Gemeinderäte hierfür bereits unternahmen – auch das machte Ruf deutlich. „Selten hat ein Haushaltsplanentwurf bereits im Vorfeld solch intensive Beratungen erfahren.“ Sechs Haushaltsstrukturkommissionen, eine Gemeinderatsklausur-Sitzung und eine Gemeinderats-Konsolidierungs-Sitzung seien nötig gewesen, „um strukturelle Schieflagen durch mitunter äußerst schmerzhafte Beschlüsse auszugleichen“. Die November-Sitzung sei ihm noch in lebhafter Erinnerung.
„Die Lage ist ernst“, so Ruf eindringlich. Vor diesem Hintergrund sei der Haushaltsplanentwurf – ein Zahlenwerk auf 462 Seiten – „kein Wunschkonzert, sondern ein realistisches, verantwortungsvolles und zukunftsorientiertes Arbeitsinstrument“.
Hohe Kosten, sportlicher Sparkurs
Was heißt das nun konkret? Auf der Einnahmenseite, kann sich die Stadt über einen Zuwachs von rund 93 Millionen Euro auf 105 Millionen Euro freuen. Allerdings steigen die Ausgaben in diesem Zeitraum von 93 Millionen auf 107 Millionen Euro. Der Grund: Die Personal-, Sach- und Transferkosten, sprich Umlagen, erhöhen sich besonders stark. Allein die Aufwendungen für das Personal steigen um rund 567 000 Euro – und da sind die Einsparungen bereits eingerechnet.
Ein weiterer Treiber: sogenannte Transferaufwendungen. Dazu gehört die Betriebskostenumlage für die Kindergärten nichtstädtischer Träger, die sich allein auf 10,3 Millionen Euro beläuft. Die Erhöhung der Kreisumlage von 29 auf 31,5 Prozent schlägt sich mit rund 1,2 Millionen auf der Kostenseite nieder. Und der laufende Zuschuss an die Landesgartenschau gGmbH beträgt 970 000 Euro.
Der Sparkurs für 2026 und die folgenden Jahre ist sportlich. 970 000 Euro werden durch den aktuellen Konsolidierungskurs für 2025 im laufenden Betrieb eingespart. Für 2026 rechnet Ruf 1,785 Millionen, für 2027 knapp über 2 Millionen und ab 2030 mit jährlich rund 2,7 Millionen Euro. Spüren wird das die Bevölkerung bei den Standards wie Öffnungszeiten kommunaler Einrichtungen, Anpassungen bei den Kinderbetreuungsangeboten usw. Ruf:„Das sind harte Entscheidungen, aber sie sind notwendig, um die finanzielle Stabilität der Stadt zu sichern.“
Es wird kräftig investiert
Trotz dieser Anstrengungen bleibt unter dem Strich ein Minus von 1,2 Millionen Euro. Und dauerhafte Belastungen durch Schulden gibt es dann ja auch noch. „In der Liquiditätsbetrachtung sind langfristig ein jährlicher Zinsaufwand von rund 1,8 Millionen Euro sowie eine ordentliche Tilgung von 1,66 Millionen Euro abzubilden.“ Und: in manchen Jahren werde die ordentliche Tilgung nicht vollständig erwirtschaftet werden können.
Und trotz alledem wird Rottweil auch weiterhin kräftig investieren. 110,8 Millionen Euro im Zeitraum 2026 bis 2029. 47 Millionen Euro in die Landesgartenschau und die damit verbundenen Stadtentwicklungsmaßnahmen. Die Gartenschau verschaffe diesen „Sowieso-Maßnahmen“ einen strategischen Vorteil, weil so vielen Investitionen erhebliche Fördermittel gegenüberstünden. „Wir investieren nicht nur viel, wir investieren auch klug“, so Ruf.
5,1 Millionen werden in die Kinderbetreuung investiert. 7,8 Millionen in Schulen – darunter 6,7 Millionen für das AMG. 11,56 Millionen nimmt Rottweil für die Weiterentwicklung der Sportstätten in die Hand – das meiste davon, nämlich 10,75 Millionen, für den Neubau der Campus-Sporthalle.
Kombibad und Riesenchance
Und der Knaller: Erstmals ist im städtischen Haushalt ein Etat für ein neues Kombibad enthalten. Ruf spricht von einem Gesamtvolumen von 40 Millionen Euro. Für das Aquasol soll es einen Ersatzbau geben, der Hallen- und Freibadnutzung verbindet. Und zwar am Standort des Freibads.
Dies sei ein Konzept, dass am Ende eines langen Prüfprozess entstanden sei. „Trotz aller bisherigen Unterhalts- und Sanierungsbemühungen lässt sich das Gesamtgebäude heute nicht mehr wirtschaftlich sanieren“, so Ruf. Gleichzeitig eröffnen sich so für das Grundstück des bisherigen Aquasols neue Perspektiven für die Stadtentwicklung.
Dass es beim Thema Aquasol so konkret wird, hat folgenden Grund: Das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ weckt nicht nur für die geplante Campus-Sporthalle, sondern auch für einen Aquasol-Ersatz die Hoffnung auf Zuschüsse. Ruf spricht von bis zu acht Millionen für das Kombibad. „Deshalb wollen wir die Planung und Umsetzung eines Ersatzbads als Kombibad im Bereich des Freibads weiter vorantreiben – mit einem klaren Zielhorizont bis 2031!“
Hoffen auf Bundeszuschüsse
Es sei fahrlässig, die Chance ungenutzt zu lassen – vor allem, da der Zuschussstrom, den Rottweil durch die Landesgartenschau erfährt, versiegen wird. „Das Regierungspräsidium unterstütz uns enorm bei der Akquise von Landesförderungen, sagt Ruf. Die Stadt werde praktisch bei jedem Förderprogramm, das passt, priorisiert unterstützt. Aber: „Diese Gunst endet zu dem Zeitpunkt, in dem der letzte Gast das Gelände der Landesgartenschau im Oktober 2028 verlassen hat.“
Indes – auf Bundeszuschüsse darf die Stadt weiter hoffen. Und auf das Sondervermögen des Bundes, das in jedem Falle – so viel sei sicher – ausgeschüttet werde. Rottweil rechne hier mit einem Anteil von etwas mehr als 14 Millionen Euro. Wann und wie viel Geld genau ausbezahlt werde, sei allerdings noch nicht verlässlich.