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Rottweil Intarsienarbeiter der Sprache

Von
Foto: Friederichs/Rapp

Eine Jubiläums-Gala feinster Klasse bot Thomas C. Breuer sich selbst, seinen Mitspielern und Weggefährten, seinen internationalen Gästen sowie den Bürgern aus Rottweil und Umgebung im ausverkauften Festsaal der Gymnasien (wir berichteten).

Rottweil. Musetteries, Blues und Jazzklänge zu Songs auf den Jubilar, witzig-tiefgründige Dialoge und Monologe, samt Preisverleihung – alle mündeten in eine große Hommage an den Sprachartisten und Zungenakrobaten Thomas C. Breuer. "Noch herrsche Ruhe vor dem Turm, der Käsestange, dem Babylon der schwäbischen Karpaten", eröffnete Breuer in gewohnt distanziert, nur scheinbar sperrigen Art den Abend, begrüßte Gäste, dankte dem Generalkonsul der Schweiz, Ernst Steinmann, für den Sektempfang, plauderte aus seinen kabarettistischen Anfängen im Gymnasium Bad Ems und dem eigentlichen ersten Auftritt in Ida Oberstein bis zu seinem heutigen, dem 3333. Auftritt, um rasch zu den Künstlern des Abend zu lenken.

Zwischen musikalischen Finessen von Lydie Auvray am Akkordeon, Blues Mama mit Renate und Jochen Braun, Pink Pedrazzi an der Gitarre oder Werner Bodinek tischten Kabarettisten auf – mit Breuer und ohne ihn. Vom Publikum war da höchste Konzentration ob des Wortspiels oder befreiendes Lachen ob der hintergründigen Erkenntnis gefordert. Grandios war die parodistische Weinprobe mit Jochen Malmsheimer und Breuer: genau richtig, um Sprachspiralen auf der Zunge zergehen zu lassen. Die persönliche Hommage an seinen langjährigen Freund geriet zu einem gemischt vielblättrigen breuerschen Waldgemälde, das Breuer "bescheidene, aber beharrliche Ortsfeste im Wachsen nach oben" bescheinigte. Scharfzüngig freundschaftlich spielte Bernd Gieseking, selbst kabarettistischer Finnlandreisender, auf die Breuer’schen Reisen an und lobte dessen Sujetkenntnis als "klug, krachend und komisch".

Breuer als Wegbereiter und Besitzer des bedeutendsten Radio-Kabarettpreises, des Salzburger Stiers, kam überraschend zu einem weiteren Preis. Die Laudatio von Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, geriet selbst zu einer kabarettistischen Nummer: "Der Satiriker ist ein gekränkter Idealist, um die Welt besser zu machen", überreichte sie Breuer den Stier von Thür. Den keltischen Grabfund kommentierte Breuer als "aus dem Reich der Barbarei".

Zwei Mitglieder des sechsköpfigen Ensembles "Heidelberger Zungenschlag" beehrten den Jubilar mit einem spritzigen Dialog: "Kein Adel ohne Zahlen" aus breuerschen Satzeinsprengseln gemeinsamer Auftritte. Nicht zuletzt Breuers Zugehörigkeit zur Schweiz untermalte der gebürtige Berner Bänz Friedli. Zu grandiosem Doppelwitz aus Schweizer Dialekt und Hochdeutsch geriet den beiden Radiosprechern der "Zytlupe" der Dialog über Breuer und Bänz, über Groß und Klein, bis zur bitteren Erkenntnis: "Die Mitte ist das Maß aller Dinge: Das Mittelmaß!"

Zwischen solcher Wortakkrobatik bezauberten die musikalisch-schauspielerischen Kleinodien das Publikum. Schauspieler Bodinek zeigte sich theatralisch und sehr persönlich zugeneigt, Pink Pedrazzi modulierte in feinster Melancholie seinen Song über das Älterwerden, Lydie Auvray spielte tanzend leicht ihr Akkordeon, Renate und Jochen Braun interpretierten in ihrer Weltpremiere Breuers Bahnbuch "Ich hänge mein Herz nicht an Abfahrtszeiten" und orderten in ihrem Rottweil-Song zu Turm und Brücke wachsende Munterkeit in der Stadt.

Den Abschluss-Beitrag aber offerierte Partnerin und Organisatorin der Gala, Beatrice Siegel, um dann mit allen Künstlern einen Glückwunschreigen zu bilden für 40 Jahre Thomas C. Breuer.

Großer Beifall, viel Lachen und Jubel gab es für einen wunderbaren Jubiläumsabend und für einen "Intarsienarbeiter der Sprache", dessen Abschiedstour alles andere als sein letzter Auftritt sein möge.

 
 

Ihre Redaktion vor Ort Rottweil

Armin Schulz

Fax: 0741 5318-50

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