Lachyoga, das Lachen ohne Grund, ist ein aktueller Trend unter den Yogaformen. Foto: Kovalenko

Glückshormone aus dem Keller: Yoga-Kurs macht aus Heiterkeitsmuffeln entspannte Menschen.

Rottweil - Zum Lach-Yoga geht es erst einmal in den Keller der Römerschule in Rottweil. Doch dort wird es tatsächlich heiter, während draußen der Nebel immer engere Kreise um das Haus zieht.

»Ho-Ho-Ha-Ha-Ha«, erschallt aus elf Kehlen, unterstützt von rhythmischem Klatschen. Mit Verlaub – das klingt so ähnlich wie ein Schlachtruf, den einst die 68er-Generation auf ihren Demos dem »Establishment« entgegenschleuderte. Doch Elke Schwarz, Sozialpädagogin und Lehrerin des Lach-Yoga, wärmt ihre Schüler damit auf.

Wer hierherkommt, der braucht vielleicht wirklich einen heiteren Schlachtruf gegen das Alltagsgrau. Ärger, Stress, Überforderung – das sind die Killer des Lächelns in den Gesichtern vieler Menschen. Über den nervigen Chef darf man keine Witze reißen, Überforderung wird gerne kaschiert mit dem Sprüchlein »Wir können alles, außer Hochdeutsch«. Nur hier, im Keller der Römerschule, darf man über diesen ganzen Wahnsinn einfach lachen.

Und wenn der Kopf nicht mit will, dann geht der Körper einfach voran. Das ist überhaupt das Erfolgsgeheimnis des Lach-Yogas. Elke Schwarz erklärt, was bei den Übungen passiert. »Wir lachen hier grundlos. Es sind die Körperübungen, durch die man zum Lachen kommt.« In der Praxis mutet das – im wahrsten Sinne des Wortes – komisch an. Zum Beispiel der Lach-Schuhplattler, eine Mischung aus Abklatschen und Reise-nach-Jerusalem. Die Kursteilnehmer – Lehrerinnen, Rentnerinnen, Ingenieure – kurz: ernst zu nehmende Leute, stehen einander in zwei Reihen gegenüber und skandieren ihre »Ha-Has«, während sie sich gegenseitig abklatschen – nun ja, verwatschen, würde der Bayer sagen. Der jeweils letzte der Reihe muss danach ans andere Ende rennen, während Elke Schwarz den Rhythmus anheizt. Am Ende der Übung herrscht eine Stimmung wie bei einem Kindergeburtstag.

Richtig in Fahrt kommen die Lach-Jünger allerdings bei einer Übung, die Ärger in Lachen verwandelt. »Alles was euch so richtig wütend gemacht hat heute, das packt ihr in einen Schneeball, werft ihn hinter euch, und lacht einfach drüber«, so Elke Schwarzens Anleitung. Es klappt. Die Männer und Frauen sehen sich mit blitzenden Augen an: Da hat jeder was in petto. Das Gelächter ist anschließend fast nicht zu bremsen.Nach einer Entspannungsphase, in der noch auf dem Rücken liegend so lange gelacht, gekichert und gegiggelt werden darf, wie man will, gehen alle tiefenentspannt auseinander. Ach ja, draußen, da ist ja noch der Nebel. Aber über den kann man ja nur lachen.