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HGV hat auf weitere Stellplätze in Bahnhofstraße gehofft. Geschäftsleute machen seit Jahren auf Thema aufmerksam.

Rottweil - Beim Handel macht sich Enttäuschung breit. Der Gemeinderat hat sich gegen den Abriss des Gebäudes Bahnhofstraße 1 entschieden. Dabei hatte man beim Gewerbe- und Handelsverein (GHV) Rottweil so sehr auf weitere Stellplätze gehofft.

Das Jahr der Turmeröffnung, das Stadtfest, vielleicht die Hängebrücke und nicht zu vergessen der Narrentag – 2017 steht in Rottweil viel an. Schon deshalb hätten sich die Vorsitzende des GHV, Karin Huonker, und ihr Stellvertreter Magnus Hugger eine andere Entscheidung des Gemeinderats gewünscht. Aber auch mit Blick auf die übrigen Tage machen die Geschäftsleute seit Jahren auf das Thema Parken aufmerksam.

Hinter verschlossenen Türen hat die Mehrheit der Stadträte vergangene Woche den Antrag der Fraktion der Freien Wähler abgelehnt, das Gebäude Bahnhofstraße 1 abzureißen und kurzfristig für Stellplätze einzuebnen. Zuvor, in einer öffentlichen Sitzung Mitte Mai, erinnert sich Huonker, sei das Thema in die letzte Sitzung vor der Sommerpause vertagt worden. "Wir wurden vertröstet", schildert die GHV-Vorsitzende und wundert sich, dass die Abstimmung nun auf die Tagesordnung des nichtöffentlichen Teils gerutscht ist: "Das Thema interessiert doch."

Das erhoffte Signal an die Innenstadt-Händler, dass das Thema Parken erkannt ist und es voran geht, blieb aus. "Dabei haben wir eigentlich nur noch ein halbes Jahr Zeit", sieht Hugger die Stadt sehenden Auges auf einen Verkehrsinfarkt zusteuern. Denn: Abgesehen von den anstehenden Großereignissen zeichnen sich für das Duo an der GHV-Spitze weitere Einschränkungen beim Stellplatzangebot ab. "Beginnen an der Villa Duttenhofer die Bauarbeiten, fallen dort auf einen Schlag 20 Plätze weg", weiß Huonker. Geht es dann noch auf dem Gelände der Alten Paketpost los, wird es mit dem Angebot in der Innenstadt noch enger. "Klar", sagt Huonker, "für ein dreitägiges Fest ist das mit Shuttlebussen noch zu lösen, aber der Normalbetrieb mit unseren Kunden nicht."

Hugger: Wir müssen wettbewerbsfähig bleiben

Huonker und Hugger lassen keine Zweifel aufkommen: "Wir freuen uns auf die Turmeröffnung und sehen auch das Projekt Hängebrücke optimistisch." Doch gerade deshalb hatten sie nun ein ganz anderes Signal aus dem Rathaus erwartet. "Natürlich ist es ein altes Lied, wenn wir immer nach Parkplätzen singen", macht Hugger seiner Enttäuschung Luft, "aber seit mehr als fünf Jahren ist es unser Thema, ohne dass zusätzliche Stellplätze geschaffen werden". Deren Bedeutung für die Händler in der Innenstadt hängt er hoch. "Wir brauchen sie, um wettbewerbsfähig zu bleiben – auch gegen die Konkurrenz aus dem Internet und auf der grünen Wiese." Den Abriss des sogenannten Hak’schen Hauses nun weiter zu verschieben, habe nicht zur Stärkung der Innenstadt beigetragen.

Die Stadt hat das Gebäude an der Bahnhofstraße eigentlich für den Bau eines Parkhauses gekauft. Die Entscheidung, es nun vorerst stehen zu lassen, erklärt Oberbürgermeister Ralf Broß mit der Ungewissheit, wie sich die Flüchtlingszahlen über die Sommermonate entwickeln. Man wolle gewappnet sein und sich durch einen Abriss nicht die Möglichkeit nehmen, dort Flüchtlinge unterzubringen –­ auch um Hallenbelegungen weiter vermeiden zu können. Derzeit werde der Bedarf an Stellplätzen ermittelt, erklärt Broß. Auf dieser Grundlage könne dann jederzeit über den Abriss entschieden werden – unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen und Entwicklungen.

"Wir brauchen die Fläche erst", stellt der Oberbürgermeister klar, "wenn sich im Rahmen des Parkierungskonzepts herausstellen würde, dass wir dort ein Parkhaus brauchen." Nur ist das für die GHV-Vertreter gar nicht fraglich. "Ich brauche kein weiteres Gutachten, um zu wissen, dass dort ein Parkhaus hin soll", sagt Hugger und erinnert an die Empfehlung des Büros Kölz, im Süden der Innenstadt zusätzlichen Parkraum zu schaffen. "Uns läuft die Zeit davon", zeigt er sich fast schon resigniert. Seine Prognose: "Bis zum Narrentag haben wir noch keine zusätzlichen Stellplätze."