Ob seine Eltern verheiratet sind, oder nicht, dürfte diesem Knirps wohl egal sein. Foto: dpa

Zahl nichtehelicher Geburten im Landkreis steigt. Quote liegt bei 19,7 Prozent.

Kreis Rottweil - Die Geburtenzahl sinkt, die Zahl nichtehelicher Geburten steigt. Dies ist ein klarer Trend im Land und auch im Kreis Rottweil.

Im Jahr 1996 kamen im Kreis Rottweil noch 149 Kinder zur Welt, deren Mütter keinen Trauschein hatten. Für 2009 wurden 226 nichteheliche Geburten gezählt, eineinhalb Mal soviel wie Mitte der 90er- Jahre. Damit liegt die Nichtehelichenquote jetzt bei 19,7 Prozent. Der Trend zum Kind ohne Trauschein betrifft dabei vor allem deutsche Frauen: Der Anteil ausländischer Kinder unter den nichtehelichen Kindern liegt aktuell bei 3,5 Prozent.

Wenn es um die Frage geht, welche Rolle die Staatsbürgerschaft bei der Entwicklung der nichtehelichen Geburten spielt, gibt es aber noch einen Punkt zu berücksichtigen. Denn zu den deutschen Regelungen gehört, dass ein Kind ausländischer Eltern durch die Geburt im Inland die deutsche Staatsangehörigkeit erwirbt, wenn ein Elternteil seit acht Jahren rechtmäßig seinen gewöhnlichen Aufenthalt im Inland und dazu ein unbefristetes Aufenthaltsrecht hat. Das heißt, unter den 218 registrierten nichtehelichen deutschen Kindern im Kreis Rottweil sind acht deutsche Kinder mit ausländischen Eltern. Dazu kommen acht registrierte Kinder mit ausländischer Staatsbürgerschaft. Diese Kinder mit eingerechnet, liegt der Anteil von Kindern ausländischer Herkunft an den nichtehelichen Geburten insgesamt bei 7,1 Prozent.

Für alle Mütter und Kinder insgesamt ohne Berücksichtigung der Staatsangehörigkeit zeigt sich beim Blick auf die Zahlen, dass der Anteil der nichtehelichen Geburten im Kreis Rottweil 1996 noch bei 9,1 Prozent lag, inzwischen aber 19,7 Prozent erreicht. Was die absoluten Zahlen angeht, so ist die Zahl der Geburten insgesamt mit 1147 um 489 niedriger als 1996. Die Zahl der nichtehelichen Geburten lag damals bei 149 im Gegensatz zu 226 heute.

Wenn es darum geht, die Entwicklung zu interpretieren, dann fällt zweierlei auf: Wenn Frauen unter 20 Mutter werden, dann ist die Nichtehelichenquote im Land extrem hoch: Hier sind drei Viertel aller Kinder von ledigen Müttern. Allerdings haben diese jungen Mütter mit etwas um die zwei Prozent nur noch einen geringen Anteil an den Geburten. Es zeigt sich allerdings auch, dass die Nichtehelichenquote mit dem zunehmenden Alter der Mutter bis unter 35 abnimmt und in der Gruppe 30 bis 35 mit 16 Prozent ihren Tiefststand erreicht. Danach zieht sie wieder leicht an.

Zunehmende Erwerbsbeteiligung der Frauen

Die Entwicklung passt dazu, dass heutzutage "weniger beziehungsweise später geheiratet wird", sagt Werner Brachat-Schwarz, der Leiter des Referats Bevölkerungsstand und -bewegung beim Statistischen Landesamt. Eine wichtige Voraussetzung für die zunehmende Zahl der nichtehelichen Kinder "war und ist die zunehmende Erwerbsbeteiligung und Qualifizierung der Frauen sowie die hierdurch erreichte ökonomische Unabhängigkeit".

Dass mit einer Nichtehelichenquote von 19,7 Prozent wie im Kreis Rottweil noch längst nicht das Ende der Fahnenstange erreicht ist, zeigt ein Blick nach Osten: In Ludwigslust in Mecklenburg-Vorpommern ist die Lust auf Trauscheine deutlich geringer als die auf Geburtsurkunden. Dort haben 64,6 Prozent aller Neugeborenen ledige Mütter. Das wären umgerechnet auf den Kreis Rottweil statt 226 Babys demnächst 1147, stabile Lust auf Kinder vorausgesetzt.